Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1 (1.1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063949-3063950--11550-3078959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ar. 1 Die Wa Beamten, bei bell jetzigen Bezügen Saunt das nackte Leben fristen können. Des Problems Lösung wind, nach bekann.- tem Muster, ln äußerstem Steuerdruck auf die Mitglieder der Gemeinde empfohlen. Nur Übersicht mau, daß die Machtmittel der Kommune Wien unbeschränkt sind, daß sie die Einnahmen aus ihren Betrieben im selben Verhältnisse steigern kann, als sich die Ansprüche ihrer Bediensteten steigern und daß sie die säumigen Zahler zu ihren Verpflichtungen Zwingen kann. Wer mit der Straßenbahn fahren muß, wer die Winterabende nicht im Finstern verbringen will, hat sich dem Tarifdiktat der Gemeinde Wien so unweigerlich z>t fügen, wie alle, die sich wirklichen oder vermeintlichen Luxus erlauben. Das Budget der Gemeinde Wien bilanziert sich deshalb, wenn sein Beamtenetat noch so ungeheuerlich ist. Welche MÄtel aber stehen dem Borftattd der Kultusgemeiinde zur Verfügung, wentt er den gleichgestellten Forderungen entsprechen will? Wir haben bereits in der vorigen Nummer erwährtt, daß das vorjährige Eimmhmsprältminare tun die Hälfte Zurückgeblieben ist nud die Erfordernisse ans das Doppelte gewachsen sind! Läßt sich nun erwarten, daß eine weitere Aufpeitschnng der Steuerpflichtigen Erfolg haben kann? Höchstens die Flucht aus dem Judentum. Die melbeklagte Austrittsbewegung Samt durch die Steuernnlust weitere Nahrung finden. Vernünftige Kreise der Beamtenschaft Huben auch erlannt, daß mit dem demagogischen Schlagwort von der Gleichstellung der Kultus- und Kommunebeamten nicht ilbers Wasser zu kommen ist, und so kanrr ein fauler, bis Februar befristeter Friede zustande. So wurde trotz der Bemühungen einiger Schreier die Schande eines Generalstreiks in der Kultusgemeinde verhütet. er diente um sie und die sieben Jahre waren crt seinen klugen „wie einige Tage". Wir treten weiter vor. Es wird die Geschichte des großen Retters uns erzählt, pme Jugend ist umgeben von ernsten Gefahren; Moses wird unter drohenden Wolken, die über Israel heraufzogen, gehören. Er wird in ein Kästchen am Schilsmeer gelegt, die Schwester Myriam duldet es nicht daheim, sie eilt in die Nähe, um zu erfahren, was mit dem Bruder geschehe. Die Königstochter kommt herbei um zu baden, sie 'bemerkt das Kästchen, öffnet es und sieht einen Knaben. Das Mädchen, sonst schüchtern und befangen, aber jetzt, wo es. die Rettung des Bruders gilt, tritt mutig hieran und sagt: „Soll ich Dir eine Amme holen von den hebräischen Frauen?" Wenn Myriam in ihrer ersten Kindheit mit solch hingebendem Mute auftrlitt, befremdet es uns nicht, daß sie dann auch eine Prophetin ist, und die alten Lehrer sagen von ihr sicherlich schön und wahr: „Myriam war für Israel wie ein frischer Bvnnnquell, der sich labend ergoß"; sie verband die glich ende Begeisterung für die Wahrheit mit der Innigkeit des weiblichen Gemütes. Wiederum sagen -die alten Lehrer tief erfassend: Durchdas Verdienst der Frauen sind die Israeliten aus- Aegypten erlöst worden. Die Männer waren dem Drucke hingegeben, sie mußten die schwerste Arbeit verrichten, wer wahrte das Haus, wer hielt den reinen Sinn aufrecht unter den Kindern, wer hütete das Feuer der Sittlichkeit, es waren die Mütter, die dafür wirksam, und ihr Perdienst^ war es, daß Israel sich würdig machte erlöst zu werden aus den Gefahren, die es umgaben. h r h e i k Seite ö säbn sie Geister, die man rief, werden rächt zur Ruhe kommen und an der verschärften Lage sind die gewissenlosen Zauberlehrlinge mitschuldig. Sb laut der von der Kultnsgeimeinde ln die jüdische Welt hinaus gesandte Notschrei unter den gegebenen Verhältnissen die erhoffte Erlösung bringen wird, bleibt abzuwarten. Es wird nämlich noch immer sehr viel vonr Ende der Kahalstube und -dem Regiernngsvertreter als kommenden Mann gesprochen. Wir wollen uns nicht dessen Kops zerbrechen, nicht untersuchen, wre er int gegebenen Falle die schwierige Sache in Wohlgefallen artslösen könnte ruck» ob seinem Ehes, dem famosen Optionswaber, ba-rau sonderlich gelegen wäre.. Wir bezweifeln nämlich, ob die berufsmäßigen Hetzer dann mit so viel Liebe am Werke fein werden, wie die bisherigen Leiter der Geschicke der Kultusgemeinde. Es gibt eiire NotelcinslaLiorr, es gibt auch eins Beantteninslation. Vielleicht geht die erste ans der eine Beantteninslation. Vielleicht geht die erste ans der zweiten hervor, deshalb liegt ans den Lippen aller Steuerträger das Wort „B e u m t c n a b b a u". Dieses Wort muß zur Tat werden, weitst die unproduktiven Ausgaben nicht zum VerhättgniS der Gesamtheit werden sollen. Bei der Kultusgemeinde Wien, die über 700 Angestellte besolden muß, steht dwse Zahl im krassen Widerspruch zum tatsächlichen Bedarf. Tuest Wahrheit lebt im Bewußtsein aller, aber niemand hatte bisher den Mut, dies zu belennett. Der Knitusoorstand tnuß demnach mit dem guten Beispiel des Mbaues vorangehen. Dein Tüchtigen in diesem Falle freie Bahrt und ein gesicherter Platz, llrtser Vorschlag ist wohl ein Ausdruck des Radikalismus, aber itn Interesse vieler tüchtiger und erprobter Kräfte der Beamtenschaft. Wiir uteiuen auch nicht, daß man die vielen Ueberzähligen und vielen Unbeschäftigten, die sich ln den Aintsräunten derKulknsgemsinde lvährend der Vonnittagsjtnndett langweilen, erbarmungslos atts die Striae setzen soll, sondern es müßte aus den Mittoltt der Nvtftattdsaktion mit den Ueberzähligen m. Abkommen getroffen werden. Es gibt aber auch noch einen anderen Modus, der Beamtenübersüllung zu steuern. Es sitzen im Vorstand der Kultusgemeiude sozial bedeutende Männer, die in industriellen und Handels kreiselt das Gewicht ihrer Autorität geltend machen könnten. Deren Bemühungen wäre es leicht möglich, die „Abgebauten" in Stellungen zu dringen, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Das Zusammenlegen einiger Büros, als natürliche Folge des Abbaues, wäre für dett reibuugslosen Amts verkehr, abgesehen vott der Entlastung des Budgets, eine Wohltat. Der Kultusvorftand könnte aus den Millionen, die er auf solche Weise an seinetn Etat erspart, die Forderung der verbliebenen Beamten befriedigen, immer vorausgesetzt, daß sich die Ansprüche in den Grenzen des Erfüllbaren halten. Durch die Ersparnisse im furchtbaren Haushalt können ab-er dantt auch die Wohlfahrtsanftaltett weit bester dotiert werden, deshalb wäre es eine rettende Tat, aus den zusließenden Noiftandsgeldern sich von dem schwersten Druck zu befreien. Allerdings sind auch verschiedene Reformen in der Verwaltung selbst unerläßlich, ans die wir, wie bereits angekündigt, der Reihe nach znrückkommen werden Werbet Abonnenten für mtfet Blatt! (Schluß folgt.) »<