Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1 (1.1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 1 Die Wahrheit Gelte 11 Bon Nah und Fern Ei» Hetzpfaffe. Der berüchtigte 2lntisen:it Pater L ut o j l a iü ] t x -hielt sich einige Zeit in Paris ans utrb entmictelte -bei dieser Gelegercheit eine umfangreiche aaiisenutische Propaganda, inden: er iai einer Reche von Borträgen die jüdische Frage in Polen behandelte. Die Warschauer Presse ersährt dazu, baß der ersten Bersanuninng auch der polnische Geschäftsträger irr Frankreich beiLvohure nnd die -antrsem-itische Kampagne wärmstens nnterstntzle. Wie -denn auch -anders? - Luöendorsss andere Lorbeeren. Jur Schicksalsbuche war es verzeiche: — ob zun: Heil oder llnheil der K'nltnrivelt, wind ein. kommender Geschichlsforscher entscheiden — daß der -mitteleuropäische Bund den Krieg gegen die Wellallianz verlieren mußte. Ties brennt das Schmerzgefühl in bert Herren der 9iiedergernngenen; besonders im Verr ußtsein jener, die mit einer ungeheuren Verantwortlichkeit, gestützt von dem grenzlosen Vertrauen des Volkes, die Führung im Kriege hatten. Zn solcher: zählt auch Ludendorss, dessen Pcame den: deutschen Volk Inbegriff des Sieges und stolzester Erwartungen war. Kein Wunder, daß ein so furchtbar aus den Wolkenhöher: -der Popularität Gestürzter für den zertrümmerter: Ehrgeiz nach Rache lechzt und diese Empfindung dort befriedigt, roo sie am unbedenklichsten ernsetzen kann — bei den Juden. Der Soldat Lndendorsf hat keine Verpflichtung zum Historiker, aber so viel wird er doch gelernt haben, oder sich von anderen erzählter: lassen, daß für alles eiirrgebildete oder wirkliche Elend irr diese«: irdischen Jammertale letzten Endes nur die Juden schuld Haben. Folglich haben sie auch planvoll die fnrchtbaive Niederlage Deutschlands herbe-igeführt, um sich deren Folgen nutzbar zu machen. Dies zu beweisen ist der Zweck des von allen Dmtschnationalen verhimmelten Ludendorffbuches „Kriegführung und Politik". Auf dessen Inhalt einzugehen, ihn widerlegen zu rvollen, heißt auss neue all den Aberwitz nrrd die Bosheit bekämpfen wollen, die seit Jahrhunderten stets mit denselben, aber leider rroch immer wirksamen.Waffen gegen die Juden gebraucht werden. Ludendorfs unterscheidet sich aber wesentlich von seinen antisemitischen Genossen. Wenn bei dliesen Methode in-ihrem Wahnsinn herrschte, so -ist in seiner Methode Wahnsinn. Denn nur solcher kann beharrpten, die Internationale der Judenheit habe den Ansgang des Weltkrieges so gestaltet, um die Herrschaft über Mitteleuropa und alle Zonen der Erde anzntreten. Der Höchstkommandierende der Hölle konnte keine so abgrürwigen Verbrechen ersinnen, wie der wackere Deutsche den Juden zumutet. Und es mnß gesagt werden, daß er mit der Feder mehr Glück hatte als mit dem Bogen; daß sein papierener Feldzug gegen die Juden gelungener ist -als der gegen die Ententeheere, denn wie leicht siegt man n:cht mit jenen, „die nicht alle werden", die gerne de:: Heerbann Ludendorffs bilden, der nun statt derzerzausten Lorbeeren -andere hat. Rußlands Hungersnot und seine jüdischen Kolonisten. Gewiß bleibt keines Menschen Herz ungerührt, wenn er von den: großen Hungersterben in Rußland und der universellen Hilfsaktion zur Milderung des Elends hört. Aber ans der Summe dieses unermeßlichen Jammers ist für das jüdische Empfinden schwerlich ergreifend die verzweifelte Lage der jüdischen Kolonisten in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw. Hier hat schon früher vor dem katastrophalen Naturwalten menschliche Bestialität gewütet, um brave, friedfertige Kolonisten furchtbar heimzusuchen. Das gecuckwne RegierulDSMLem, die Herrschaft der Sowjets, konnte üaran nichts ändern, oogte:ch man den Jude:: in die Schuhe schieben will, daß sie den Bolschewismus unterstützen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Bolschewiken waren es, die im Jahre 1918 unter der jüdischen Bevölkerung Pogrome veranstalteten, Mord und Raub begingen mll) die Kulturen vernichtete::. Das Strafgericht des Himmels traf -in seinem -niversovschlichen Ratschlüsse nicht die Verbrecher, souoer:: deren Opfer, was von jüdische:: Kolonisten der Pogromwm entging, fäll: den: Mißwachs nnd Hunger zum Raub. Doppelt beklagenswert ist das Los dieser Unglücklichen, doppelt zwingend das Gebot, i h n eu, v o r a i l e m i h n e n durch jüdische Hilfe rasch ifiUD kräftig beizufpringen durch Versorgung der Kolonialbeoölkernng init Lebensmitteln bis zur Ernte des Jahres 1922, Versorgung mit Sämereien, Versorgung mit Futter für das Vieh, Versorgung mit dem nötigen landwirtschaftlichen Jnoemar. Zur Verwirklichung all dieser Maßregein hat die deutsche Gesellschaft „Ort" die nötige:: Schritte unternommen, indem sie die entsprechenden Verhandlungen mit den westeuropäischen und amerikanischen Organisationen anknüpfte. Einige dieser Organifationeu haben schon die erforderlichen Beiträge assrgniert. Allerseits verhandelt idle Gesellschaft mit den örtlichen Ausschüsse:: in Rußland, wie nur den Vertretern der Sowjetregierung, zwecks Siegelung verschiedener formale: Bedingungen und Transportfrageu. Es sind bereits in dieser Beziehung viele greifbare Resultate erzielt und Wege zur -erfolgreichen Durchführung der unternommene:: Schritte ungebahnt worder:. Dir Gesellschaft hofft, daß es ihr bei einer tätigen Acitw:rtung seitens der Presse, der jüdischen gesellschastiichcn Kreise sowie privater Personen gelingen wird, die geplante Hilfsaktion, wenn nicht im vollen Umsange, so doch in einem erheblichen Maße zu oertvirklichen. Garf Beth§ns Absage an den GefchästsautisemitiSmus. In der Sitzung Der ungarischen biationalvers,an:u:- lung von: 7. Dezember hielt der . Ministerpväsilden: Bethleu eine hochbedeutenDe Rede zur Judensrage. Er sagte: „Was den lonfessioarellen Frieden betrifft, 'kann nich: geleugnet werden, daß sowohl von -kathv'lischer wie -auch .von protestantischer Seite eme gewisse Wühlarbeit fost- ' gestellt werden kann. Die Regierung wird Dagegen mit den Mitteln der Aufklärung antäinpfen. (Beifall.) Bezüglich der Lage des Judentums -kann -nicht -geleugnet werden, daß zu Beginn der gegervvärtigen politischen Aer-a f:ch eine starke antifemitifche Strömung «bemerkbar machte. Diese Strömung nannte sich ch r i ft l i che Pol it i k. Das Ehriftentum offenbart sich jedoch -nicht in Verfolgungen und Gehässigkeiten, sondern in «der Mchstentiede und der Versöhnung, - in «der religiöse:: Erziehung und tu der HochhaUung religiöser Prinzipien aus «allen Gebieten. Es kann anderseits nicht in Abrede gestellt werden, daß ein gewisser Teil des Judentums den Traditionen des christlichen Geistes und den «geschichtlichen Traditionen den Krieg erklärt har -und «auch -an ier Reoolutioniernug« der Seelen mitschuldig wurde, daß endlich ein Teil des Judentums, gestützt aus feilte außerordentliche Wirtschaft iiche Machtstellung, für sich -auch in der Gesellschaft eine Ausnahmsftellung fordert. Dem kann jedoch nicht -durch Verfolgungen «abgcholfen werden. Man dürfe gewiß nicht dulden, daß «die Ideale der Nation mit Füßen getreten werden oder daß einzelne sich -eine wirtschaftliche nnd gesellschaftliche Meinherrschaft sichern wollen; anderseits -muß jedoch jedermann im Lande seine anständige Existenz, sein entsprechendes Vorwärtskommen, -gleiche Rechte, voll-