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Die Wahrheit · 1922-01-01 · Heft 1 (1.1.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 1 (1.1.1922)
Date
1922-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 "Jh. 1 Die W NichMativ11alisten, ans Herz, für die Ausbausonds fleißig zu steuern. Damit könnte man noch einverstanden fein, weniger jedoch mir dem Programm, das der Zionismus im Wiederaugebauten Heiligen Lande durchsetzen will. Allen voran die unglückselige nationale Idee, um. deren-- willen die bereits eingewanderten, angesiedelten Juden so schrver leiden mußten, förmlich zu Märtyrern der natioluuleit Idee geworden sind. . Und da erd reiftet sich der Auftms noch zu behaupten, daß man die Araber gegen die jüdische Bevölkerung hetze. Was hetzt die Araber gegen die Juden in Palästinas itfur die von Jüdischuatioualen gepredigte lurtionaie Idee. Und da mir deni traurigen Ernst der Lage doch auch der Spaß nicht ganz fehle, erklären die 16 Generalstäbler des Zionismus: Trotz /des frisch vergossenen .Blutes, trotz der Gewalttaten, die von der arabischen Bevölkerung Palästinas an ans verübt wurden, haben wir deutlich erklärt, daß wir weder d i e A r a b e r v e rd r ä n g e n noch ihre Rechte beeinträchtigen wollen, und daß' wir aufrichtig bestrebt sind, zu einer Verständigung mit ihnen zu gelangen. Aber diese Verständigung muß zur Grundlage haben, daß das historische Anrecht der Juden auf Palästina und die daraus folgende Absicht zur Errichtung einer nationalen Heimstätte anerkannt werdet!. Ha, weicher Großnmt! Das Häuflein zugetvanderler Juden will das historische Urvolk Palästinas nicht verdrängen. Lieber eine Verständigung auf Grund jenes historischen Anrechts „der Juden auf Palästina", das von keiner maßgebenden Seite anerkannt wird und nur als fixe Idee in den Köpfen Weizmanns, Sokolows und ihrer Jünger lebt. Und da tut man erstaunt und entrüstet, wenn es in Palästina immer wieder zu Reibungen, sogar zu blutigen Könslitten zwischen dem Herrenvolk des Landes und den unbescheidenen Gästen kommt. Der Fonds zur Beteiligung und Wiederaufrichtung der jüdischen Heimstätte tvird ohne die beweglichen Klagen und Gewissensmahnungen gestärkt werden, ohne diese und feine bedenklichen Thesen vielleicht mehr als die Herren glauben. Er« Türke über österreichische Zustände. Das in Konstantinopel erscheinende „Journal d'Orient" äußert sich breit, aber nicht tief -über die traurigen Vorkommnisse in Oesterreich, bespricht die Plünderungen am 1. Dezember anläßlich einer Demonstration der Wiener Arbeiter, den Oedeniburger Abstimmungsskandal und zaust den Minister Waber wegen seiner judenfeindlichen OptionspolAk. Was der Türke zum Besten gibt, ist ganz eiuwandsröi, aber schließlich eine Sammlung von Binsenwahrheiten, die schon unzähligemale vorgebracht wurden, so daß sie jeder publizistischer Lehrling fließend aufsagen könnte. Wenn der Mann nebenbei für unseren Kanzler Schober schwärmt, so ist das Geschnracks- und Geschäftssache. Es hätte sich nicht gelohnt, den mehrfach gewärmten Kohl zu servieren, wenn er nicht aus einer türkischen Wirtschaft hervorgegaugen wäre.' Die Türken sind unsere LeiderGgenossen nach dem verlorenen Kriege, ein Volk auf kulturellem Tiefstand, immer vom restlichen Europa bedauert und verachtet, die Urstätte der Korruption und Despotie. Man darf ihnen rwch heule zurusen: „Jeder kehre vor seiner Hohen Pforte!" Und dieselben Türken kommen der österreichischen Regierung mit einem Pvivatissimum über politische Moral und Reinlichkeit. Kann es etwas beschämenoeres geben? Auch eine Ehrenwache, mit Respekt zu melden! Die „Jüdische Presse" berichtet, daß die polnischen Studentenorganisationen zu dem in Warschau ab gehaltenen Antlh e i t senlitenkougreß die „Ehrenwache" gestellt haben, joivie daß die Delegierten demoustrativ die jüdischen Gassen unter Msingung des Antisemitenmarsches durchzogen, um sich die Auslieferung Polens in jüdische Hände von. der Nähe änznschauen. Die Kougreßberatungen nahmen aus Grund dieser irn Judenviertel gewonnenen Eindrücke ihren Fortgang. Die Delegierten, treten mit verschiedenen Vorschlägen vor, aus welche Weise die Säuberung Warschaus von den Juden vorzunehmen wäre. Ach, was haben die Herren für ein schlechtes Gedächtnis, wenn sie nicht mehr wissen, daß die polnische Freiheitsnation seinerzeit in ganz Europa uni Schutz gegen die zarische Tyrannei herumschnorrten. Wiener jüdisches Elend. „The Jewiish Guardian" vom 9. v. M. berichtet über eine Versa,mm lnivg des „Exelutioe Eomittee of the Federation os Ukrainiau Jews" in London vom 26. November, in welcher Herr Oberrabbiner Dr. E h a j e s über die silrchtbare Notlage der Flüchtlinge in Wien sprach. Er befaßte sich bei diesem Anlasse auch niit dem Defizit von 100 Millionen Kronen, das sich im Budget der Wiener/ Kultusgemeinde empfindlich geltend macht, und bemerkte, daß gleichwohl keine einzige jüdische Wohlsahrtsanstall trotz der großen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, geschlossen werden' mußte. Deshalb sei das Gebot der Stunde, vor allem, den Flüchtlingen beiznspringen, nachdem die Wiener Inden mit 'ihren humanitären Pflichten nicht im Rückstand bleiben dürften. Wenn die Aeußevungen des Herrn Oberrabhiner nach dem vorliegenden Berichte tatsächlich gefallen sind, war, es zumindesten eine Uebereilnug Sr. Ehrwürden, solche Erklärungen abzugeben, die ein unrichtiges Bild von der Notlage der Wiener jüdischen Hnmanitären Wohlsahrtsanstalten geben und der falschen Auffassung tllaum lassen, baß die Wiener Juden uns eigenen Mitteln der Bedrängnis chrer Wohlsahrtsauftalten Herr werden körrnteu. Welche Vorstellungen wind das Ausland von unserer Lage haben, tvenn fast in einem Atem mit den Worten des ehrwürdigen Redtrers der Notschrei der Wiener Kultusgemeinde bekannt wird, der an die gesamte Juidenheit ergeht, sich unseres Elends zu erbarmen. Aber auch das „K o m itee zur S a n i e i* u it g der notl e id e ud e n ifraeliii s ch eu W o h l s a h r t s a n ft a l t e u", das seit zwei Jahren bestrebt ist, durch seinen Llppell an die gesamte Judenheit die Wiener Humanitären Anstalten vor dem Zusammenbruche zu retten, und tatsächlich durch auch aus dem Auslände eiugelausene Spenden dieses Ziel bisher erreicht hat, dürste vor der Welt in einem sonderbaren Lichte erscheinen,, wenn nach den erwähnteil Evklärungen irrtümlich geglaubt würde, daß die Wiener Wohlfahritsanftalten keiner Auslandshilse bedürfen. Bei aller Würdigung des Umstandes, daß die schreckliche Notlage der ukrainischen undanderer Flüchtlinge ausreichender Hilfe bedarf, und bei aller Anerkennung dessen, was speziell die Wiener Juden für ihre Wohlsahrtsanftalten mit Anspannung aller. Kräfte bisher geleistet haben und noch leisten, sind diese doch nicht ausreichend, und ist die Notwendigkeit gegeben, die Auslandshilse nach wie vor anznrufen, wenn die Anstalten nicht einem Zusammenbruch unterliegen sollen. Und eiben deshalb ist es bedauerlich, wenn durch den Bericht des zitierten Blattes falsche Informationen gegeben werden, die unseren Wohlfahrtsanstalten und den „Ko mite es", die sich mit deren Sanierung befassen, unabsehbarer Schaden zugefügt werden könnte-. ~s‘

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