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Die Wahrheit · 1922-01-26 · Heft 3 (26.1.1922) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 3 (26.1.1922)
Date
1922-01-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Zentralvereins mit begeisterten Worten zuni Ausdruck gebracht, wie in der vorigen Nummer unseres Blattes berichtet wurde. Auch in Ungarn, wo der Wbau des Mischen Lebens gleichfalls bedrohlichen Umfang genommen hatte, ist der Gedanke, dem drohenden Verfall durch Frauenvereine entgegenzuarbeiten, vollendete Tatsache geworden. Wie sehr diese aufnrunternden Beispiele Nacheiferung bei uns fordern, kommt leuchtend und überzeugend Ms Bewußtsein, wenn man dem Mahnruf des trefflichen Kanzelredners Rabbiner Dr. G r u n w a l d aus seiner letztgehaltenen Predigt weitesten Kreisen bekannt gibt. Die von frommem Eifer und reinstem ethischen Empfinden durchdrungenen Worte lauteteil etwa: „Das Lebensbild Jakobs ist darum für uns eine wertvolle Quelle der seelischen Stärkung, weil er gegen all die Unbilden seines äußeren Geschickes in seinem Innern ein Gegengewicht sich zu schaffeii weiß. Durch eine Laune der Natur, wie er es wohl damals aufgefaßt haben mag, wird er dem sittlich tieserstehenden Bruder nachgesetzt. Er versucht einen Ausgleich durch ein äußeres Mittel. Der Erfolg ist Bruderhaß und Flucht aus dem Elternhaus?. Bei Laban. Hier teilt sich das Wolkendüster, über Jakobs Haupt. Ein Sonnenblick des Glückes: Rahel. In ihrer Liebe findet er Trost für das Vergan-geue, Kraft gegenüber den Prüfungen der Gegenwart, der schamlosen Geschäftsmoral Labans. Doch „Söhne pflegen dem Bruder der Mutter zu ähneln" (Talmud). Der herzlose Ausbeuter Laban zeigt Jakob, wie fein eigeiies Tentpevament sich auswirken würde, wenn es schrankenlos walten könnte. Unter diesem Gestchtswitrkel betrachtet er die folgenden Heimsuchungen — Lähmung, Tod seines geliebten Weibes, Kränkung und Unehre durch die Kinder, Verlust seines Lieblings Josef, dann der wirtschaftliche. Zusammenbruch — als S'chicksalsschlage, bestimmt, seinen Charakter stahlhart zu hänrineni. Nur so bann inan iiach solchen Erfahrungen Gott für „Liebesbeweise" danken. Zum Schluß das bittere Gnadenbrot am Tisch des Kindes, ein Lebensabend m fremd epi Lande. Mer — er hat Josef wieder und in Josef das Ebenbild seiner unvergeßlichen Rahel. Josef war fein Trost in der Trauer um sie gewesen. Nach Josefs Verlust lastete diese Trauer doppelt schwer auf seiner Seele. Als er ihn wiedersah, ,/da lebte Jakob auf". Wie scheidet ein solcher Käntpfer, Känrpfer selbst hu buchstäblichen Sinne des Wortes, aus dem Leben? Der „Segen Jakobs" enthält einen Fluch über Simon nnd Levi, die „brüderlich" zusammengehen, wo es gilt, einen Wehrlosen zu überfallen, aber auch unbrüderlich sich Zurückhaltung auferlegen, wo ein Bruder unschuldig ins Elend gestoßen wird. Der Fluch Jakobs haftet ttoch an ihren sparen' Enkeln. Sie müssen jüdisches Brot essen. Simons Nachkommen sind (Rafchi) die Lehrer der Religion, die Levis verwalten den Kultus. Doch auch für diese mißratenen Söhne findet Jakob einen Ersatz in feinen Enkeln Ephraim und Menafche. Im Segen empfiehlt er diese Enkel dem Schutz des Engels, der chn selbst erlöst hat „aus -allem Bösen". Alles Böse hat aber Jakobtrotz der Fülle seiner Leiden nicht durchgekostet. Das Böseste blieb ihm erspart: einböses Weib, eine verfehlte Ehe. Ein böses Weib ist bitterer -als der Tod (Kohelelh). Gegen Todesnot hilft Wohltun. Gegen ein unglückliches Heim auch dies tticht. Jedes Verhängnis wird durch Umkehr, Gebet und gute Werke ausgehoben. Das Weib, schon vor der Geburt dem Manne bestimmt, wird ihm, wenn nicht zu chm passend, zum unentrinnbaren Verhängnis. Auch Scheidung ist kein Ausweg. Denn entscheidend für die Gestaltung des ganzen Lebens ist doch die erste Ehe. Jakob blieb von diesem Unheil nicht allein verschont, je.ne Ehe ist vielmehr mustergültig Rahel ist sein Glück, solange sie lebt, ihr AndenEen sein Trost noch in seinen letzten Stunden. An -diese VÄrsterche wird matt erinnert, wenn man sicht, wie unsere jüdische Jugetrd Ehen schließt. Der Niedergang des ^Judentums hat zum größten Teil seinen Grund in dem Sinken des Niveaus unserer jüdischen Frauen. Bor -hundert und vor fünfzig Jahren waren es in Wien jüdische Frauen, die in ihren Salons nicht -nur für das gesatnte gesellschaftliche Lüben den Ton angaben, sondern auch zttm Wohl ihrer jüdischen Brüder gewirkt haben. Wie anders unsere tonangebenden jüdischen Häuser. Und ähnlich unser Mittelstand. Hier ist attzusetzen, die jüdische Fratt wieder zur jüdischen Frau zu erziehen, um das Haus Jakob wieder zur Blüte emporzuführen. Auch von diesem Hause gilt das Wort: Wenn nicht Gott das Haus erbaut, ist alle Mühe umsonst. Wenn tticht jüdischer Geist die treibende Kraft ist, >da gibt es töeittett Ersatz, find alle Mittel unbrauchbare Surrogate." Hoffentlich ist Sr. Ehrwürden Dr. Gr unwald nicht die Enttäuschung beschieden, als Prediger in der Wüste eines moraldürren Großstadtlebens seinen Mahnruf erlassen zu haben, hoffentlich fallen seine Worte nicht auf lauter steinigen Boden, sondern auch Mts empfättgliches Saatfeld. Und also sprach Weizmann! Im größten Wiener Versantmlungs lokale,- den Sofiensälen, hielt Chaim W e i z m a tt tt, der von jüdischen Bolkesgnadeu bestellte Höchstzion,ist, aut 28 v. M. anläßlich einer Makkabäerfeier und tags darauf bei einer Heerschau seiner Getreuesten zwei Reden, die wir dem ganzen Inhalte nach widergeben, damit uns tticht der Vorwurf treffe, durch -aus dett Zusammenhang gerissene Stellen die Erleuchtung Weizmanns verdanken zu wollen. Nim denn, dieses sind die Worte Weizntanns: Wir siind jetzt ein Staat m Bewegung, der langsam aus dett Platz konvergiert, wo jetzt das jüdische Nationalheim allmählich und mühevoll ausgebaut wird. Keine Kraft der Welt, weder Araber noch irgendeine Koalition der Judenfeittibc, kann diese langsame Vorwärtsbewegung mts ihrer Linie bringen. Man kann es mts nur schwerer oder leichter ntachett, und es liegt in der Hand und im Interesse Englands, unsere Arbeit zu erleichtern.Das denkende, fühlende, historisch nnd weltumspannend blickende England weiß das, und darum habe ich das felsenfeste Vertrauen, daß England fein Wort niemals brechen wird und das von uns mühsam erkämpfte Mandat zu politischer Wirklichkeit wird. Das Beste, das wir besitzen, wird jetzt in den Dienst der Arbeit gestellt werden müssett, damit diese geschriebene Formel zur Wirklichkeit werde." . In seiner zweiten Rede erinnerte Weizmann zunächst daran, daß es im Mandat noch heiße: In Anbetracht der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, werde dessen „Wiederherstellung" anerkannt. Auf dieses Wort kommt es an. Wir wollen das nationale Heim wiederherstelleu, anfrichten, was einmal schon war. Deshalb sind alle Deutungen nutzlos — es war ein Judenstaat, und dieser soll wieder hergestellt werden. Im Mandat sind zwei Mittel vorgeschlagen, um das Ziel zu veümrklichen, soweit es England betrifft: Erstens in Palästina

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