Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 23 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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M, 23 Die Wa hrheit Seite 13 «MgeWngenen Geldbeträge insgesamt nicht hin, am anch rrur Men geringen Bruchteil der Ausgaben des Jüdischen RekgibrrslehrersöMnars zu decken. Darum erlaubt sich fofe SeminaÄertnntz gleichzeitig imi diesem Danke einen Wpell an d!lie jüdische Oesfentlichteit zu verbinden, das gvmeÜMrützige Wiivken des Jüdischen Religiouslehrerfeminiars opferfreudig zu fördern und zu unterstützen. . Dr. A. Charafchr Lenin. Mit einem Vorwort von Paul Axelrod. Preis 15 Mark. Verlag: Art. Institut Orell FLssli, Zurrch. Ein ausgezeichneter Kenner Rußlands zeichntzt in der «vorliegenden Schrift ein wohlgelungenes, scharf umrissenes Porträt des Hauptes der SowjetdiEtatur. Der Verfasser kannte Lenin in der Zeit seines Exil persönlich und ist somit in der Lage, auch das rein Menschliche in ihm, die Eigenschaften feines Charakters, seine natürlichen Anlagen aufzuhelken. Doktor Charasch ist überdies mit dev Geschichte des russischen Sozialismus vertraut, mit dem Aufkommen und den verschiedenen Etappen der 'bolschewistischen Bewegung, mir den Schriften ihres Führers. So kann der Verfasser leicht zu den Quellen selbst des Bolschewismus greifen und seine fesselnd geschriebene Studie «mit einer Fülle von Literaturnachweisen belegen, die er «den.russischen Schriften Lenins 'entnimmt, darunter solchen, Welche längst vergriffen oder vergessen sind. Lenin als Mench, als uneigennütziger, aber skrupelloser Parteiführer, als Redner, als Schriftsteller, als Theoretiker, Nls Staatsmann wird in dieser reichdokurNentierten Schrift niit Sachkenntnis gewürdigt. Wer dem großen Jdeenstrom unserer Zeit ein Interesse entgegen- .bringt, ob Bolschewist oder Antibolschewist, wird diesen Bitrag zum Verständnis der beherrschenden Person lichkert Slwrjetrußlands. mit-Genuß uNd Gewinn Wen. Paul Axelrod, der greise MWegründer und Führer der russischen Ärzialdemokratie, dessen- SWler Lenin einst gewesen ist, spendet ein an Anregungen und Belchrung reiches Vorwort, das eine glatte Absage an die Irrlehren und die Gewältmethoden des ehemaligen Marxisten Lenin ist. Der Tag bricht an. Neue Gedichte von Waldemar Bonsels, Felix Braun, Martin Buber, Hermann Claudius, Carl Hauptmann, Hermann Hesse, Andreas Lcchko, Oskar Lörke, Alfons Paquet, Erwin Rieger, Wilhelm Schäfer, Wilhelm Schmildtbonn, Albert Steffen, S. D. Steinbevg, Leo Sternberg, Stefan Zweig, Otto Zoff. Hevausgegeben von Carl Seelig. Cinbandentwurf: Clemens Kaufmann. In apartem, farbigem Pappband gebunden 18 Mark. Vorüber ist die Nacht der Menschheit, die in wcchnsrnnigem Taimnel sich selbst zerfleischte. Aus der Stille des Morgen- Werdens erhobt sich der neue Dag. Der Tag bricht an. ' Das ist der heiße-Glaube, der die Besten unserer Generation beseligt. Die Eide beglückt uns wieder. Und mit Zittern sehen wir, denen jahrelang Nebelhüllen vor-den Augen wankten, das, was ewig bleibt und geblieben ist: Die menschlichen Wunder des Menschlichen und der Welt, des Kosmos sind uns wieder aufgetan. Die Sonne wächst, die Winde rauschen. Erwacht jauchzt die Welt und wir — wir dürfen wieder Liebe säen. Ein Dokument dieses neu erwachten Lebenswillens, der aus all diesen Zeilen der Dichter uns-entgügenströmt, ist dieses Buch menschlich, künstlerisch, ja gleichsam auch historisch bedeutsam, das weiterwrrken wird als Ruf zum Aufbau und Werden. Werbet Abonnenten für unser Matt! Vermischtes Predigt. Freitag, den 25. d. M., findet im Pdtzmanitenternpel eine Predigt des Herrn Rabbiner Doktor S. F u n k statt, in welcher Se. Ehrwürven über „Krankenpflege und Wohlfahrtsanftalten im jüdischen Volke" sprechen' wird. Eine versiegte Kindermilchquelle. Frau Anitta Müller ist humanitär gewissermaßen Hans Dampf in allen Gassen. Auf einer Hausfront der Unteren Augartenstvaße lesen wir mit großen, goldschimmevnden Buchstaben — vielleicht als Allegorie des goldenen jüdischen Herzens — „Hilssgerneinschaft Anitta Müller". Eine gleiche Firma gibt es im selben Bezirk in der Darwin- und des weiteren in der Großen Mohrengasse. Die letztgenannte Stelle als Milchtrinchalle für arme Kinder ist nun plötzlich zu einem jähen Ende gekommen. Es wird viel darüber gestritten, wer an dieser bedauerlichen Tatsache schuld ist, der kaltftrridische Sachwalter, der Hausbesitzer, der die schonungslose Räumung des Milchverteilungslokales durchführen ließ, oder Frau. Müller, die eine solche Eventualität voraussehen und für Ersatz rechtzeitig hatte sorgen müssen. Frau Anitta Müller denkt aber allzuviel an Fürsorge, um auch noch Borsorge zu treffen. Unter diesem Negativum dürfen aber keineswegs die armen, vom Milchgenuß ausgeschlossenen Kinder leiden. Die Lokalfrage darf kein unlösbares Problem bilden. Wenn es gelingt, jeden Monat fast einem halben D atzend neu entstehender Schieberbanken Unterkunft zu geben, wird sich für die blutarmen, schlecht genährten Kinder wohl ein Plätzchen anstrebn lassen, selbst wenn es in einem der entbehrlichen BolksschmZebäude wäre. Hochherzige Spende. Aus unserem Mitarbeiterkreise wird berichtet: Ein rechtschaffener, wahrhaft frommer Mann, der stets im Geiste 'der jüdischen Lehre lebte und hart genug das kärgliche Brot für seine zahlreiche Familie erwarb, wurde im diesem Sommer von schwerem Leiden heimgesucht und bittererNot preisgegeben. Ich erinnerte mich, -daß er oft mit gerührtem Dank davon sprach, wie gut es seinen Kindern während der Zeit ihres Hoüand-Aufenth-rltes hei , den Pflegeeltern hatte und wie er selbst manche nulte Gabe von dort empfangen. Dies brachte mich zu dem Entschlüsse, dorthin die trostlose Lage der Unglücklichen in ausführlichem Schreiben zu .schildern, ohne für ihn etwas anzusprechen. Um so leöiiafter war meine, -freudige Ueterraschung, als ich dieser Tage aus Groningen einen teilnahmsvollen Brief erhielt, worin der Bruder des Adressaten — dieser selbst war mittlerweile gestorben — mir bekanntgab. daß er dem Kranken fünfzig Gulden überwiesen. Dieser ist nun nach österreichischen Begriffen im Besitze eines kleinen Vermögens» das -ihm über die schwere Winterszeit himveghelfen dürfte. Ich glaube, es ist dies die größte Spende, di« je ein Wiener Armer empfangen und um so höher zu rühmen, als sie an einen ganz Fremden durch Verwendung eines gleichsfalls Fremden erfolgte. Ich beglückwünsche den Empfänger, ater auch den Spender, ter in so munifizenter Weise der Stimme seines jüdischen Herzens folgte. Ich glaube, feines Beifalls sicher zu sein, wenn ich den Namen des edlen Wohltäters verschweige, denn intuitiv empfinde ich, daß er sich voir 'der Menge jener unterscheidet, die ihre guten Werke gerne plakatiert sehenzum Unterschiede der wahrhaft jüdischen Zedoke ter „matau tesesser", denen im verborgenen gereichte Gaten ungeschriebenes» aber ideales Gesetz ist. d. Jubiläum Kantor Heinrich Khuner. Samstag, den 12. d. M. wurde im Tempel des 13. Bezirkes das 2öjahriae Kantors ubiläum des allgemein geachteten und telickbten Kantors Heinrich Khuner nnt seinr Gattin Cäcilie das Fest der silbernen Hochzeit. Aus. diesem Anlaßwar der Sitz -des Jubilars dekoriert und hatte sich . der Gesamtvorstand mit dem Tsinpelprafitenten, Kultusvorsteher Dr. S. Kren b erg er und Vizepräsident Dr. Khuner, ferner Deputationen von Vereinen, sowie zahlreiches Publikum emgefunden. Der Jubilar übte an diesem Tage selbst die kantoraken Funktionen mit Char in erhebender Weise aus. Adolf Braunfeld rezitierte einen Mischeberach, worauf Tempelpräfident Dr. Krenterger an den Jubilar eine herzliche Ansprache hielt. Rabbiner segnete hierauf Herrn Khuner. Anlatzlich des Jubiläums erhn-lt das