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Die Wahrheit · 1922-01-12 · Heft 2 (12.1.1922) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 2 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ie Wahrheii Leite L Nr. 2 aufgezwungenen Kamp-f ums Vaterl-and h'aiben wenden, daß wir nicht nur ium unsere gefahndeten Rechte als Staatsbürgerinnen Mischen Glaubens, sondern auch nur unsere Menschenrechte ringen wollen, und daß wir nicht ruhen und nicht rasten, «bis uns «das wind, was schon unsere Heilige Schrift als die Grundpfeiler des Weltalls bezeichnet: W ah rh>eit, R echt und Frieiden!" Auf die weiteren Ausführungen der Teilnehmer kommen wir in der nächsten dtummer zurück. Die schwere Krise der Wiener Kuttusgemeinde. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie einem Mtarbeiter Ihres geschätzten Blattes zu obiger Marke nachstehende Glosse: Der Artikelschreiber, der es mit seinem Vorschläge gewiß gut meint, sieht leider einseitig; er war offenbar nie in Diensten des Kahals gestanden, wenn er für die Erlösung aus der katastrophalen Lage das Wort „Böamtenabbau" prägt. Der Vorschlag klingt, wie wenn jemand gegen die Hungersnot das sukzessive Abgewöhnen vom Essen raten würde. Denn schließlich, was sollen jene armen und eo ipso die weniger qualifizierten, vielleicht auch die Halbinvaliden tun, die nirgends mehr M. Krümmchen Brot durch ihre Dienste finden können, die mehr abgeschundenen Zugpferden gleichen? Daß sich 'die Kultusgemelndemidglieder persönlich opfern worden, diese Bedauernswertere m ihre Unternehmungen einzustellen, ist eine -ideale Ansicht. Solche „Kräfte" stehen überall nur ine Wege und im Lichte und sind für „praktische Unternehmer" kein Arbeitermaterial: Seit der „Zerstörung" haben solche Albernheiten unsere Brüder nicht begangen. Seien wir ehrlich! Der „Beamtenwbbau" wird schon von selbst — automatisch — 'Einsetzen, loeM sich jeder, der halbwegs kann, flüchtet, wie die Ratten ans dem sinkenden Schiss; nicht nur in Wien, auch anderswo! ' Leider ist heute Wien eine Stadt geworden, auf die die Joremiade paßt: Mo au de umo adame loch? — Wer kann dir Beispiel sein, wem dich vergleichen? — Immerhin, Herr Redakteur, ist Ihr geschätztes Blatt weit verbreitet, man lieft es anderswo und macht sich Gedanken über den „Beamteuabbau" . . . Der Stein kommt ins Rollen! — Mit dem jüdischen Beamten, der seit sieben Jahren darbt und leidet, für den die ruhige Stunde zu schlagen aufhört, soll nicht experimentiert werden, er soll nicht als Schachfigur zum Her- und Hinschieben dienen! Es muß endgültig gesagt werden, daß seine Forderung nach dem Bissen sauren Brotes keine „Bombe" ist, seine Klage kein Putsch und keine Revolution bedeutet, der jüdische Beamte darf bei seinen Wehen auch seufzen, ohne als Raunzer und Aufwiegler verschrien zu werden — so verlangt es das demokratische Zeitalter. Dem Kranken soll Hilfe geschaffen, nicht aber das Lamentieren verboten werden. Jemand hat irgendwo gesagt: „Wenn alle Juden ausgestorben wären und ein einziger auf einer weiten Insel als Ueberbleibsel weilte, würden Tausende hinwandern, um den historisch Auserwählten anzuftaunen." Es wird nicht gar zu lange währen und man wird es vom jüdischen Beamten sagen dürfen! — So die Prophezeiung Jesaias, so der Beamtenabbau. E i n jüdischer B e a m t e r, d e r nicht für sich spricht. Nachwort der Redaktion: Indem wir den geehrten Einsender, der zu den ständigen Mitarbeitern unseres Blattes zählt, zu Wort kommest lassen, erbringen wir einen Beweis unserer Loyalität, die auch anderen Meinungen Raum gibt, beanspruchen aber unserseits das Recht, den eigenen Standpunkt zu verteidigen oder, wo es nottut, wie im gegebenen Falle, ansznklären. Das letztere soll im folgenden geschehen: Wir halben -im Artikel, der eine so temperamentvolle Kritik des Einsenders entfesselte, wohl in der Sache, wenn auch vielleicht nicht in der Form, Recht, sofern uneigentlich summarisch von „B e amten" die Rede war, wo von Darf es uns wundern, daß in diesem Volke das Weib nicht geringschätzig behandelt wurde, -sondern sein wahrer Wert anerkannt worden ift^ darf es uns wundern, d>aß in diesem Volke bei einem kargen Schrifttum in der lediglich dem religiösen Leben gewidmeten Literatur dennoch sich ein Büchlein findet, das als „Liodier der Liebe" bezeichnet wird? In einer Zeit, wo das Leben von außen her bedrückend war, im Mittelalter, wo nicht die Weihe der Sinne, sondern die Unterdrückung derselben, nicht die Verklärung des natürlichen Lebens, sondern dessen Abdötnng als Frömmigkeit betrachtet wurde, dcllkonnte man sich nicht hineindenken, daß dieses Büchlein seinem Wortsinne nach eine schöne reine Liebe feiern sollte. Allein, >als der Dichter sang, da war die Sprache noch nicht -gestorben, da war noch frische, vaterländische Lebendigkeit in ihr, da quoll noch aus des Dichters Brust der Gesang, der die Liebe verherrlicht. Und so finden wir in diesem Büchlein allerdings manch sinnliche Ausschmückung, aber umso -tiefer wird hier das höhere edle Verhältnis der Liebe dargestellt. In den wenigen Worten: „Ich schlafe und mein Herz wacht" ist eine Welt von Empfindungen ansgedrückt. Der spätere Spruchdichter .geht aus die Betrachtung des wackeren Weibes ein und der Schluß der Weisheitslehre ist zu seiner Verherrlichung bestimmt. Ein „wackeres Weib","wer findet es? Höher denn Perlen ist sein Wert. Nur der trübsinnige, grübelnde Koheleth, der unter tausend Männern -kaum einen einzigen erträglichen findet, er findet allerdings unter tausend Frauen 'auch Nicht eine, die ohne Fallstrick und List wäre. Aber im allgemeinen ist das nicht der Grundgedanke des Judentums und wenn auch einzelne orientalische Anschauungen sich einmischen, so bleibt doch die reine Wertschätzung des Weibes, die sittliche Höhe des Ehelebens der Grundgedanke. Das Judentum lehrt die Ehe des einen Weibes mir einem Manne, die Monogamie. Das Judentum hat stets das edle Familienleben und die reine Liebe zum Weibe gepflegt. Freilich, einen Liebeshof, ein Spielen mit -der Minne kannte das Judentum nicht. Ebensowenig, wie es sich in ein Mysterium d-er unbewußten Jungfräulichkeit, die dennoch mütterliche Gefühle in -sich trägt, versenkt. Gesund und urkrästig sprudelt immer jener reine Quell, der aus dom Flusse über alle Lebensverhältuisse -sich ergießt, das reine Familienleben hat Israel zu ollen Zeiten frisch und kräftig erhalten, hat cs im Drucke emporgehoben, so wird es ihm auch in besseren Zeiten nicht entgehen. Das Wort wird eine Wahrheit bleiben, wie Bileam es aussprach, als er Israel sah, nach seinen Stammen gelagert: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen Israel".

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