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Die Wahrheit · 1921-12-08 · Heft 24 (8.12.1921) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 24 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JTTi K-WJSrs t-dÄfci —±±.K**i£± D le Wahrheit Seite lK Nr. 24 Bismarck vollends Judensreundlichkeit anzndichten, wie der i Autor versucht, ist mindestens schr kühn. Nicht aus dem, > was jemand mit der Absicht in die Ferne zu wirken, spricht, sondern aus seinem Gehaben ist er zu beurteilen.- Bismarcks Aeußermrgen bei verschiedenen Anlässen könnten ihn bald als Philobald als Antisemiten erscheinen lassen. Er war eben der Mann der OpPortunMtspolM, der nach seinem eigenen Bekenntnis immer „zwei Eis eil im Feuer haben" mußte. In diesenr Sinnie erklärte er auch, als man ihm Frontveränderungen vorwars: „Ich bin kein Prinzipienreiter". Von allen Bismarckworten ist dies wohl das bezeichnendste. Er ging, wo es das Interesse seiner Politik oder das eigene forderte, eine Strecke weit mit dem fanatischen evangelischen Hosprediger Stöcker, ging mit dem kleinen katholischen Zentrumsührer Windthorst, der „Perle von Meygen", ging auch mit den Juden Bleichröder und Lasker, ohne für alle hier Genannten in Wahrheit etwas übrig zu haben. Auch mit der deutschen „Judenpresse" verhielt sich des Reiches Kanzler recht gut, obgleich er sie, diese „Reptilien", aus Herzensgrund verachtete. Ob Bismarck Judenfröund war oder nicht,, ist heute von keinem lebendigen Interesse und wird auf die Hältung der Nationaldeutschen der ji'lngsten Gegenwart ohne entscheidenden Einlfuß bleiben. Oskar Loerke: „Der Oger". Geheftet 18 Mark. Gebunden 24 Mark. Hossmann und Campe, Hamburg- Berlin W. 35. Loerke, der zu den 'begabtesten Dichtern des jungen Deutschlands gehört, hat hier mit ungewöhnlich epischer Kraft ein Romanwerk großen Stiles geschaffen. Er gestaltet das Schicksal eines eigenwüchsigen Bauern» geschlechtes, dem die satanische Dämonie eines Epileptikers zum Verhängnis wird, unter dem die einst Frommen und Starken rettungslos dem Abgrund zutreiben. Die Fahrten eines deutschen Fischdampfers, die klassische Schilderung des Meeres und der Menschen auf See, bilden den Anfang der kühn ansteigenden Handlung, die von Kapitel 'zu Kapitel mehr den Leser gefangen nimmt. Chanukka-Akademie, zugunsten der inneren Ausgestaltung des großen Leopoldstädter Tempels. Dienstag, dm 27. d. M., wird unter Mitwirkung sämtlicher Kantoren, sowie deren Damen M i ch a c e k (Staatsoper) und Josma S e l i m und der Herren Dr. Benatzky, Ernst Fischer (Staatsoper), Alfred G r ü nfel d, Professor S u l z e r und anderer mehr von Freunden des großen Leopoldstädter Tempels in den Sophiensälen eine Akadenrie mit anschließendem Tanzkränzchen veranstaltet. Auskunstsftelle: 2. Bezirk, Fevdinanldstvaße 23 (Telephon 44520), nachmittags von 3 bis 4 Uhr. Berthvld K o h n und Frau Emilie K o h n beehren sich, die Verlobung ihrer Tochter Mella mit Herrn Max F e l d s b e r g bekanntzugeben. Gremialrath UWWM Vermischtes wmwm Palästinas größtes Wirtschaftshindernis. Ein Unglück für Palästina und eir.es der schwersten Hindernisse in der Palästina-Arbeit aller Orgamsavionen ist der Stand des Geldes dortfelbst, der dadurch nicht besser wird, daß in der zionistischen Presse so wenig wie möglich davon gesprochen wird. Die türkische Währung Palästinas bis zu den Kriegsjnhren wurde in Europa nur gering bewertet. Umso fühlbarer mußte sich der Abstand geltend machen, seitdem mit der englischen Okkupation das ägyptische Pfund, das noch größeren Wert darstellt, als das englische und zudem weniger kleine Einheiten aufweift, in» Lande eingeführt wurde. Die kleinste Einheitsmünze entspricht einem Viertel-Dollar, was in keiner Weise »bcii natürlichen, kleinen Verhältnissen in Palästina, wo man bislang mit den kleinsten Einheiten gerechnet hatte, entspricht und es führt dies zu einer Verteuerung -der Lebensmittel und einer Erschwerung der Lebenslage im Lande selbst wie der Arbeit für das Land. Die Kosten trägt natürlich der Jude. Der Araber kann bei dem Zustande mrr profitieren. Seine Bedürfnisse sind gering, und er kann sie nach wie vor aus Eigenem befriedigen, dagegen steckt er für seine Produkte, die er aus den Markt bringt, einen Pfund-Verdienst ein, der. in gar keinem Verhältnis zu seiner Mühe und Arbeit und zu der Tasche des Konsumenten, — das heißt: des Juden — steht. Das teure Geld ist eines der größten Hindernisse für die Entwicklung des heiligen Landes. Wenn auch die anderen Länder von hoher Valuta nicht immer Grund haben, sich ihres Glückes zu freuen, so muß dieser Zustand in Palästina zu eineni völligen Stillstand sichren, in einer Zeit, da aus anderen Läuidern wie Rußland und Polen die Einwanderer mit ihrem entwerteten Gelde hinkommen, um da ein neues Leben zu beginnen. Man weiß von Fällen, in denen Fabrikanten und Großindustrielle aus Polen bei ihrer Landung in Jaffa nur noch einige tausend Pfund ihr eigen nannten und mit dieser Umrechnung all ihre Pläne zu Wasser wurden. Auch deutschen Ka-usleuten, M*» mit viel Unternehmungsgeist nach Palästina kommen, ergeht es nicht viel besser. Und erst den Aermften der Armen, den österreichischen Auswanderern, deren Krone noch tief unter der bemitleideten polnischen Währung steht! Berechnet man, daß die Transportkosten aus Oesterreich nach Palästina etwa zwanzig e n g l i s ch e P f u n d — ungefähr eine halbe Million ö st e r r e i ch is ch e r K r o n e n — betragen, dann haben wir den Schlüssel zum Rätsel, weshalb die Einwanderung aus den Ländern der Tiefvaluta förmlich eingefroren ist und weshalb sich die dortige Negierung gegen den Bettlerznstrom schützt. Gottesdienst. Freitag, den 16. d. M., y±ö Uhr abends, findet im neueröffneten Gemeidetempel, 2. Bez., Tempelgasse 3, Gottesdienst mit Predigt statt. Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung „Ohel Rachel", gegründet zum Andenken an das Ehepaar Selig und Berta Weininger sel. And. Sonntag, den 4. Dezember d. I., 6 Uhr abends, fand die feierliche Einweihung des Speisesaales statt, den der neugegründete Verein „Ohel Rachel" im Parterre des Hauses 2. Bez., Schwarzingergaffe 8 (Eingang kleine Psarrgasse) eingerichtet hat. Im Namen des Vorstandes begrüßte der Obmann Direktor Heinrich W e in i n g e r die überaus zahlreich erschienenen Festgäste. Herr Kultnsvorfteher Isidor Schwarz, vom

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