Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 23 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Serie lt Pr. 23 4)ie B ahrheiß Tresfen zu führen. Wer Tate Jonescn und seine Vergangenheit wie — man verzeihe das harte Wort —seinen Charakter kennt, weiß, daß die Aeußemm'geir dieses Mannes in »keiner Weise ernst 'genommen werden dürfen. Die Abstimmung in Oedenburg. Das P r ä s i d i u m d e r I s r -ae li t i s ch e n K n ltnsge m e inde Wien richtet an «die in Wien lebenden. abstimmungsberechtigten Glaubensgenossen O e d e n b °u r g s und Umgobu-ng 6en sc 'genoen Äpell: Der Friedensvertmg von St. Gsrmain hat «das Burgenland Oesterreich zugesprochen. Ueber die künftige Zugchörigkeit Oedenburgs und der umliegenden Ortschaften soll im Sinne des Abkommens von Venedig eine V olk s ab stimmung entscheiden. Indem die Repräsentanz der Wiener Judenschast den Glaubensgenossen im Burgenlcistlde ihren ibrüderlichen Gruß entbietet, wendet sie sich an die ans Oedenburg und Umgebung stammenden Juden mit dem ansrichtigen Rat nnd der Bitte, b ei d e r V o l k s >a b ft i m m u n,g v o u ihrem Stimmrechte Gebrauch zu machen und ih re Stimm en zug un fte n O e ft e r r eichs abzugeben. Glaubet nicht den unwahren Ausstreuungen über Oesterreich, mögen sie von welcher Seite immer kommen, die euch von einer Entscheidung zugunsten Oesterreichs abhalten sollen! Ihr seht es mit eigenen Augen, daß Oesterreich bemüht ist, euch Friöden und Ruhe zu bringen und zu verbürgen. Die Juden Oesterreichs werden euch in Liebe ausn-ehmen. Ihr werdet die große Bevnfüng haben, gemeinsam miÄ ihnen an der Entwicklung der Repnblick und ander Erhöhung des gesells ch aftli ch e n und p o li tis chen Ansehens des I u den 1 ums i n O e st e r r e i ch mitzuarbeiten. Es ist Ehrensache.eines jeden Juden, wenn das Schicksal ihm die Möglichkeit hiezu bietet, durch den 'Stimmzettel sein und seiner Glanbensgienofsen Los zu. verbessern. Dieser eurer Ehrenpflicht seid am Tage der Abstimmung eingüdenkt! Psalmen und Prophetenabend/ Vor ausv erkauftem Haus fand am 1. d. M. im großen Konzerthaussaal der vom Konzertbüro Haruach und vom Jüdischen Hochschulausschuß veranstaltete Psalmen- und Prophetenabend statt, der in seiner Geschipfsenheit und wirWich seriösen Darbietung einen Höhepunkt des jüdischen Veranstaltungswesens bildete. Nach einem Orgelpräludium, von Professor Di t6 gespielt, über dessen Kunst nicht weiter gesprochen werden muß, brachte Frau ErKa Wagner eine Reihe von Psalmen, bei denen sie alle Register ihrer klangvollen Stimme in außerordentlich wirkungsvoller Wstse spielen ließ.. Ferdinand O nuo zeigte mit großem Stiimmaustvand die unerhörte Gewalt prophetischer Rede. Den Abschluß und Höhepunkt des Abends 'aber - bildeten die beiden Psalmen 18 und 130, die, von Professor Braslawsky vertont, durch das Hakoah-Orchester und den Jüdischen Gesangverein interpretiert wurden. Die Chöre machten auf das andächtig lauschende Publikum tiefen Eindruck. Herr Oberkantor Gerson Margulies brachte Mt seinem herrlichen Organ «das Solo ergreifend zur Geltung. Das Publikum spendete stürmischen Beifall. Es war ein stilvoller Abend. Der Nachtvorstellung zweiter Teil. Der erste Teil der unwürdigen Komödie fand, wie man weiß und durch eine ParanHese in unserer vorigen Nummer — ,,Glossen zum zionistischen Parteitag" — erinnert wurde, anfangs Juli d. I. statt. Die Herren Zionisten haben ihre ebenso Andifche alsverderbliche Wsicht erreicht, stch aber mit ihrem Sieg auch eine enlpsindliche Rioderlage geholt und dies kam, wie nachstehend geschildert wird. Nachdean die Jüdischnationalen im Vorstand der israelitischen Kultusgemvinde. anfangs November, in der die wichtige Angelegenheit der Beamtengehaltsregulievung erledigt werden sollte, durch Exodus beschlußunfähig gemacht hatten, wurde für den!). Noveurber eine u-euerliche öffei^liche Sitzung aubevaunck, in welcher Vorsitzender Präsident Dr. Pick die Versammlteu begrüßte und den Jüdischnlationalen das Zugeständnis miachte, die Tagesordnung vom 6. Juli fortzusetzen. Demgemäß erteilt er Herrn Regierungsrat Taussig das Wort, die Rede, 'die er damals unterbrochen hatte, sortzusetzen. Herr Taussig verzichtete jedoch aus Gründen, die nur im bekannr sein werden, aufs Wort. An seiner Stelle ergreift es Dr. Ehrlich, der mit gewöhnter Umständlichkeit seirr Steckenpferd der Wahlrssovm vorführt und der Hoffnung ^Ausdruck gibt, die Majorität werde endlich dem Begehren der Jüdischarationalen größere Geneigheit entgegenbringen. Kultusvorftaud B u ch w a l d erwidert dem Redner, daß sein Antrag in geschästsordnungsmäßiger Weise dem Wahlreformansschuß zur Behandlung überwiesen werdet Dieser Bescheid war jedoch für die Wünsche Ehrlichs und Genossen nicht befriedigend rrnd einer derselben, Kultusvorstand F r i e d m a n n, holte zu einem neuen Streiche — man könnte von einem Schwabenstreiche sprechen — aus. Nachdem er sich gegen die 'aus den Kreisen der KultusbeaMenschast vielfach erhobene Beschuldigung verwahrt hatte, daß die Zionisten beamtenfeindlich seien, erklärte er stch Mt der Ueberweisung des Wahlresormantvages an den zuständigen Ausschuß einverstanden, wenn dieseralle in Wien wohnhaften Inden bestimmten Alters als' wahlberechtigt anerkenne. Gegen diese unglaubliche Zumutung protestierte Kültusvorstand Dr. T i ch o mit der scharfen, einleuchtenden Begründung, es sei ganz undenLbär, einem Ausschüsse Borschreibungen zu machen, wie er Anträge behandeln müßte, also eine gebundene Marschroute «für seine Arbeit zu geben, was jede Freiheit und Selbständigkeit ausschließe. Diese xuristrsche und logische Auffassung mußte selbst den Jüdischnationwleu einleuchten, so daß der Antrag Buchwald aus. Ueberweisung der Wahlresorm an den zuständigen Ausschuß, wie auch der Antrag Ticho auf unbehinderte Behandlung der Wahlreformangelegenheit zum Beschluß erhoben wurden. Nunmehr konnte der Bochang über den Schluß >der Nachtvorstellung fallen, die niemandem zu Liebe, aber nieimiamdem zu Leide gespielt worden war, und die Verabschiedung der BeaMengehaltsregulievung glatt, ohne unliebsame Intermezzi erfolgen. Das hätten die Herren der Opposition viel einfacher und ohne Einbuße >an Reputation 'haben können, wenn sie früher Vernunft angenommen und begriffen hätten, daß es vergeblich ist, auf Granit zu beißen. Nicht der Granit, sondern die Zähne kommen dabei zu Schaden, Wenn die Herren am 6. Juli das gebilligt hätten, was sie um 9. November angenommen, wären sie ihrem Ziele näher gekommen, denn der Wahlrchormausschuß hätte vier Monate Zeit gchabt sich mit der Angelegenheit zu befassen, die vielleicht schon erledigt 'wäre. Und ohne ihre Sabotierung »der Vorstandssitzung anfangs dieses Monats hätten die Kültusbeamten eine Woche früher die Gehattsregulievung erlangt, ohne den jüdisch-nationalen Kultusoorstcheru deren bÄntenfeindliches Verhalten ins Gewissen zu hämmern. Dr. Jgnäz Goldzieher gestorben. In Budapest verschred dieser Tage im 71. Lebensjahr Dr. Ignaz Goldz i e y e r. Wir werden aus oen Lebenslauf des bedeutenden Mannes der Wissenschaft, der ein Jude par exeellenee gewesen, in der nächsten Nummer ausführlich zurückkommen.