Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 2 (12.1.1922)
- Date
- 1922-01-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Die WahrHsii Nr. S litävzivi'listen, sagte hier, daß der Liberalismus zur Psyche des Judentums gehört. Wenn dies wahr ist, h ab euwir einen Grund mehr, mit dem Judentum zus-ammen am Wiederaufbau des Vaterlandes zu arbeiten. Den Dienst des Liberalismus und der Demokratie schulden wir rrrcht einer Rasse oder einer Klasse, sondern dem Universalziele: unserem Vaterlande, seinen Existenz interessen, seinem guten 9!ufe. Diesen guten Ruf müssen wir immer wie ein Heiligtum verteidigen." Wir schließen diese Zitate mit einem wohlbekannten: „Ter Worte sind genug gewechselt, so laßt uns endlich Taten sch'n!" Aus dem deutschen Antisemitensumpf. Auch in Preußen läßt sich mehrfach beobachten, daß die Allkonservativen der deutschvölkischen Haltung Abneigung entgegeubringen, denn konservativ sein, heißt, am bisher Ueberlieserlen seschalten. Deshalb müßte dien Vertretern desmärkischen Uradels die schmachvolle Radnnpolitik der Hakenkveuzler sehr wider den Strich gehen. Die ganze ruppige, pöbelhafte Weise der Geschästsantiserniten ist unvereinbarlich mit dem reservierten Verhalten der Konservativen: Der Bekanntesten einer, Herr v. H e y d e b ran d, har gewiß wenig Liebe für die Juden, aber mit den in Erscheinung tretenden Ausschreitungen des Wortes und der Tat kann sich der alte Edelmann nicht befreunden und er bringt dies in einem vielbesprochenen AufsaZ der „Kreuz- Zeitung" zum Ausdruck, der den Zusammenschluß der Rechtsparteien gegen die Deutschvölkischen empfiehlt und sich abfällig darüber äußert, die Not des Reiches aus dem jndenseindlichen Gesichtspunkt zu beobachten. Die berüchtigte „Deutsche Zeitung" hat daraufhin alsbald ihre Kotschleuder gegen Herrn v. Heydebrand mobil gemacht mrd, da es schon in einem geht, . gegen Walter Rathenau, gespieen, der bei den Verhandlungen mit den EntentevertDeteru den deutschen Ehrbegriff verleugnet habe. Solche unverschämte Aeußerungen wagt man, angesichts der Weltgeltung Walter Rathenaus, dem deutschen Lesemob zu bieten. Hazoel Hamisrachi. Ureter diesem Titel soll sich, wie die „Morgen-Zeitung" zu melden in der Lage ist, in Palästina eine rellgiös-sozialistische Organisation gebildet haben. Religiös-sozialistisch .gafft bisher als ein Widerspruch in sich, man denke an die Paale Zion oder die Chäluzim, die bisher durch ihren antireligiösen Warchel -in Erez Jisrael, namentlich durch ihre Mißachtung der Sabbathruhe und Speisegesetze, den Frommen im Lande viel Aergernis zu Konflikten gaben. Vom christlichen Kurs in Deutschland. In Lübeck hat die Oberschulbehörde einen Wortführer des Deutschvölkischen __ Schutz- und Trutzbundes, den Professor H o sm e i st e r vom Dienste suspendieren müssen, weil er seine wüste Agitation in die Schule verletzte. Da er -auch nachdem die Schüler in sein Haus kommen ließ, verbot der Schulleiter Pros. Dr. R o s e n t h a l den Schülern den Besuch der antisemitischen Erbauüngsstunden. Das faßte Hofmeister als „Beleidigung" auf und klagte. Das Schöffengericht verurteilte den Schulleiter, der im Austrag seiner Behörde Handelle, zu 300 Mark Geldstrafe und Gerichtskosten. Für den Uebeltäter einen Freibrief, für den Schützer des Rechtes eine Strafe. Es gibt noch Richter in Lübeck! O»»O«»«OOOOO«»OOOOOOGOOOOOOOOG,»OGO,OOOO WerbetAbonnenten für unser Blatt! UmmHMtllltMMIIMfHMHIMMIM Von Nah «nd Fern Josef Kiß. Wieder ist einer der Großen und Guten - aus dem Hause Israel von einem Leiben reich an Ehren und Erfolgen geschieden. Am 31. Dezember 1921 wurde der gefeierte ungarisch-jüdische Dichter Joses.Kiß hochbetagt zu Grabe getragen. Will man einen Prüfstein für die ganz besonders hervorragende Bedeutung des Verblichenen für die ungarische Literatur, so genügt die Tatsache, daß selbst zur Zeit, als die Pogromluft sich erstickend auf Budapest legte, selbst der blindwütige Judenhaß an diesem Mann schonend vorüberflutete. So mächtig war dessen Anseherc und Volkstümlichkeit. Gleichwohl war Josef Kiß vor allein jüdischer Dichter. Seinem Volke galten die Verherrlichungen in glühenden, blühenden Versen, wie sie zum Lob und Preis Israels feit Juda Halewi nicht erklungen. In der Weltliteratur nimmt sein Epos „Simon Judit" dauernden Ehrenplatz ein, aber auch seine anderen, iu verschiedenen ungarischen Zeitschriften erschienenen Lieder aus früherer und neuerer Zeit boten vollgültige Beweise einer starken Genialität. Die Josef Kiß gewordenen Ehren reichten übers Grab hinaus und maniseiftierten sich in der Widmung eines Ehrengrabes von Staatswegen und einer überwältigenden Teilnahme unzähliger Trauergäste. Wiener jüdisches Elend. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme ans die Notiz ,Wiener jüdisches Elend' in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes, widme ich dem NotstaUdssoUds der Kullusgemeiude K 30.000.—, um damit zu bekunden, daß die Mitglieder dAKültnsgemeinde tatsächlich zu jedem Opfer bereit sind, die gefährdeten Wvhlsahrtsanstallen, von denen die bewußte Londoner Rede des Herrn Oberrabbiner Chajes Halldelle, um jeden Preis zu erhallen. Auffallend ist der Widerspruch, der zwischen dem Aufruf der Kultusgemeinde und den Ausführungen des Herrn Oberrabbiners besteht, noch ausfallender, daß der Herr Oberrabbiller bisher noch keine Gelegenheit ergriffen hat, um jenem Ausruf in der großen Oeffentlichkeit Nachdruck zu verleihen." F. O. Besuch zweier Rabbiner im Aguda-Waisenhaus in Baden. Obervabbiner der „Ad aß Jisröek" (Schiffschul), Sr. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst, iir Begleitung des Rabbiners Herrn Günsbevg Strozyne z, Bukowina, beehrten d-§s Waisenhaus mit einem längeren Besuch. Herr Oberrabbiner Fürst prüfte bei dieser Gelegenheit die Zöglinge in Ehumisch ultd Raschi!, wie auch die Schüler des erst eiugesührten Kurses von Traktat Bezah, die Kinder antworteten treffend aus alle an sie gestellten Fragen und verstanden Raschi Kommentar derart gut zu erläutern, daß beide Rabbiner sehr angenehm überrascht waren, in so kurzer Zeit des Unterrichtes einen solchen Fortschritt bei den Killdern zu konstatieren. Auch dem profanen Unterricht, der im Haufe vorgnommen wird, wohnte Sr. Ehstwürden eine längere Weile bei und sah mit Erstaunen, wie die Kinder scholl lesen und schreiben konnten, war auch hocherfreut, zu hören, daß die Waisenkinder zwei Elementarklassen im heurigen Schuljahr absolvieren werden. Nach Besichtigung des ganzen Hauses verließen diie ehrwürdigen Rabbiner das Haus mit der angenehmen Befriedigung, im Aguda-Waisenhaus ist Thora mit Dorsch Erez verbunden! Vater und Sohn. Nach einer Moskauer Meldung hat Moses Bron stein, der Vater des bolschewikischen Diktators Trotzki, iu der Synagoge zil Jekater in os law in Alr-