Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1 (1.1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 1 Die Wa jsanbige Vermögens- und persönliche Sicherheit und endlich l ein möglichst gutes Verhältnis zu Morr übrigen Staailsbüvgern finden. Der überwiegende Teil des Juldentnms stand den angeführten verräterischen Tendenzen ferne. Ihr Fehler war jedoch, daß sie sich passiv verhielten nnd den Kampf gegen die natwnsseindlichen Elemente nicht beizeiten anfgeuomnren halben. Sind fie jedoch -bereit, diesen Weg zu betreten, so wird die ungarische Gesellschaft stets gerri das gute Verhältnis zu dem Judeillum wiedeühernellen, daß im Lause der jüngsten Vergangeicheit leider nicht vorhanden gewesen ist." Wir sind die letzten, die an eine Miuisterrede und vollends an die eines ungarischen Ministers große Erwartungen knüpfen und jedes Wort als inr Feuer der Wahrheit geläutert schätzen. Wer anderseits ist die Bedeutung der Bethlenschen Rede unverkennbar, weniger als der Ansdruck persönlichen Gmpsindens als 'der Fo'lgewirkung des Wandels in der ausgezwnngenen PolitÄ. Ungarn und seine . führenden Staatsmänner sind, ganz besonders seit dem letzten kläglichen Putsch Karls, von dem Wahn geheilt, daß es LieEnd der Enteilte sei und als solches nach Ermessen regieren und schatten dürfe. Niemand kann gegen den Stachel lecken, daran hat auch Graf Bethken glauben gekernt. Zudem mußte er ' die Ueberzeugnng gewonnen halben, daß vor edlem innere Ruhe die erste Bedingung für den Wiederaufbau des' Landes fei und diesem Ziele nichts HÄrderlicher entgegenwivke als die noch vor kurzem geübte Schreckensherrschaft. Der ungarische Ministerpräsident sucht die Aeva der GewalltätigkMen nicht zu entschuldigen, «aber einigermaßen zuerklären mit jenen Fehlern eines Teiles der ungarischen Judenschast, die von . ihren eigenen Glaubensgenossen des öfteren gerügt, wurden. Die Anspielung aus die „Reo-olutionierung der Seelen" wird mau in Erinnerung an die Kommunistenzeit noch einigermaßen verstehen, daß aber nach seiner Behauptung die Juden den TrMtionen des christlichen Geistes den Krieg erklärten, ist eine bloße Rückzugsgefechtsphlvase^nnd die möge chm verzichen sein als taktische Notwendigkeit. Hauptsache ist und bleibt, daß der ungarische Ministerpräsident an richtiger Stelle vor der Ilationalversammlung vom Kurs der Erwachenden Ungarn 'abschwenkt und die Rechte der jüdischen Staatsbürger anerkannt sehen will. Es ist vielleicht nur eine Tokeranzpolitk der iStwatsweisen, aber für alle Fälle 'bedeutet fie einen Durchbruch des Geistes der Humanität und Duldung. In diesem Sinne sollen die Worte Bechlens begrüßt werden. s .i4 . Hilssverein der deutschen Juden. Am 6. Dezember 1921 fand in Berlin unter Leitung des Vorsttzenden des HÄssveremes der Deutschen Juden, Herrn Dr. James S i m o n, eme zahlreich 'besuchte Versammlung statt, in der die Notlage der südrussischen jüdischen Ackerbaukoloniften behandelt wurde. Die antvesenden Vertreter einigten sich darauf, daß vor allem den jüdischen Kolonisten in Rußland rasche Unterstützung geboten werden müsse. Vierzigjähriges Amtsjubiläum des Oberkantors Musikdirektor Aron Friedmann, Berlin. Am 1. Jänner 1922 begeht der Hauptkautvr Aron Frieintann sein lOjähviges Amtsjubiläum in der Hauptgemeinde Berlin. Ter Jubilar wirkt.an der Synagoge (Oranienburgerstraße) verdienstvoll feit 40 Jahren und genießt größte Bevchrung und Beliebtheit m allen Kreisen sowohl als heworragender Fachmann, Musiker, namentlich aus synagogalem Gebiete. Fried mann ist Verfasser des -epochalen Werkes „Schir-Lischlomau" nach traditionellen Weisen, welches das ganze liturgische Jahr umfaßt, das alte „Chasones" wertvollst behandelt. ' Auch durch andere wissentzrh'eiß schaftliche Aufsätze, sowie zwei Heften, „Lebensbilder berühmter Kantoren", bereicherte Friedmaun die synagogaie -Literatur. Der JElar erhielt vor Jahren den Titel eines königlichen Musikdirektors und ist sein Wirken sowie feine PevsönllchkM im In- und Auslande geschätzt. Wir wünschen dem allverehrten Jubilar ein ferneres segenreiches Wirken in vollster Gesundheit -und Rüstigkeit zum Wähle seiner ehrwürdigen großen Gemeinde, sowie zum Stolze und Zierde unseres Standes. Jakob Bauer, Ehrenpräsident des österreichischen Kantoren-Veireines. Die jüdisch-ungarische Delegation in Amerika. Dem Gift jüdischnationaler Veirlemndung, betreffs der Amerikareife Hofrat Szekely, Rabbiner Dr. Adlers und Dr. Zahler, wird als Gegengift die Erklärung dieser Herren dienen, die sie einem Vertreter des NewDorker ,Hcor.uing Journal" g>kgeben und die in der Verwahrung gipfelt, die Delegation wäre im Aufträge Horthys nach Amerika gefahren, oder verfolge überhaupt politische oder agitarorische Ziele. „Wie sind nicht hicher gekommen, i\m , die politische oder ökonomische Lage der Juden in Ungarn zu besprechen, ergänzte Rabbiner Dr. Adler, sondern um die hiesigen Juden aus Alt-Ungarn zn vereinigen,' vor diesen werden wir unser Programm entwickeln, das hauptsächlich in p h i l an throp isch er Arbeit besteht, urtb dessen Endziel rekonstruktive Arbeit für die ungarischen Juden in Ungarn und -irr Palästina ist. Wir werden unsere Arbeit vermittelst des „I. D. C." führen, und wir hoffe,!, daß die ungarischen Inden, wie auch die gesamte Judenheit uns rn unserer Arbeit unterstützen werden. Wir werden die Ehre der ungarischen Juden retten, wenn wir weiter unsere Humanitären Institutionen werden erhalten können und wir wollen, daß die ungarischen Juden in Amerika die derzeitige Not in Ungarn kennen lernen. Wir müssen stets bedenken, daß Abertausende von Juden jetzt in Ungarn leben nitd auch dort leben bleiben werden, weshalb wir unsere Aktion mit großer Vorsicht und praktischem Sinn sichren müssen. Wir müssen Hilfe bekommen von allen Juden, ohne Unterschied der Schattierung." Das klingt wohl anders als die demagogischen Phantasien der Geschästszionisten, die in jeder rein jüdischen Maßnahme ein Haar suchen und, wenn sie keines finden, — erfinden. Armenanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Samstag, den 17. v. M. fand im großen Saale der Kultusgemeinde die Festsitzung der obigen Institution anläßlich ihres hundertjährigen Bestehens unter außerordentlicher Teilnahme ihrer Förderer, Abordnungen humanitärer Vereine, Wohlsahrtsaustallen nsw. statt. Der Vorftand der Kultusgemeinde war beinahe vollzählig mit Präsident Pros. Dr. P ick an der Spitze erschienen. Oberrabbiner Dr. CHajes hielt eine von den Anwesenden beifällig ausgenommene Festrede, -woraus der Präsident der Ar men an stall, Kommerzialrat S. Rosen zweig, eine Ansprache an die Gäste richtete,, in der er unter anderem aussührte: „In diesem Jahre sind es 100 Jahre gewrrden, daß die Armenanstalt der israelitischen Kullusgemeinde Wien ihre Tätigkeit begonnen hat. Die Gründer der Armenan stakt waren die damaligen -Vertreter der .Wiener Judenschaft, insbesondere I. L. Hosmann (später R. v. Hosmaunsthäl) und Salomon P r e i s a ch; die ersten „Armenväter" Dkoses B u n z e l, Salonion G o tt l i e b und Jakob Lö wy. Wenn wir die. vollständige, von Professor Dr. Kraus sestgestelltch Liste der Männer durchgehen, die seit Beginn der Anstalt bis ans den heutigen Tag als die Vorstände derselben fungiert haben, so finden wir eine Gesamtzahl von 6l Vorstehern, von denen wir hier