Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 24 (8.12.1921)
- Date
- 1921-12-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Sette Jrl E;,r ~: D ie W a.h rh ei i Nr. 24 HULN -von ihrer Röligion gchotenen Pflichten gegen die christlichen Mitbürger aufgeklärt und auch auf christliche Theologen und Orientalisten einen tiefen Eindruck übte. Manche, wie der berühmte Leidener Orientalist A. Sturnen, erklärten, Hofsmann habe sie belehrt und „von der Wahrheit seiner Hanptthese überzeugt." Sein Hauptgebiet war und blieb der Talmud und der Midrasch. Es ist hier nW der Platz, seine grundgelehrten Werke über diesen Teil der Mischen Wissenschaft zu würdigen. Wir verweisen mir auf seine: „Zur Einleitung in die halachischen Midraschim", „Die erste Mischua und die Kontroverse der Tcrnnaan", „Mor Sarnuel", Midrasch Tannaan u. a. m., mit denen er sich ein Denkmal gesetzt, das dauernder als Erz und Eisen, seinen Namen noch in späten Jahrtausenden verherrlichen wird. Wahrlich, mit D. Hoffmann ist ein herrlicher Mann des kleinen jüdischen Gelchrtenwaldes gefällt worden, und die Klage ist nur allzu berechtigt: „Schade um jene, die von mis gehen und nicht ersetzt werden." Fk. Der Kampf der Bolschewiken gegen die jüdische Religion. Laut in Riga eingetrossenen Meldungen haben am Jom-Kippur die jüdischen Kommunisten in Witebsk und Homel in den Straßen große Demonstrationenszüge jüdischer Arbeiter gegen den Klerikalismns (!) organisiert. Die jüdischen Setzer gaben eine besondere, am Jom- Kippur gesetzte Spezmlnummer des kommunistischen „Roter Stern" heraus, während jüdische Arbeiterfrauen diesen Tag dem Nähen von Wäsche widmeten. In Orscha wurde am Neujahrstage demonstrativ ein jüdischer humoristischer Abend veranstaltet und auch hier Denionstratiouen gegen den Klerikalismus veranstaltet. Jüdische Kommunisten in Homel forderten mehrere Rabbiner auf, arn Kol-Nidre-Abend sich mit ihnen in eine Disputation.über die Religion einzülaffen, welche Einladung jedoch die Rabbiner nicht angenommen haben. Die kommunistische Jugendpartei in Witebsk zitierte eines ihrer Mitglieder vor ihr Parteigericht, weil dieser am Nujahrstage die Synagoge besucht hatte, zu welcheni Besuch er laut seiner Aussage von den Eltern gezwungen worden war. Er wurde verurteilt zum Zwangsunterricht in einer politischen Schule, damit er zum würdigen Kämpfer gegen die Religion ausgebildet werde. Rabbiner Joffe, der Leiter der Jeschibah von Homel, wurde vor Gericht gezogen, weil einer seiner Schüler an Blutarmut und Tuberkulose erkrankt ist, infolge der angeblich in der .Jeschibah herrschenden unhygienischen Verhältnisse. Dr. Ignatz Goldzieher. Eine Leuchte Israels ist erloschen, ein Stern des ungarischen Judentums ist von seinem Horizont verschwunden, .eine Krone der ungarischen Wissenschaft ist gefallen. Dr. Ignatz G o l d z i e h e r, der .weltberühmte Orientalist, der in allen Versuchungen seinem ungarischen Vaterlande treu gebliebene Gelehrte, der selbstbewußte, dem Glauben seiner Väter unentwegt mit allen Fasern seines Herzens archängende ungarische Jude .ist nach kurzem Leidn im hochbetagten Alter von 72 Jahren am 13. Novenrber zu seinen Vätern heimgegangen. Was Goldzicher dem Judentum und der ungarischen Wissenschast gewesen, wird schon daraus ersichtlich, wenn wir auch nur. etnen Teil der Stellen ansühren, die dieser hervorragende Gelchrte bekleidet hat.Dr. Ignatz Goldzieher war ,kön. ung. Hofrat, öffenlicher Professor der semitischen Sprachen an der Bndapefter Universität, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaft, Ehrendotdar der Universitäten von Cambridge und Aberdeen, korrespondierendes Mitglied der Wissenschaftlichen Akademie von Kopenhagen, der kaiserlichen Wissenschaftlichen Mademie von Petersburg, der Berliner Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Göttingener Königlichen Akademie der Wissenschaften, der British Academy, der Amsterdamer Königlichen Wissenschaftlichen Akademie, der Madrider Real Academia de la Historia, der Bayrischen Königlichen Wissenschaftlichen Akademie, ausländyches Mitglied der holländisch-indischen Kor. Institut vovr Daal-Leanden Bolkenkunde, der Jewish Historical Society os England, der Pariser Soests Asiatiqne, Ehrenmitglied der Budapester Philologische Gesellschaft, der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, der Royal Afiatic Society, der Calcuttavr Asiatic Society, des Institut Egyptien,der American Oriental Soiety, der Helsingsorser Fmn- Ugrischen Gesellschaft, der Stockholmer Gesellschaft für Re-> ligionsgefchichte uswi^Der Lebenslauf des hervorragsuden Gelehrten, dessen Ableben wir in der vorigen Nummer meldeten, läßt sich in Kürze in Folgendem zusammenfaffey: Am 22. Juni 1850 in Sz6kesfch6rvür als Sproß einer eltehrwürdigsn TalnrudistenftrmAie geborsn, absolvierte er daselbst die Volksschule und am Cisterzenser-Obergymnastum fünf Gymnafialklassen mit ausgezeichnetem Erfolg. An seinem Barmizvah-Feste hielt der junge GoUrzieher im Tenrpel seiner Geburtsstadt eine gchaltvoüe halachische und exegetische Predigt. Im Alter von 15 Jahren begannen seine hebräischen Studien unter Leitung des Gelehrten S. H. Brill. An der Universität war er als außerordentlicher Hörer ein Schüler Armin BSmWry's. Goldzieher besuchte-Berlin, wo er ein Schüler Dr. Berliners war, Leipzig, wo er Heinrich Fleischer härte mflb Leyden, von wo er 1869 in seine Heima zurückkehrte und ruft dem Leipziger Doktordiplom im Alter von 19 Jahren die Befähigung eines Privatdozenten an der. Budapester Universität erlangte. Weitere Stipendien ermöglichten dem jungen Gelehrten — der damals schon geläufig hebräisch, türkisch, arabisch, französisch und deutsch sprach und auch der syrischen, persischen und chaldäischen Sprachen mächttz war — einen längeren Aufenthalt in Wien, Studienreisen nach Jerusalem und Damaskus, Konftantiuop-el und Kairo, wo er an der Hochschule als Softa inskribiert war und die Gunst des Khedioe in dem Maße errang, daß dieser ihn zu seinem Bibliothekar ernennen wollte.' Beim Stockholmer Orientalischen Kongreß 1893 überreichte Kou^ Oskar ihm persönlich den Wasaorden und einen Ehrenpreis von 1600 Dukaten. Am 17. Blumist 1894 wurde er endlich ordentlicher Professor an der Budapester Univer siräl. Goldzicher war der erste ungarische Jude, der die Mitgliedschaft der Ungarischen Akademie der Wissmschasten, und der erste ungarische Jude, der hie ordemlbA Universitätsprofeffur erreichte. Sein tveiteres Leben HW seiner Familie, se-inem Baterlande und seiner Wissenschaft geweiht. Es verging kein Jahr, tä dem er seine Wjsschischaft nicht mit einem größeren Werke bereichert hatte-Er galt als unbestrittener Fürst und Schiedsrichter aus dem Gebiete der arabischen Sprachwissenschaft und Literatur', die vor ihm wohl keiner so gründlich kannte als der bescheidene Gelehrte, der mit inniger Liebe an den TkMLivnen seines Glaubens hing. Zu feinem siebzigsten GeWpkZtage bildete Goldzicher den Mittelpunkt inniger« «rft richtiger Ovationen der ungarischen und indischem' Mlchrtenwelr.