Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 24 (8.12.1921)
- Date
- 1921-12-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite S 3fc. 24 8>t« SBajtfr>ii Wahrheiten vom Tage Geschmacklos. Die ,,J. P. Z.", ein Unternehmen, die Welt über alles Geschehen innerhalb des Juden oums zu 'benachrichtigen, hat sich allmählich zu einem Ausgangspunkt der Reklame für jeden, der sich solcher bedienen will nno kann, emwiastt. Daß es bei emem solchen Geschäfte -auf einem Jahrmarkt der Eitelkeiten nicht besonders takt> voll hergehen kann, ist einleuchtend. Die nachstehende Kostprobe aus den jüngsten Verlautbarungen der „I. P. Z." überschreitet aber dre Grenzen des halbossiziellen Statthatlen. Sie berichtet vom dtosch haschonoh-Gottesdienst in Jerusalem: „Auch dieses Jahr nahm der Gottesdienst in der großen Jerusalemer Synagoge dank der Anwesenheit Samuels einen erhebenden Verlaus. Zahlreiche Gäste aus dem GNlulh beteten in dieser Synagoge, so Zahnarzt E h r m a n n ans Frankfurt, Wolowsky aus Montreal, A l l a n aus New-Ä-ork, «der bekannte Falaschaforscher Feltlowitsch usw." Man empfängt den Eindruck, daß mit den obigen Zeilen weniger der Gottesdienst, als der Person enkultus ins Auge gefaßt wurde. Es liest sich beinahe wie der Bericht über einen Ball, den die verruchten Assimil-anten veranstalten, wobei auch von der Anwesenheit des Kommerzialrates Pollak, des Konsuls der Fidschi-Inseln, des königlich siamesischen Hoflieferanten Blaufeld usw. Kunde gegeben wird. Wobei zu bedenken ist, daß der Ballsaal kein Heiligtum ist und deshalb Spielraum für Reklame gibt. Im weiteren Verlaus ihres Gottesdienstberichtes gibt die „I. P. Z." Extramischebevach dem Oberkommissär Samuel, dem Rabbiner Kovk u. a. m. .... Ein Pariser Schandblatt. Daß die Franzosen als Sieger Gift, Galle und Demütigung über die Deutschen ergießen, ist eine Folgerichtigkeit ihrer politischen Hysterie. Wenn aber diese Gefühle bei gewissen Schandkerlen eine Steigerung erfahren sollen, dann braucht man vor ihnen nur das Wort Jude laut werden zu lassen und der Paroxismus ist da. Deutscher und Jude — das ist der Gipfel der Verworfenheit. Der Typus solcher auf der Höhe ihrer Zeit stehender Schandkerle ist neben Seou Daudet der gleichwertige Herausgeber der „Aetion fvanxaise", unter der man sich eine Spielart unserer braven Mit Lügen und Verdächtigungen arbeitenden „Reichspost" denken mag. Herr Funder dürste gelb vor Neid geworden sein, als er vernahm, daß die „Action franeaise" Max Nord an der Spionage im Dienste Deutschlands beschuldigte und dessen sofortige Ausweisung verlangte, gleichzeitig mitden Korrespondenten Fvischauer und Kahn, den Unterspionen Nordaus. So haben denn die Lumpenkerle der Grand Nation seit den Tagen Dreyfus nichts gelernt und nichts vergessen, beweisen durch Daudet .jun. und seinem journalistischen Strauchritter, daß, wie in den Tagen Paul Derouledes und Henry Rochsorts, der Antisemitismus ein würdiger Bruder des Militarismus ist. Diesem Gesetze sind auch die „großen" Männer im Volke der Dichter und Denker unterworfen. Das Niederträchtige einigt sie alle und so kann es nicht erstaunlich wirken,, daß der fluchbeladene Ludendorff, die Seele der deutschen Königspartei," in seinem Buche „Kriegführung und Politik" gleichfalls Max Novdau verdächtigt. Es geschieht durch die hingeworfene Stinkbombe: „Am 12. Juli 1920 sagte der deutsche Staatsangehörige, der Jude Novdau, auf der zionistischen Massenversammlung in London nach der „Jüdischen Rundschau", 1921, Nr. 4: Die britischen Staatsmänner begannen von Palästina als von der jüdischen Heimstätte zu sprechen und erwarteten von den Juden, daß sie verstehen würden, was ihre Pflicht ist. Wir verstanden und handelten demgemäß." Der Genevalquartiermeister Ludendorff und Herr Leon Daudet an einem Strang ziehend! Wer lacht da nicht? Anitta Müllers Glück und Ende. In der vorigen ddmrmer der „Wahrheit" haben wir von einer versiegten Mtlchquelle berichtet, 'die eine Zeitlang unter dem Schutze der Frau Anitta M ü 11 e r slotz. Rascher als wir dachten, folgte diesem Krach eine Reihe weiterer und nunmehr darf man es unbestritten sagen, daß der Humanitätsgrotzbetrieb der auch potttisch unternehmenden Frau an den großen Fehlern der Weltfremdheit und Sorglosigkeit scheckerte. Von einem genauen Kenner der Verhältnisse erfahren wir, daß Frau mutfca Müller jedes orgamsatorstche Talem für ihr Amt, beziehungsweise ihre Aemter fehlte, daß weder der große Einlauf, noch die Verteilung der gespendeten Kleider, Gelder und Lebensmittel systematisch geleitet wurde, so daß vieles zugrunde ging oder — daneben fiel. Vielfach wurde die Ällullersche Methode als „Weiberwirtschast" charakderistert. In der Tat sollen bei der Auslanosaktion für Schulkinder, Aüsfpeisungen und ähnlichem weniger die unparteiischen charitatwen Richtlinien, als Persönliches, Allzuperjönliches 'beobachtet worden sein. Die Folgewwkung dieses Verhaltens war zunächst tiefe Versriimimung in Kreisen 'der armen Zurückgesetzten. Als die elenden Zustände keine Aendevung erfuhren, wurden die maßgebenden Stellen des unterstützen» den Auslandes aufgeklärt und ihnen nahegelegt, die Sendungen einzustellen. Dem wurde alsbald Folge gegeben und so versiegten nicht nur die Anitta Müller-Milch^ quellen, sondern alle anderen Quellen, aus idenen die Wohltätigkeitspriesterin ihre Popularität schöpfte. Das wäre kein besonderes Unglück, aber daß so viele tausend Arme und Bedürftige dabei zu Schaden kommen, daß fich an Anitta Millers Glück und Ende so viel Schaden Unbeteiligter tnü^sle, ist unverantwortlicher und sollte die Lehre von der Notwendigkeit wachsamster Kontrolle predigen. Ein ungarischer Minister Waüer. In Nachahrnung der antisemitischen Optionspraxis des österreichischen Iw nenminifters Dr. Waber hat auch die ungarische Regierung mittels Mauevanschlag die Bedingungen der Option auf Grund des Trianoner Vertrages bekanntgegeben, denen zufolge ausschließlich diejenigen aus den abgetretenen Gebieten bis zum 31. Oktober 1922 st'ir die ungarische Staatsbürgerschaft optieren könnett, die der Magyarenivaffe angehören und deren Muttersprache die ungarische ist. Nach Wiener Muster. Die Richtlinien der jüdischnationalen Partei und deren Grundsätze bleiben allerorten die gleichen. So äußert sich das Prager Organ der Zionisten über das Ergebnis der dort vorgenommeneu Kultusgemeindewahlen ebenso anmaßlich und hochfahrend, wie das Wiener Schwesterblatt vorjährig bei Ähnl^hem Anlaß. „Endlich einmal haben wir hier (in der Kultusgemeindevorstehung) Männer sitzen, die unsere Ideen vertreten werden!" Mit demselben Trmmphgesang zogen die Wiener Jüdisch-nationalen voriges Jahr in die ,Mahalstube" und wenige Monate genügten, zu zeigeH, wohin die Gemeinde durch die jüdischnationale Interessenvertretung gebracht wurde. Obstruktion und Krawall nach christlichparlamentarischem Muster waren die Ergebnisse jenes Wahlsieges. Hoffentlich 'bleibt die Prager israelitische Kultusgsmeinde von so traurigen Erfahrungen vttschönt.