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Die Wahrheit · 1921-12-08 · Heft 24 (8.12.1921) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 24 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Die Wahrheii Nr. 24 Vo« Nah und Fern >WM Mols Beck f. A. Unter zahlreicher Beteiligung wurde Mittwoch, den 30. November d. I. Herr Adolf Beck, SdUiorches der Firma Wilhelm Beck Söhne, zu Grube geträWn^ Neben feiner Gattin, Frau Johanna Beck, seinen Bindern Arthur Beck und Familie und I. Langfelder und MmiliH betrauert in dem Heimgegangenen der JosephsMAer- Tempelverein sein '40jähriges Vorstandsmitglied bzw, seinm mehrjährigen Präsidenten, der getreu den Uevertzefernngen seines Vaters, Herrn Wi'lh. Beck, des Be- MÜnWL, des JosLfsMter Tempels und seines Bruders, Herrn Hermann Beck, langjährigen Präsidenten dieses GNneirmvHens, seine ganze Kraft und sein gutes Herz in den Dienst dieser Gemeinde gestellt hat. Im Trauerhause, fanden sich die zahlreichen Freunde und Verehrer des Ver- LÜchMen ein, um der aus dem Gebiete der Wohltätigkeit bchtbekannten Frau Johanna -Beck ihre Teilnahme zu bekochen. Der Gejamtvorftand des Tempelvereiues geleitete den Tvlmerwagen zum Nendeggertempel, wo Halt gemacht wüvde und von wo sich der imposante Trauerzug zum HMMsriedhvs begab. Dortselbft hielt Rabbiner Dr. Bauer dem verblichenen Freunde und, Gönner einen tiefemipfundenen-Nachruf. Im Namen des Vorstandes dankte der VizeprB-ses Herr LudwigNowakdem Verstorbenen in w armerc Worten für dessen- Tr«re und Hingebung für die gemeinsaure heilige Sache. Namens der Beamtenschaft sprach der Sekretär des Großhandlungshaufes, Herr Finanzrat Dr. Benedikt, tief empftmdene Worte des Abschiedes von dÄn äMts verehrten und geliebten Chef. Herr Kantor Grob zelebrierte in zu Herzen gehender Weise die Trauerfunkrionen. Der plötzliche Tod des geschätzten Präses M in Men, die ihn kannten, Gefühle der Wehmut und Trauer ausgelöst. Sein Andenken wird stets ein -ehrendes uM gesegnetes bleiben.. Friede seiner Asche! Berel« „Wohlfahrt" (SB *B). Was' unserer Wiener Mischen Wohlfahrtspflege die längste Zeit gefehlt hat und dringend nottut, war ein Verein, der weder durch-einseitrge, eng gehaltene Statuten, noch lokale B-efchvärckrng auf einen bestimmten Bezirk verhindert wird, vch. jedes, -drängenden Falles materieller Hilfeleistung anzuirchnren, dem aber auch durch den persönlichen Kontakt unter seinen Mtgliodern eine unversiegbare Quölle der Arbeitswilligbeit und Leistungsfähigkeit gesichert ist. Wer ferner unter der verzopften Engherzigkeit so manchen Wohltätigkeitsvereiines, der Millionen. sammelt und sie nur kreüzerweise zu verzapfen sich herbeiläßt, die würdigste und drückendste Armut hat leiden sehen, wer sich besonders überdie taktlos-schnöde,' ja nicht selten brutale Art empüren mußte, mit der die Gewaltigen, die sich wie Cerberusse vor ihre Bereinskasse postieren, verschämtes Glend behandeln, der empfand das Bedürfnis nach einem .^lssvereür, .dessen Leitungnicht der Exklusivität eines Wrngels Hre ängstlich gehüteten knrulischen Sessel verdank, sondern aus hoch- und weitherzigen wahren Menschenfteunden sich zusammensetzt, die das allgemeine Vertrauen schon dadurch verdienen, daß sie zuerst tief in d^rr eigenen Beutel greisen, bevor sie um die Mithilfe anderer werben. Ebenso unentbehrlich erschien aber jedem Vngeweihten sowohl zur Erhaltung der Ehre des Wiener Judentums als auch zur Gesundung unserer sozialen Bestrebungen'eine Stelle, die nicht mit ano ertranken UnterstützuingsgLldern ohne strenge kaufmännische Kontrolle und das Mische Wien zu einer wirklichen HilssgememschM zugunsten vom Untergang. bedrohter Wohlsahrtstustitute und einzelner Personen organisiert. Allen diesen BHürgungeu sucht der Verein „Wohlfahrt" gerecht zu welchen, der, aus dem Wiener „SanierungskonMee" . hervorgOgangen, Bezirk für Bezirk zur intensiven Mitarbeit heranziehen will, um sein Netz über sämtliche Wiener Juden zu breiten. Während ein Komitee nur eine bestimmte, durch die Zeitumstände gerade gestellte Aufgabe zu. lösen hat, mag diese Ausgabe durch die Ungunst der Verhältnisse auch noch so lange'dus der Tagesordnung gehalten werden, kann ein Verein sein Ziel weiter fassen. Und wenn Komitee- Mitglieder vor allem einmalige höhere Beiträge auszutrsiben haben, bietet die Form eines Vereines durch Festsetzung eines bescheidenen Jahresbeitrages, auch dem Minderbemittelten die Möglichkeit, an einem menschenfreundlichen Unternehmen mitzuwirken. So will der Verein „Wohlfahrt", besten Ausruf wir icm einer anderen Stelle unseres Blattes wiedevgeben, die Tendenzen -des „Wiener Sanievungskomitoes" erweitert zum Gemeingut eiu.es nröglichst großen §treifes machen. Im übrigen soll die Anonymität, die' in den meisten Vereinen zwischen Leitung und Mitglied besteht, im Vereine „Wohlfahrt" dadirrch ausgeschaltet, und ein warm pulsierendes - Vereinsleben erzielt werden, daß regelmäßige gesellschaftliche. Zusammenkünfte in den einzelnen Bezirken alle Mitwübeiter an dem gemeinnützigen Werke einander persönlich näherbringen. Das weiitgestckte Programm wird sich erfüllen lasten, wenn die - energische Initiative der. Leitung'im Wiener jüdischen Publikum die erhoffte Unterstützung findet. David Hoffman« f. A. Mit David Hofs mann, dem greisen Rektor des Berliner Rabbiner-Semincvrs, ist in den letzten Tagen einer der heworragendstm Gelehrten zu Grabe getragen worden, der, wie wenige -unserer ZÄtgenosten, den Titel „Gaon" verdiente. Er beherrschte nicht nur, er bereicherte fast alle Gebiete der jüdischen Wistenschast mit grundlegerlden Werken. Viele derselben werden erst von der Nachwelt voll und ganz gewürdigt Werdern Hosfmann war ein Kämpfer, und die besten seiner Schriften sind zur Abwchr gegen Angriffe auf sein Volk geschrieben worden. So seine Schriften gegen Wellhansen, die er zuerst in einer Reihe von Artikeln im „Magazin für die Wissenschaft des Judentums 1879 und 1880" und danntu einem Buche unter dem Titel: „Die wichtigsten Instanzen gegen dieH Gra.f-Wellhausen'sche Hypoth-ese" veröff-entlichte. Die Abwchr machte ihn zum Bibelforscher, spornte ihn zu gründlichen Arbeiten über die Bibel an, deren reifste Frucht sein großes Werk über das dritte Brüh Mosis ist. Wie seine Schriften über die Bibel, verdanken. manche seiner gediegenen Werke über die nachtalmudische Zeit ihre Entstchungden Angriffen auf die jüdische Lehre. So z. B. das Werk „Der Schulchan Aruch und die Rabbiner über das Verhältnis der Juden zu Andersgläubigen", welches mehrere Auflagen erlebte. Dieses Werk war gsgen die verleumderischen Pamphleten des berüchtigten Aron Biman, später Dr. Justus, gerichtet, besten „Judenfpiel" nicht nurchristliche Theologen und Orientalisten-, sondern selbst Juden verwirrte. Hosfmann hatte die Genugtuung, zu seiner Freude zu sehen, wie dieses Werk , vrele Juden,, welche nicht im Stande waren oder nicht die Muße'hatten, ihre Religionsschriften im Original zu lesen, über dis

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