Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1922-01-12 · Heft 2 (12.1.1922) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 2 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063949-3063951--11576-3078986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

hervorhob. Er erbat ibiiie kräftigste Unterstützung des Instituts in diesen schweren wirtschaftlichen Nöten. Der Schüler der fünften Klasse, Moritz Lind endlich, sprach die Segenswünsche und entzündete die Lichter, die Schülerin der fünften Klasse, Geritrud^e Arnold, dankte hell und deutlich dem gesamten Vorstand für die Liebe und Güte, der Schüler der sechsten Klasse, Maier Stepper, dankte insbesondere Herrn und Frau Pinkas Schüller, die sehr, sehr viel Gutes den Zöglingen und dem Institute erweisen. Gerührt und bewegt über die sicht- und hörbar gewordene Sprechsähigkeit der Zöglinge schritten die Anwesenden zur Verteilung der Geschenke imd Jubel erscholl und Freude zeigte sich über die vielen und schönen Gaben. Nachdem die Kinder ihre Schatze aufbewahrt, ging es in den Speisesaal zum Essen, das auch das edle Ehepaar Schüller beschafft hatte. Die Ehanukaseier soll allen ein Ansporn sein zum Heil der geschädigten jüdischen Jugend. Chanukaferer im Israelitischen Blinden-Jnstitut. Sehnsüchtiger harrt kein iiidisches Kind Chanuka entgegen, als das blinde in der Erziehungsonstalt, denn ihm erscheint zunächst unbewußt und immer' verständnisinniger in diesem Licht- und Weihesest das Symbol seines Lebens, seiner Befreiung aus einem dunklen Geschick. Die zahlreichen Gäste an dem ChanukafestedesBlinden- Institute s, unter diesen das K u r a t o r i u m der Anstalt, das Präsidium des Döblinger Dempelvereines, der Ku l tu s v o r st e h e r der Gemeinde, Herr Isidor Schwarz, der Begründer des Vereines „E lull e i t" Herr Adolf Hofbauer, der Herr königliche Rat Du. Mittler, frte Direktrice des M er o r e s - Waisenhauses, Fräulein Lehmann, empfanden sofort in tiefer Bewegrrng dis Eigenart der Feier, als bei dem vom Oberkantor in Döbling, Herrn B o g o m o l l n y, in vornehmer Künstlerschaft exekutierten Gottesdienst der Jüngste der Zöglinge unter rührend gesungenen Segenssprüchen die Lichter der Weihe entzündete, die er nur zu fühlen, nicht aber zu sehen vermochte. Im Festsaale trugen die Zöglinge den Chor „Der Herr ist mein Hirte" unter Orgelbegleitung vor. Aus ihrem Gelange sprachen Stinrmen, daß die Blinden sich der Beziehungen der Psalmworte zu ihrem Geschicke wohl bewußt sind, daß sie ans dem Gottvertrauen die Kraft gewinnen, zu einem versöhnenden Lebensziel sich freudig zu erheben. Andächtig lauschten die Zöglinge den Ermahnungen ihres Lehrers, des Direktors Heller, es sich nicht aut 8 Tagen der Weihe genügen zu lassen, sondern ihr ganzes Leben Gott, der Ehre und der Arbeit zu weihen und als Vorbilder der Entsagung Lieblinge der Menschheit zu werden. Herr Vorsteher Schwarz wies in tiefempfundenen Worten darauf hin, daß sich die Zöglinge der Liebe würdig erweisen mögen, die sie empfangen und der Atrstalt, in welcher ewige Lichter in ihrer Seele entzündet werden. Unter den darauffolgenden Vorträgen machte die Dichtung: „V egrüßung des C h a n u k a s e ste s" und das Melodrama:- „S ch emah Jsroel!" einen tiefen Eindruck, erfreute ein von der Lehrerin Vita (Seif trefflich inszeniertes Singspiel. Die Verteilung der der Eigenart der blinden Schüler angemessenen Geschenke leitete Herr Professor Winkler mit eurer warmherzigen Ansprache ein; die Verteilung bot, wie die Bewirtung durch die edle Philanthropin Frau Stefanie Schnitzer, assistiert von der gütigen Frau Engel, das herzerfreuende Bild ungetrübter Jugend'lust dar. Manche, die das festliche Hans mit der Erwartung zagend betraten, dvs Bild menschlichen Elends zu sindien, verließen es mit dem tröstlichen Gefühl, lichtberaubte Kindr einem [tüten, aber unverlierbaren Glück sntgegenblühen gesehen zu haben, viele mit dem Vorsatz, diesen wankenden Tem-pelbau wahrer Humanität nach Kräften vor dem Verfall zu bewahren. Chanukaferer des Fürsorgevereines für die jüdische, nicht vollsinnige Jugend. Am ersten Abend des Lichtweihfestes veranstaltete der junge „Fürsorgeverein für die jüdische, nicht vollstnnige Jugend", der seinen Sitz im israeMschen Taubstnmmeninstitut in Wien, Hl., Juchgaffe 22, hat, feinen ersten Schützlingen, den jüdischen Kindern seines Tageshortes irr der Hilfsschule im 20. Bezirk, Greiseneckergaffe 29, fein erstes Ehanukafest. Körperlich und geistig geschwächte Kinder hat der Fürsorgeverein feit 21. November 1921 in feinen Schutz genommen und mit .Hilfe des Ortsschulrates des 20. Bezirkes, des Bezirksvorstehers Herrn Johann Janetschek, des Oberlehrers der Hilfsschule Herrn Richard Winner, in der Schule unter Aufsicht der hiezu angestellten Frau A. Viertel einen Tag es - Hort für die 24 schwachsinnigen jüdischen Kinder eröffnet. Am 25. Dezember v. I. versan:melte der Fürforgeverein im Lokale der „Ersten Hilfe", 20. Bezirk, Bäuerlegaffe 36, das -der edelgesinnte Herr Norbert Sabarski, ein unermüdlicher Wohltäter, zur Verfügung gestellt hatte, die Kinder und ihre Eltern; Herr Ignaz Freund, der Vizepräsident des rührigen und sehr tätigen!rnfyttenmier Tempelvereines, ein Mann voll Tatkraft und Wohlwollen, hatte die Feier vorbereitet. Die Religionslehrcrin der Schüler, Fräulein Johanna Felsner, war gekommen und m!it pädagogischem Geschick ordnete sie die junge Gesellschaft und betreute sie Vom Fürsorgevelein waren Aepfel, Nüsse, Zuckerln, Kaffee und Barches — letztere, ein Geschenk des Vizepräsidenten des Fürsorgevereines, des Herrn Matthias Peller — wie andere Bäckereien, ferner Wollhandschuhe. beigestellt worden. Der Vorstand war mit seinen Darnen fast vollständig erschienen, so der Obmann Herr Rechtsanwalt Dr. Josef Mifes, der Schriftführer Herr Guido Rendelstein, der Kassier Herr S. Kurfürst, die Vorstände Herren Simon Speiser, Perez, Pretzel, BenedM Steiner, S. Blaustem, S. Schwarz. Als Gäste Waren noch zu begrüßen Herr Religionslchrer Siegmund Steiner und Gemahlin, Herr und Frau Eugen Hirschl und andere .Herren und Damen der Brigittenaner jüdischen humanitären Anstalten. Herr Direktor Dr. Krenberger begrüßte für den Fürforgeverein alle Erschienenen, insbesondere seinen gütigen und wohlwollenden Mitarbeiter. Herrn Oberlehrer Winner, dann die Freunde der Brigittenau, die Kinder und deren Eltern und entwickelte die Absichten des Fürsorgevereines für jetzt und in Zukunft zum Woh'le der geschwächten Schüler der Wiener Hilfsschulen. Er dankte allen Förderern und Freunden des neuen Vereines, bat um weitere Unterstützung und zeigte, wie notwendig zur Kräftigung und Brauchbar m achung der armen Hilfsschüler jede chavitative und pädagogische AsibE Und Fürsorge fei. Der taubstumme Schüler des israelitischen Taub stumm eninstituts, Maier Stepper, entzündete das Chainiukalicht und rezitierte die Segenssprüche. Herr Oberlehrer Winner dankte für die ihm gewidmeten ehrenden Worte und versprach volle, kräftige Mitarbeit. Die Herren Freund und Sabarski bekannten sich als Freunde und stets hilfsbereite Mithelfer. Sodann wurden die Kinder beschenkt und gespeist. Eine von Herrn Freund gleich eingeleitete Sammlung ergab ein schönes Resultat. Der 'erste Chanukaabend des Fürsorgevereines für die jüdische, nicht vollsinnige Jugend war ein gutes Vorzeichen für dessen weiteres Gedeihen. Der Allmächtige gebe seinen Segen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.