Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 3 (26.1.1922)
- Date
- 1922-01-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Är. z H Wahrtz eii Oerie li ordneten Gregor und Dr. B e n e b e? legten ihre Lanzen für die Juden ein. Die jüdische Emigration nach Nordamerika. Das Arbeitsmini-stermm in Washington brachte einen Ges-etzentwurf in den Kongreß ein, demzufolge jeden Monat eine gewisse Anzahl von Emigranten über die gesetzliche „Quote" in die Vereinigten Staaten Eingang finden würden. Diese Erlaubnis soll als Vorschuß aus die Quote des künftigen Monats erteilt werden und eine für jedes der Artswanderungsländer besonders bestimmte Einwanderungsziffer vorsehen. Vor der Verhandlung des Gesetzes -durch den Kongreß wird sich -der Regierungsaus-fchuß für Einwanderungsfragen das Gutachten verschiedener Persönlichkeiten einhvlen. Von jüdischer Seite wenden diesbezüglich eitrige Hias-Delegierte sowie Louis Mavshall einvernommen werden. Bei diesem Anlässe soll nicht unerwähnt bleiben, daß laut Bericht des statistischen Bureaus in Washington ein namhaftes Kontingent der Eingewanderten aus Palä st i n a stammt. Dieser Umstand beweist, daß die Verhältnisse irn Heiligen Lande.manches zu wünschen übrig laßen. Ein Wort au den Minister. Den ungarischen Minister Gras Beth len geht es an. Minister, Ungar, Graf, drei Bedingungen, gegebene Versprechen zu halten. Weiß nun Se. Exzellenz davon, daß in M i s k o l c z vor einiger Zeit die Staatspolizei die Internierung -beziehungsweise Mfchiebung des Joses Abend verfügte, eines Angestellten; der Chewra Kadischa, der übrigens einen kleinen Verkaufssiand auf dem dortigen Marktplatz rnnehatte? Die Jnternierungsverfügung erstreckte sich nicht nur auf ihn und jetue Frau, sondern auch auf seinen Sohn Alexander Abend. Diese polizeiliche Maßnahme erweckte nicht nur wegen des Umstandes, daß Josef Abend -bereits seit 30 Jahren in Ungarn lebt, sondern mehr noch durch die Begründung des Jnternierungsbeschlusses Befremden. Der Chef der Mikolczer Polizei begründete schriftlich den Jnternierungsbeschluß wortwörtlich damit, daß „die Genannten jener ausländischen Judenrasse angehören, deren Ausenchalt im Lande für die Nation schädlich und nachteilig wäre". Demgegenüber stellt Joses Abend in seinem Rekurse fest, daß er im Alter von 24 Jahren nach Ungarn kam, nunmehr seit 30 Jahren hier wohne, wovon er 29 Jahre ununterbrochen in Mikolcz verbringt. Hier hat er seine Ehe geschlosfM, hier sind seine Kinder geboren. Im Weltkrieg war er trotz seines vorgerückten Alters ungarischer Soldat und hat 14 Monate an der Front gekämpft. Noch erstaunlicher sind die Angaben des Sohnes Alexander Abend, der gleichfalls samt Weib und kleinem Kinde interniert beziehungsweise ausgewiesen werden soll. Alexander Llbend gibt an, baß er sich immer für einen ungarischen Staatsbürger hielt und gleich in den ersten Tagen nach Ausbruch des Krieges im Alter von 16 Jahren sich freiwillig zum Kriegsdienst meldete. Nach zweimonatiger Ausbildung kam er an die Front, kämpfte auf allen Schlachtfeldern und wurde während des Krieges achtmal verwundet. Unter -anderem bekam er einen Bauchschuß, weshalb er mchrere Monate in den Innsbrucker und Komorner Spitälern in Pflege stand. Er ist im Besitze der großen silbernen Tapfevkeitsmedaille. Infolge dieser Rekurse kam die Angelegenheit vor die Bezivkshauptmannschaft, deren Entscheidung man nrit. Interesse entgegensehen darf. Traurig genug, daß es zu einem Rekurse gegen diese asiatische Verfügung kommen, daß sie sich überhaupt ereignen konnte; noch trauriger, daß es in Ungarn eine Regierung gibt, die solche Schmach nwglich machen konnte; am traurigsten, daß der ritterliche Ungar und Minister Mut hat, der Welt Geschichten über den Schutz aller Staatsbürger aufzubinden. Von Nah und Fern Das Lob des „Joint". Der berühmte Wiener Chirurg Prof. Dr, Adolf Lorenz, der gegenwärtig Amerika rjrft, schrieb an den „Joint Distribution Corumittee" dieser Tage folgenden -nteresfanten Brief: „Ich habe erfahren, daß die amerikanischen Juden bereit sind, weitere 14 Millionen. Dollar für die Notleidenden in Osteuropa zu spenden. Dies ijl eine sehr große Spende. Ich weilte während des ganzen Weltkrieges tu Wien. Ich habe gesehen, was der „Joint" geleistet hat. Ter „Joint" speiste die hungernden Kinder, unterstützte die Kranken und Notleidenden. Ich habe es bereits gesagt und ich wiederhole es, ohne die Hilfe wäre Wien heute ein Friedhof. Tausende Kinder in Europa danken dem „Joint Distribution Committee" ihr Leben. Ich bin kein Jüde, -aber in der Wohltätigkeit existiert kein Unterschied zwischen Glauben und Glauben. Darum sage ich: Gott segne euch, amerikanische Juden, und auch euer Werk sei gesegnet." Konzert. Am 15. d. M. fand im mittleren Koilzerthaussaal ein Konzert statt, in desien Mittelpunkt der berühmte schwedisch - jüdische Sänger Martin Chochem aus Stockholm stand. Chochem., der seine Ausbildung in Stockholm gerwß, stanlmt aus Wilna (Litauen) wo -auch sein Vater als berühntter Kantor wirkte. Der Künstler verfügt ^außerdem über eilt großes schauspielerisches Talent. Martin Chochems Tournee durch Skandinavien war vom schönsten Erfolge uild schmeichelhaften Lobe der schwedischen Zeitnngeil begleitet. Seine Spezialität ist die Darstellung vou Typen der Leidenschaft aus den Niederungen des menschlichen Lebens. In Palästina, wo er weilte, hatte er sich die Jnrpressionen zu seinen Liedern geholt. Die Stimmung des heiligen Landes, die Naturbilder schufen irr chm das Lied, welches seine Seele erfüllt. Chochem ist der jüdische Künstler rar exeoil-eaee. Große Kenner im Auslande, auch Theoretiker, fow-ie die Professoren der Universität Upsala waren von seiner aparten Kunst begeistert. Auch die wahrhaft kunstverständigen Kreise der Wiener Gesellschaft waren von seinem Konzert hochbesriedi-gt. Wertiger scheint dies bei dem Künstler betreffs der Konzertleitung der Fall gewesen zu sein, wie seine an ariderer Stelle erscheinende Zuschrift -an die „Wahrheit" erkennen läßt. Zur Kolonisierungssrage in Palästina. Eine hu ,/Zsido-Szemle" erschienene Ausführung des Professors Dr. Adolf Strauß, wonach -der Zionismus ruhiger und jedem Aussehen ausweichend Palästina kolonisieren müsse, farrd in einem Briefe eines in Budapest studierenden arabischen Studenten eine Erwiderung, die ungefähr dein Standpunkt der arabischen Intelligenz irr dieser Frage entspricht. Es heißt darin: Das Programm des Zionismus dulde keine stille Arbeit und eine Kolonisation des Sich- Einschleichens. Eine offene Arbeitsfront der Inden müsse aber die Verdrängung der Araber bedeuten, was letztere nicht ruhig hinnehmen können. Die einzige Lösung wäre, wenn die Jrrdenheit das arabische Volk im Zeichen des pansemitischen Gedankens durch wirtschas-liche und kulturelle Kooperation unterstützen würde. Denn das arabische Volk als semitische Rasse fordert nach einer 4OOjährigen türkischen Bedrückung die Machtvertretnng des Islams für sich. Die Wiedererwachung der arabischen Nation bedeutet gleichzeitig die Renaissance der uralten semitischen Kultur. König F a i s u l s Programm ist die Vereinigung der semitischen Rassen. Ter Zionismus vertrete nicht die gesamte I u p e n s ch a f t, hingegen könne das Welrjudentum sich d»m pausemitischsn G-d«nken nicht entziehen, da