Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1 (1.1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Di- Aahrkrik Nr. 1 Vermischtes Josef Popper-Ltznkeus. Sonutiag, «den 2f>. u. M., wucke Popper-Lyitteus zu Grabe getragen, der -giTti'glfte aller Philosophen, umf den wir Inden mit vollem Recht stolz sein düsen. Er hatte .als Ingenieur seine Laufbahn begonnen, ans -diesem Gebiete Hervorragendes geleistet, schuf als Schriftsteller Großes, so seine „Phantasien eines Realisten" sein Haupt- und Lckenswestk -alber bildete „Die allgemeine Nährpflicht", jenes Werk, durch das erden Hunger >aus der Welt schaffen wollte. Denn er liebte trotz feines cilgenen Elends diese Wellt, ohne Unterschied der Nation liitfo' Konfession, und deshalb 'kann inan Popver-Lynkeus nur als Kosmopoltton bezeichnen. Demgemäß genoß er auch Licke und Verehrung irr weiten Kreisen, die besonders beider Beerdiaurra pm Ausddnck kam, an der -das geistige Wien regen Anteil nahm. Die Zahl der Traueraä-ste war so groß, daß die Zeremonienhalle dies Zentralfriedhoses kaum alle die fassen konnte, die dem unvergeßlichen Menfchenfreurrd und Philosophen die letzte Ehre erweisen wollten. So sah marr in der Halle und an dem von der israelitischen KuNnsgemernde gestifteten Ehrengvabe derr PrWdenten der Kultzusgemeinde Generaloberstabsarzt Dr. Pick ,an der Spitze mehrerer Mitglieder des Vorstandes, den ersten SckriMr Dr. Enril Adler und Sekretär Fuchs-gelb, Bürgermeister R e nmaun und Gemahlin, Chefredakteur der „Arbeittr- Zettnnq" Austerlitz, den Vizepräsidenten der „Eonrordia", Chesrck'akteur Marimilian Schreier, den Direktor der Uniberfttätsbiblidthck Hofvat Dr. Frankfurter, den Politiker Julius Ofner, Hofrat Mar Singer, Hofrat Karl B a i e r s d o r if, die Professoren Dr. H a n: m e risch lag und Rsgievungsrat Dr. Wilhelm Ts e r u i a l e m. Dramattivg G l n ck s m ia n n, Koninijerzialrat B o s e l, Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s, den Ausschuß der „B e r e i t s ch a f t", Mäler David K o h n, Dozent Dr. Holla n d«? r, Schriftsteller Dr. Adolf Gelber, Rechtsanwalt Dr. Josef Gelber und Frau - Lisette Gelbe r. Amtsvorftand Frei stad t, Vertreter der „Allgemeinen N ä h rpflich t", Abordnungen studentischer Vereine in Farben und nicke Abordnungen von Vereinen, serrrer die Verwarnten Poppers und feine Frau Anna, die seine treue Pflegerin war rrnd mif keinem Totenbette mit ihm verbunden worden ist. Oberikan-tor I. Morgen itemversah die kantoralen Funktionen,' Oberrabbiner Dr. Chas e s hielt am Sarge die Trauerrede. Er faßte die Bedeutung Poppers irr die Worte zusammen „Er war unter uns des gesunden Merrfcheniverstandes wertvollster Vertreter!" Es sprachen in herzlicher Werse der Vorstand der - Kultusgemeirrde, Generaloberstabsarzt Dr. P ick, nach ihm Dr. Ofner, für den Verein ..Allgemeine Nährpflicht" Dr. Wittels und Kr den Ingenieuruud Architekteuvernn Ing. Mauthuer, der die Tätigkeit Poppers als Ingenieur rnrd Forscher würdigte Reisende Humanität. Die türkischen nrrd ungarischen Inden haben irr das Land des Dollars Deputationen gesandt, die über die unglückliche Lage ihrer Heimatsaeureinden den vom Schicksal bevorzugten Brüdern fenieits des großen Masters ein klares und ergreifendes Bild bieten sollen. Je ein Rabbiner aus der Hauptstadt sollte als Mitglied dieser Missionen das beredte und zu Herzen gehende Wort finden, um die Gemüter für Brulderhilse zu erwärmen. Sachverstäudige aus der Mitte der Vorstandsmitglieder sollten zahlenmäßig die Not ihrer Gemeinden" darstellen und Mittel zur Hilfe Vorschlägen, Unsere Wiener Knktusgemeistde hat sich bisher' in die Toga des unnahbaren Patriziers gehüllt. Zur Erhaltung ihrer unentbehrlichsten Jnstttntion'en Mittel anfznbringen, hal sie privater; Aktionskomitees gnädig hie und da die Konzessiv:: erteilt. Sie selbst scheute sich, össenWch die Hand auszuhalten. Nun hat die Not sie dazu gezwungen. Und es ist die Frage, ob dieser Schritt nötig geweset: wäre, rvenn man rechtzeitta 'durch eir:e bevrrfene Vertretung :m Ausland Aufklärung über uriseren NoWand verbreitet hätte. So bilden die Beziehungen des hilfsbereiter: Auslandes zun: indischen Wien ein tranriges Kavttck. Vor allem ist die Kultnsgemeinde mit ihren Institution er: dabei schmählich dürchgefallen. JninrerhM fehlt «es nicht.an einzelnen Versuchen, -zu retten, was zu retten ist. Was sich bei ernstem 'guten: Willen erreichen läßt zeiget: die Beispiele aus der Mitte des Sanirrunaskowitees, die in der voriger: Nummer unseres Mattes gebührende M'irdranng fanden. Wir können diese heute dahin evgäpzen,, daß Herr Franz D >e n e s in der: letzten Tauen auf Reisen in Derltschkand, der Tschecho-Slowakei und Znaoslawien über 1^/-. Millionen für die Zwecke des „Sanierungskomitees", d?s Vereines „Wohlfahrt" und anderer Vereine verwandter Tendenz aesammekt hat. Wir bitten ' alle unsere Feunde, gelegentlich ckuer Reiie ins Ausland diesem Beispiele zu folgen. Wo das Herz bei der- Sache ist findet sich der nötige Mat und die ausreichende Kratt. Ebenso bitten wir, nach dem Vorbilde eines unserer hochherzigsten Menschenfreund!?, der jüngst anläßlich etues Familienfestes Millionen aefpendet hat, in: Bureau Lttten au'fzulegen und die Gchchäftsifreiunde zur Zeichn'ung entsvrechender Beträge zu verwnlasten. Nur wollen muß wan. Der Erfolg/ ist dann größer als man zu Höffen wagte. Barmizwahfeier. Samstag, den 24. v. M. feierte Paul R o in aSohn des Herrn Emil Roman und Enkel des verstorbenen Oberkantor Juda Roman, in: Döblinger Tempel seine Barnnzwahfeier. Trauung. Sonntag, den 1. Jänner, findet im Pazmnnitentempel, um 4 Uhr, die Trauung des Fräulein Sabine Gottfried, Tochter des Herrn Saul Gottfried, Chef der Firma S. Gottfried L Co., mit Herrn Kaufmann N. Weiß statt. Baden bei Wien. Svnuta-a. den 20. ft. lauft im hiesigen Te>n- Dcf fttie Tvmmno -des Herrn Dr. Med. Rudolf L a ck e nb a ch e r. Sohn unseres allseits beliebten-, für das WM der hiesig en Kultusaemeinde evs-via tätigen Herrn Ludwig L-a ck e n b a ck> e r, mit Fräulein Ifta M a r I at s, Tochter des G. S. Herrn Dr. M a rkus aus Tnrnopol, statt. Her:- Qberrabblner W. Reich hielt an das Bautvaar ein«' herzliche, t'reiergreifcnfte Am'vrache, worin e>- b>'- wnders die Verdienste des Herrn Ludwig Lackenbachers nUd sein Wirken als Ehewra-Kgdiicl)a-Vorsteher in ^unserer 'Gamelnfte hervorhob. Rach Beeudlg-nng der Trmmng drängte fick alles an die Eltern des Bräntiiaams heran, -n-m ilhnair mit aulfrichtvgelN Herzen zu aratirlrerei^, mit dem iunerlrcheu Wmstche, »dast in deren Hains stets ^re"fte und Glück herrschen mögen. Auch Herr Oberkantor S. Kr entstein tat sein Bestes zur Verherrlichung der schönen Feier. Todesfälle. Freittag, den 23. v. M., 12 Uhr mittags,- wuivde Herr 1. Kantor S. I u r b e r g e r, der am 22. Dezemiber nach kurzem Leiden im Alter von- 71 Jahren gestovbei: war, zur ewigen Ruhe bestattet. Das hohe Ansehen, das der Verblichene wegen seiner Rechtschaffenhütt allgcinsin gerwß, kam so -rocht durch die Beteilig,ung beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck. In den: Trauerhause hob d-er Präsident der Kultusgemeinde Prof. Dr. P i ck h: sckner Ansprache, -die -alle Anwesenden zu Tränen rührte, hervor, daß der Hiugeschiledene als leuchtei:des Beispiel gottgefälligen Lobensivandels gelten