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Die Wahrheit · 1921-11-24 · Heft 23 (24.11.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 23 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheik SKte S Ar. 23 Wahrheiten vom Tage ij Das Märchen vom jüdischen Bolschewismus. Es ist , an die Stelle des Ritualmyrdmärchens getreten, «an das bereits -der dümmste Kerl'im Dorf nicht mehr glauben wM. Aber der Jude -ein Bolschewik, das hat morderne Ausmachung nnd -einige Glaubwürdigkeit durch die 'bedauerliche Tatsache, daß so viele führende Männer des Bolschewismus jüdische« Namen tragen und jüdischen Stammes sind. Mer das i!ft lange noch «Lein Argument. Namen sind Manch nnd Schall und der gesünoeste Stamm kann wurmstichige Früchte tragen. Nicht der Name, das Werk ent- :cheidel. tleberall, wo indische Bolschewiken am Müder sind oder waren, haben sie gegen Inden ebenso, schamlos wie gegen Niichtjuden gewütet. In Rußland', Polen und in der Ukraine hüben sie vielerort mit dem Cheder aufgeräumt und Versuchern ähnliches mit derr Joschiw-os. Eden erschien eine Statistik über ungarische Bolschewikenh-errschaft, hie nicht wenig Juden Frech eit, Vermögen und' Leben kostete. Der Bolschewismus ist also weit entfernt, das Judentum in. den Sattel zu herben. Wer dies behauptet, lügt ebenso bewußt, wie der Verfasser der „WeiM von Zion". Bischof Prohaskas Agitationsreise. Der Bischof von Stuhlwöißenburg Otto -Prohaska hat durch seine wüsten Hetzreden -gegen die Juden unehrenhafte Aufmerksamkeit bei dem größeren Teil seiner ungarischen! Landsleute erregt. Nur die. Horde der eigentumsgefährlichen Gejschäftsantifemiten, die „Erwachenden Ungarn", versicherten, daß der-hochwürdige' Herr Nach ihrem Herzen gesprochM- Diese Lorbeeren genügen -über dem eifrigen Kirchenfürsten nicht. Es schwebte ihm vor, daß es auch in Deutschland Erwachende gibt, die -auf den Namen der Hakeukreuzler hören und denen das Evangelium des Hasses zu vernchmen willkommen sein müsse. In dieser Nwaussetzung hat sich der betriebsame Kleriker nicht geirrt, wenn er -auch.-anderseits die Erfahrung Machen mußte, daß die preußischen Katholiken von -anderen Kulturrdealen beseelt sind. Dies gilt besonders vom deutschen Zentrum, das immer gut katholisch, aber nie antisGNitisch War. Die Vorkommnisse aus dem vor kurzem abgehältenen Frankfurter Katholikentag haben dies wieder bestätigt. Während die meisten Redner über Glaiubenspflege, Erstarkung der Kirchenmacht urrd deren Bedeutung für das sittlich-religiöse Leben des Volkes sprachen, erging sich in einem anderen Saale der bischöfliche Gast Es Ungarn in vielen Schmähungen über Inden und Judentum. Jeder Redner findet die Zuhörer die er verdient. Bor einem Parterre von Hakenkreuzrittern kann es dem modernen Capistranus an Zustimmung nicht schien. Die Andersgesinnten machten-aus ihrem Unwillen keinen Hchl und sprachen dem Prohaska den Katholizismus ab. Wahrheitsgemäß hätte man diesem Herrn das Christentum absprechen müssen, denn die wahren Diener desselben haben niemaLs Haß gepredigt. Der Bischof von Stuhlweißenburg wird von dem Ergebnis seines im Umherziehen geübten Apostelgewerbes nicht erbaut sein. Prager Kultusgememdewahl. Dieser Tage fanden in Prag die Wahlen in die Kultusgemeinde statt. Bier Parteien rangen um den Erfolg, darunter auch oie Jüdischnationalen, die mit großen Erwartungen ausgezogen waren und Mir Hochdruck arbeiteterr. Diese Erwartungen wurden auch von einem Wiener zionistischen Organ geteilt, das es bis heute nicht einmal für notwendig hielt, das Wahlergebnis seinen Lesern mrtzüteiilen. Der Erfolg war nicht im Verhältnis zum Schweiße der Edlen. Ihr Pveßorgan, die „Selbstwehr", ist van dem Resultate befriedigt nnd auch nicht, je nachdem sie 'die Sache vom ideellen oder materiellen Gesichtspunkt betrachten will. Nachdem aber mit Idealen bekanntÜch weder Eisenbahnen gebaut, noch positive Berwaltungstätigkeit geleistet werden kann, mögen sich die Prager Jüdischnationalen ihrer gepriesenen Ideale freuen. Wie sie in Wirklichkeit transformiert! ausschauen werden, dürste die nächste Zukunft lehren. Es erhielten die Demokraten 8, der. Svaz Cechu-Zidu 6, >die Mittelstandspartei 5 und die Jüdischnationalen ebenfalls 5 Mandate. Wir beschränken uns heute ans -diese kurze Mitteilung. Das ungarische Judentum. In der Generalversammlung der Pefter israelitischen RsUgionsgemeinde, kurz vor den hohen Feiertagen, wurden von den Maßgebendsten Persönlichkeiten eindrucksvolle Reden gehalten, deren Bedeutung gewürdigt zu werden verdient. So sagte unter ariderem der verdienstvolle Präsident der Gemeinde Franz Szekelyi: „Es ist unmöglich, dort zu bauen, wo der Boden noch nicht ganz fest ist, wo ihn noch immer revolutionäre Dünste bewegen. Ob nun diese revolutionären Dünste rot oder weiß sind, ändert wenig an der Sache. Wenn einmal -die so viel erwähnte und von uns allen so eifrig ersehnte Konsolidation da sein wird — und rufe hoffen, -daß dies in Bälde der Fall sein wird — dann kann die erfolgreiche Arbeit beginnen und dann wird das u njg «!?if 4 e Judentum sicherlich auch dabei sein und seinen Teil an dem nationrettenden großen Werke beanspruchen. Gemeinde-Vorsteher Dr. Mexander Lederer sprach über diie Einheit des ungarischen Judentums und erklärte unter allgemeinem Beifall: „Wir stehen auf der Grundlage des Schnlchan Aruch, sind in -der Anbetung unseres Gottes, -in «der Liebe zu unserem Vaterlande eins. Aus dieser heiligen Grundlage stehend, darf es keinje Scheidewände mchr zwischen den ungarischen Juden geben und ich weiß und bin Ech überzeugt, daß ich dieser Fest- Versammlung aus dem Herzen rede, wenn ich mich von dieser Stelle qn unsere Brüder, an sämtliche ungarische GlEbensgemeinden mit der Bitte wende: Bereinigen wir uns in einem großen heiligen Bunde. Von hier aus bitte ich sie: reichen wir einander >die Hände und erflehen wir Hand in Hand die heilige Hilfe unseres Gottes, in diesen, für uns so krisenhaften, schweren Tagen, reichen wir einander die Hände, um so mit vereinigten Kräften und gemeinsamen Willen uns den Rechtsverletzern und Rechtsbeugern entgegenzustellen. Während diese zerstören, wollen wir ungarische Inden mit vereinten Kräften arbeiten, schaffen, schöpfen, für den Ausbau unseres so.tief gebeugten V a t e r l a n d e s, zur Ehreunferes Gottes und unseres Vaterlandes." — Daß das ungarische Judentum sich seiner Pflichten sehr wohl bewußt ist und sich ihnen Ech nicht zu entziehen -beabsichtigt, -beweist die Tatsache, daß E den beiden Neujahrstagen, -allein in den 53 Tempeln und Bethäusern der Pester Israelitischen Relig-ionsgemeiNde, über anderthalb Millionen Kronen für wohltätige und kulturelle Zwecke gespendet -wurden. Das Judentum Ungarns ist sich inmitten seiner bedrängten Lage -seiner Pflichten vollauf bewußt und hofft Ech bei den Glaubensbrüdern im Auslande einen warmen, lebhaften Wiederhall dieser Opf-vrwWijgWt zu ftnden.

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