Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 24 (8.12.1921)
- Date
- 1921-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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0h. 24 Dir Wahrheit Seite? Dte Juden als Mörder der Zarenfamilie. Es gibt kein Verbrechen gegen Gott und Mitmenschen, kein Verbrechen gegen Staat und Herrscher, dessen die Juden von ehren Feinden nicht bezichtigt werden. So taunte es nicht überraschen, daß man den Juden bald nach der grausamen Ermordung Nikolaus II. und seiner Familie auch diese Gräueltat aufs Kerbholz setzte. Anfang August 1918 verbreitete sich in Europa die Nachricht, daß die ganze Zarenfamilie in Jekaterinenburg, Sibirien, irgendwo in der Nähe von Omsk, . durch die Bolschewiken in einer grausamen Weise erschossen worden sei.' In Paris erzählten ehemalige Zarengenerale und ähnliche Persönlichkeitell, die es wissen mußten, unter den Zarenmördern hätten sich achtzig Prozent Juden befunden. Das hätte von vornherein einige starke Zweifel erregen müssen. Sibirien war bekanntlich den Juden verschlossen. Woher konnten sich dort auf einmal so zahlreiche Juden finden, daß sie die dortigen Sowjets beherrschten und sogar achtzig Prozent der Truppe stellten, die das grausame Todesurteil an der Zarensamilie vollstreckte? Diese Erwägung allein hätte genügen sollen, um die ganze Sache int das Reich der Fabel zu verweisen. Wer da es sich um „die Juden" handelte, wurde die alberne Fabel geflissentlich aufrechterhalten, mit großem Eifer verbreitet und willig geglaubt. Ein Mann des froiheitlichsten Volkes in Europa, der englische General K n o x, hat sich mit der unauslöschbaren Schmach'bedeckt, der Urheber dieser Legende zu sein. Er kämpfte gleichzeitig mit dem „weißen" General K o l ts ch a k in Sibirien und konstruierte sich, ganz im Widerspruch mit idenr Untersuchungsergebnis das russischen Justizminifters S t a r in k e w i t s ch, das Märchen, jüdische BolschewM unter den: gleichfalls jüdischen Rädelsführer I u r o w s k i hätten den Zaren und dessen Familie ermordet. Der Lügenbericht des General Knox wurde den Protokollen des englischen Parlaments einverleibt und gab das Signal für eine internationale Judenhetze in Versamnrlungen und Presie, wobei die berüchtigte „Mvrming Post" den Chorführer bildete. Die englischen Juden, die gewissermaßen als Mitschuldige üet Herren Jurowski und Getrosten in Sibirien bezeichnet wurden, wollten den Makel nicht aus sich sitzen lasten «und beschlossen, der Sache ans den Grund zu gehen. In London hatte der Jewish Board os Deputies uns die Anglo-J-ewish association ein Joint foreign committee eingesetzt, das die Ausgabe hat, die jüdischen Angelegenheiten im Auslande zu beobachten. Der Sekretär dieses Joint foreign eommrttee ist der hochverdiente, tapfere und unermüdliche Lueieu Wolf. Luoien Wolf setzte sich mit einem hochangesehenen. in London wohnhaften russischen Juden Doktor Si. B l a n k aus Kifchinew. der mit dem inzwischen nach Paris übergesiedelten Justizminister Starinkewitsch eng' befreundet ist, in Verbindung, und erhielt durch i h n dem Bericht des Ko lisch akschen Generalstaatsanwaltes N i k o l a j e f f über die E rg e b n t s s e s e i n e r U n t e r s nt ch u n g. Dieser Bericht ist seicher dntrch den Druck bekannt geworden. Was ergibt sich' nun aus diesem Bericht? Daß die Depesche des Gem e r a l s K n o x, was die Angaben über die FuÜ e nan b etri f ft, v o llständ i g erlogen ist. Jurowski wird erwähnt.; es wird aber nicht mit e i n e m W o r te a n g e d e u t e t, daß er ein Jude sei oder von Jaden stamme. Nichtsdestoweniger veröffentlichte der russische General Dietrichs in der „Revue dtzs^Deur Mondes" vom 1. August 1920 einen Artikel über die Ermordung des Zaren, in denr die Legende von den „fünf Juden" aufrechterhalten und eifrig verfochten wird. Allein der G e n e r a l bez ei chu e t I u r ow ski ausdrücklich als den „Russen", inn Gegensatz zu den fünf anderen, die nach seiner B e r s i ch e r u n g I n d e n se i e n. Die Triebfedern dieses ganzen Vorgangs liegen nun klar zutage. Die Zarensamilie nnird ermordet. Die russischen reaktionären Militär kreise bieten alles auf, " um die Schuld auf die Juden abzuwälzen. Der General Dietrichs verbreitet eine Flugschrift unter dem Titel „Me Juden haben den Zaren ermordet!" und dieses Schlagworr findet lauten Widerhall in Berlin, Paris und London, dringt sogar bis nach Madrid, wo der sonst so schweigsame König Alfonso erklärte, die Juden haben den Weltkrieg gemacht, sie haben die Revolution gemacht, sie haben zuguterletzt den Zaren und seine Familie ermordet. Mächtige und weitverbreitete Zeitungen und Zeitschriften wie „Morning Post," „Times," „Le Temps," „Revue des Doux Mondes" bestätigen sie in ausführlichen, langen und mit angeblich authentischen Dokumenten versehenen Artikeln und dämmern sie dem gebildeten Publikum ldor ganzen Welt in das Hirn. Durch Taufende und aber Tausende kleiner Aussätze, unscheinbarer Zeitungsnotizen, Flugschriften mW Broschüren, die für das „gemeine" Voll berechnet sind, wird diese Ueberzeugung unter den Volksmassen aller Länder verbreitet, bis sie zu einer unerschütterlichen selbstverständlichen ,Mahrheit" wird, wie ehemals, daß die Juden iden Sohn Gottes gekreuzigt und jahrhundertelang seinen Leib in der geweihten Hostie marterten, oder daß sic noch heute Christenkinder schlachten, um ihr Blut in die Osterbrote zu kneten .... Welcher Zweck wird damit verfolgt? Die Juden sind die Urheber und Träger der Revolution. Das will sagen: Wer an 'der Revolution teilmmmt, dient den jüdischen Interessen, fördert das Judentum gegen das Christentum und verwirkt sein Seelenheil, er untergräbt die Kirche, hilft dem Satan und dem Beelzebub, sich zu Herren der Welt zu machen .... Es gibt kein wirksameres Mittel, die Revolution und ihre Forderungen der Maste zu verekeln und verdächtig zu machen, als indem man sie zu Erzeugnissen des „jüdischen Geistes^ stempelt. Alle Elemente, hoch und niedrige di« irgendwie ein Interesse daran haben, der Reaktion wieder znm Siege zu verhelfen, werden sich unweigerlich dieses Motivs^ bedienen und in der Propaganda so rücksichts- und gewissenlos sein, wie man es immer in der politischen Propaganda, überhaupt gewesen ist, zumal wo es gegen Juden losging. Wenn auch das erbärmliche Lügengebilde der Knox- Dietrichs 'durch die Auffkärungsarbsit Rechtschaffener und Unerschrockener -elend in sich zusammenbrach es hat gleich wohl nicht verfehlt, Eindruck zu machen und Spuren zu hmterlasten, denn besonders die große urteilslose Masse glaubt immer lieber das Schlechte. Wie sollte es auch anders fein, wenn selbst ein König von Spanien, dem wahrlich die Juden wenig schaden können, dem Antisemitismus seine Reverenz macht. Probleme der Religionspsychologie. Bon Wolf. R a p a p o r t, Przemysi. Rasch Hafchanah ist das Fest, das die wahre Idee des Judentums repräsentiert. Des Judentums, das als Idee einer unzertrennbaren Synthese von Religion und Navion darstellt.