Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 3 (26.1.1922)
- Date
- 1922-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. L solche Bedingungen zu schaffen, daß durch sie das Maximum von Inden ins Land kommen kann, und zweitens hat die Mandatarmncht -als Hilfsmittel, in der Durchführung dieser Arbeit zusammenzuarberten mit einer jüdischen - Vertretung, der Verkörperung unserer staatsbildenden Bestrebungen, und das ist vorläufig die Zionistische Organisation, welche die Pflicht hat, alle Juden zur Mitarbeit heranzuziehen. Das ist eine Magna charta, der Freiheitsbries des jüdischen Volkes, und er ist nicht nur für den Status des jüdischen Volkes in Palästina von Bedeutung,. sondern auch für die moralische Situation des Volkes im der Diaspora. Man behandelt uns heute als Volk, als G l e i ch e u n t e r Gleichen, das ist der moralische Gewinn. Nun liegt es an uns, die politische Formel in Realität zu verwandeln. Eine schwere Verantwortung liegt auf den Schultern des ganzen Volkes, denn das Mandat gehört dem ganzen Volke, nicht den Zionisten allein. Wenn wir jetzt versagen, werden die Völker auf unsere Klagen nicht mchr hören und das mit Recht. Die zivilisierten Völker anerkennen bereits eine jüdische Körperschaft lwub räumen ihr juridische Gewalt ein, im Aufbau Palästinas mit der Mandatarmacht zusammenzuwirken: die „Jewish Agency". Das ist die erste legale Zelle des jüdischen Volkes als juristische Einheit. Viele Juden, die bis heute mit dem Ausbau Palästinas wenig zu tun hatten, wollen jetzt diese au sich reißen. Diesen Juden sagen wir: Ihr könnt die Jewish Agency erhalten, wenn ihr das Eintrittsgeld bezahlt, . eine Million Pfund jährlich für den Aufbau Palästinas. Wenn ein Geschäft verkauft wird, so werden auch die Imponderabilien mitverkauft, nicht nur die realen Werte, der gute Name und das wollen wir auch einschätzen. Diesen “„good will" bedeuten fünfzig Jahre der Träume, der Arbeit und der Kolonisation, als es noch kein Mandat gab, wir noch nicht anerkannt, sondern belächelt wurden. Das sind die Bedingungen; mit Mitarbeiten — nicht zum Mitreden. Es sind noch andere vorhanden, die nicht wollen, daß die Jewish Agency in den Händen der Zionisten bleibe: die Araber. Aber ich sage Ihnen: Das Mandat wird bestätigt werden in der Form, in welcher es vorliegt, weil die Völker der Erde, die uns die Deklaration gegeben haben, und uns das Mandat bestätigen werden, historisch tiefer denken, als man glaubt. In diesem Kampfe, wo jedes, auch das kleinste Volk feilte nationalen Ansprüche erhob und durchzusetzen suchte, konnte man verstehen, daß eine alte Nation mit einer großen, ruhmreichen Vergangenheit ein Recht hat auf ein Winkelchen der Erde, von wo sie das mächtigste aller Worte gesprochen hat. Das war unsere unzerstörbare Macht und darum sind wir durchgedvnngen. lstnd darum wird das Mandat bestätigt. Die allergrößte Schwierigkeit äußerer Natur ist das Verhältnis zu den Arabern. Vieles ist zwischen uns und den Arabern getreten, feitJahrhundertenkennenwiruns nicht mehr, jene sind im Orient zurückgeblieben, wir haben ein europäisches Kleid angelegt. Aber die Führer unter den Arabern beginnen zu verstehen, daß im Aufbau des neuen Ostens und für den Fall, daß ein arabischer Staat entstehen sollte, die Juden Mitarbeiten wenden unter der Bedingung, daß Palästina ein Judenland werden muß. Nun gibt es noch eine Großmacht und mit der muß man am allermeisten verhandeln. Das ist das jüdische Volk selbst. Ein großer Teil unseres Volkes kommt ökonomisch und in gewisser Beziehung politisch nicht in Betracht. Aber eine große jüdische Gemeinschaft in Amerika wird sich allmählich der Verantwortitng bewußt und beginnt die Mittel zu ersetzen, die sonst vielleicht aus dem Osten gekommen Seite 7 wären. Aber das ist nicht genug. Es ist nötig, daß jeder in seinem Lande sich der Anstrengung bewußt werde, die er zu machen hat." Der Bortrag macht des Redners Glück, heißt es bekanntlich im „Faust", und wir müssen Herrn Weizmann zubilligen, daß er ein nicht gewöhnlicher Bortragsmeister ist, der sich recht gut aus jenen Ton zu stimmen weiß, der jeweilig die 3iont}tijcf>e Zukunftsmusik machen soll. Diesmal war er mit mimsicht ans die Zuhörerschaft ganz aus Begeisterung eingestellt, die eines der schätzenswertesten Vorrechte der Jugend ist. Nachdem aber Herr Weizmann ltrehr iim Herbst als im Frühling seines Lebens steht, ivird ein Zwetset au die Naturuchleir seiner breit hlnge,tcomlen Empfindungen ebenso erlaubt sein, wie eine Kritik der r-orr ihm verzapften politischen Weisheiten. Vorerst, daß es im Interesse rrnglands liegt, die zionistische Palästinaarbeit zu erleichtern. Dem medner wird das treffliche Jargonslüct „Das Pintele Jüd" nicht unbekannt sein, und er wird wohl selbst nicht glauben, daß das „denkende, fühlende und weltumspannende^ England trotz der Weizmannschen Goderlkratzerei für das Pintele Jüd ausgerechnet fetzt Interesse haben wird, wo die indischen, ägyptischen, meso^otumlschen und mitteleuropäischen Wirren ihm den Kops zerbrechen. Höflich gesprochen, ist es eine Mißdeutung der Geschichte zu erklären, daß in Anbetracht der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina dessen Wiederherstellung anertannt werde, „Palästina war ein Judenstaat und dieser soll wiederhergestellt werden." Mer in der gepriesenen Balsourdeklaration wurde des „Judenftaates" mit keinem Worte erwähnt. Es ist nur von der „Heimstätte" die Rede. In diese werden sich die Inden mit den Arabern und Christen friedlich teilen müssen. » Ebenso ist die Behauptung, daß man uns nun, da wir mit Gottes und der Zionisten Hilfe ein Volk (im natioitaien Sinne) geworden sind, als Gleiche unter Gleichen anerkenne, anfechtbar. Selbst das von Weizmann verhimmelte England und Vizepalästina Amerika hat ja seine Antisemiten, die von einer Gleichheit nichts wissen wollen. Fussen wir die letzten Weizmann-Reden summarisch zusantmen, so finden wir auch nicht einen neuen Gedanken, lvohl aber die alten Fehler der zionistischen Kops-dnrch--di» Wand-Politik. Wenn aber ein Kops gegen die Wand stößt, kommt immer jener zu Schaden. Auch ist die Zeit der Witnder vorüber, da man die Wälle einer feindlichen Stadt durch Posaunengeschmetter zum Einstürzen bringen konnte. Der Zionistenchef hat sich zwar weidlich angestrengt, aber an dem Gefüge der Weltpolitik wird seine Reklametrompetr keinen Stein losmachen; auch keine neuen Freischärler zur blan-weißen Fahne bringen. Weizmanns Anwesenheit in Wien war kein Ereignis, nur eine Reissepisode. Unterbringung von jüdischen Waisenkindern aus der Ukraine und aus Polen. Von Flora R u s s o, Wien. (Schluß.) Auch etliche der kleinen Eingewanderten ließ man zu Worte kommen. Mit großer Lebhaftigkeit wußte der zwölfjährige Najman Feld von der plötzlichen Aenderung seiner Lebenslage zu erzählen. Er lebte mit Vater, Mutter und einem älteren Bruder in Jitomir, wo das Leben derart unerträglich wurde, daß absolut keine Arbeitsmöglichkeit oder ein Stückchen Brot beschafft werden konnte. Der Vater führte einen harten Daseinskampf, um mit den Seinen das kärglichste Leben zu fristen, doch brach er min D i e W a h rh ei1