Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 23 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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?eite iö i e Wahrheit Nr. 2h |1 Von Nah ««d Fern jpjj Ungarn in Amerika. Die Not der ungarischen Juden, sowohl ihre ivlrt-schaftüche wie ihre politische, hat erschreckende Aloße Mbgeuoinuren. Der politische Wandel muß sich ans dem Innern ergeben und wird voraussichtlich nrit dem allgemeinen Kurs dieses zerwühlten unglücklichen Landes vor sich gehen. Schon sind, seit dem letzten Karlistenpntsch, Anzeichen dafür vorhanden, daß die am Ruder sitzenden Staatsmänner von ihrem schrattkenlosen Sslbftbewußtsein viel eingejbüßt, das System der Gewalt und^WMür notgedrungen ausgelben. Daraus folgt, daß in absehbarer Zeit der schwindende Druck, der auf den ungarischen Juden als Nachwirkung des offensichtlich zusammengeLvochenen Terrors littet, Ausblick in eine besseve Zukunft eröffnet. Nicht so günstig steht Fs mit den maieri'Lllen Verhältnissen ✓ unserer dortigen Glaubensgenossen. Von Bela Knn bis Vethlen waren sie schutzlose Opfer Mer Verfolgungen. Vorwiegend im Handel und in der Industrie wirkend, finden sie durch den Mgemeinen wirtschaftlichen Niedergang, während der. Nachkriegszeit die Quellen ihres Erwerbes abgeschnitten, Reichtümer von gestern sind im Würde verflogen und Mutter Sorge sitzt bei ihnen zu Tisch. Unter solchen Umständen muß die Hilfe von außen kommen, und dies erkannt zu h>a!ben, ist ein Verdienst der für'das Wohl des ungarischen Judentums stets besorgt gewesenen Männer, Dr. Adler, Rabbiner der Pester israelitischen Religionsgemeinde, und Hofrat Franz Szekely. Ihnen wurde das ehrenvolle und wichtige Mandat übertragen, bei den -amerDanifchen JUden werktätiges Mitleid anzurufen. In der ungarischen Hauptstadt und im ganzen Lande wird.dieser Beschluß freudig begrüßt uÄ von großen Hoffnungen begleitet. Man sollte glauben, daß solche Erfindungen überM, wo Juden wohnen, geteilt werden. Umso bedauerlicher ist es, einen krassen Ausnahmefall verzeichnen zu müssen. Die „Wiener Morgenzeitung" wirst mit der Kotschleuder nach den beiden Amerikareisellden und spricht sie als „Mische HorHy-Miffion" an. Woraus schöpft sie die Berechtigung zu solchem Tun? Hauptsächliche aus dem Umstande, daß sowohl Rabbiner Dr. Adler wie Hofrat Szekcky auf das Mischnationale Progvmnm nicht eingeschworen sind und ihrer Gemeinde einen anderen Weg als in den Sumpf zeigen. Außerdem haben sie das schwere Verbrechen begangen— man denke — dem Ministerpräsidenten Grafen Be'thlen einen A'bschiedsbösucht zu machen und mit ihm Worte des Vertrauens und Verstehnes zu wechseln. Die Schiigpferei der „Wiener Morgenzeitung" wird von jedem Borurteilslofen nach ihrem richtigM Werte eingeschätzt werden. Maler Isidor Kaufmann gestorben. In der Vollkraft seines künstlerischen Schaffens ist vor kurzem der akademische Maler Isidor K.a afntaini aus dem Leben gegangen. Der Verewigte war einer der letzte» Repräsentanten der vornehmen Wiener Schule, die an dem Traditionellen, wo es seine edelsten Auswirkung zeigte, festhielt. Er blick» auch dem Künstlerverbande, dem er sich vor Jahrzehnten angeschloffen hatte, treu, ohne den Modernen in ihren verschiedenen Effektbestrebungen Konzessionen zu machen, weil es der Geschmack des Tages vorteilhaft erscheinen ließ. Schematisch war Kaufmann weder deu Impressionisten, noch den Expressionisten beizugesellen. Er ging seinen eigenen reürlichen Weg, wie er fein eigenes Genre pflegte. Isidor Kaufmann!var der Maler des Judentums im seinen vielgestaltigen romantisch uunvitterten Typen. Seine Darstellungen der jüdischen Fest- und Foiie-Mge, der Synagogen-Jnterienrs, der Talrnndftudierenden atmeten -durchgeiftigtes Leben und wirkten tief auf den Beschauer. In den Ausstellungen des Künstler- Hauses früherer Jahre tvar Isidor »Kaufmann regelmäßige mit seinen vornehmen Bildern achtunggebend vertreten und fand stets bei Publikum. uitb Kritik günstigste Auf- - iah ine. Auch der alte Kaiser Franz Josef gehörte zu den Gönnern Kaufmanns,- spendete seinen Bildern öffentlich Lob und kaufte manche derselben für seine Privatgalüvie. Die Kunst betrauert in dein Hingeschiedenen einen ihrer feinsinnigsten Angehörigen, das Judentum einen seiner treuesten pflichtbewußten Bekenner. Für die hohe Wertschätzung des ausgezeichneten Menschen und Künstlers war die außerordentliche Teilnahme bei seinem Leichenbegängnis beweisgebend. Di!e weite Zeremonienhalle konnte kaum die große Schar der Trauernden fassen. Die lautorale Funktion versah Oberkantor M a t y as, den ergreisenden, Nachruf hielt Oberrabbürer Dr. Chase s. Das geistige Wien war in seinen würdigsten Vertretern zu sehen. Die Küirstler- und Schriftstellerkreise, die vornehntsten'Angehörigen der Wiener Judenschaft, gaben dem unvergeßlichen Meister das letzte Geileite. Der Präsident der Kaltnsgemeiude Pros. Dr. Pick, Direktor Probst, Hofrat Dr. Frankfurter, viele Mitglieder her Genoffenschaft der bildenden Künste, der Preffe und der Gelehrtenwelt wären nüt Namen zu erwähnen. Die Wiener Universität in Not. Zu den vielen kennzeichnenden -und beklagenswerten Folgeerscheiungen des unglückseligsten aller Kriege gehört die Exiftenzbedrohung unserer altberühmten Kultureinrichtungen. So ist auch die Wvener Universität - in, schwere wirtschaftliche Bedrängnis geraten und die hochherzigste Anslandshilfe, diie bereits wiederholt-eülgesetzt hat, wird wieder -einmal angerufen, Rettung zu-' bringen. Aber auch die Oesterreicher, allen voran ^e Wiener, dürfen 'die Pflichten eines so kostbaren, idealen Besitzes nicht außer Acht lassen und müssen eine planvolle, umfassende Rettungsaktion in die Wege leiten. Besonders dein leistungsfähigen Judentum oblieget es hier Verständnis der schwierigen Lage, offerm Herzen und offene Hände für eine hohe sittliche ForÄerMg zu zeigen, Eingedenk der Tatsache, daß es die besten Söhne der öfter-, reichischen Judenschaft sind, die an der Wiener Universität zu den Höhen der Wissenschaft gelangen, daß hier auch fremdländische Studenten Mischen Glaubens, die Fanatismus und Intoleranz zurückgewiesen, gastliche Aufnahme finden. Diese Erwägungen sollen unsere Gläubensbrüder allüberall zu raschen und ausreichenden Opfern für die Wiener. Universität beftimMen. Ein Duell Gafter— Myer. Selbstverständlich ein rMblutiges, mit den harmlosen Waffen der Tinte und Fsder geführtes. Dr. Gafter, der Obervaibbiner der Londoner sephiardifchen Gemeinde, hatte sich erlau'bt, die Bestrebungen der rumänischen- Zivniftenfvaktion zn tadeln, dafür wird er von Dr. Myer in 'den „Bulletins" hchtig lanlgegrisfen und an seüre im Jahve 1917 eingenommene Stellung zu dieser Frage erinnert. Mag sein, 'daß^ Dr. Gastier ^damals anderen Sinnes war, -aber auch die Bechältniffe waren vor vistr. Jahren anders. Dies bedingt' eine Revision früherer Ansichten. Mit gewohnter zionistischer Uebertvsiibung der Tatsachen beruft sich Myer auf eine angebliche jüdifchnationale Mehrheit in Rumänien. Die Logik der Zahlen widerspricht!'dem. Ganz unklug ist es, den Minister Take J o n e s c n und seine Aeußerungen . ins'