Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 23 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die W ohrheir Seite L Kr. W Prag; 1196 zu Sparer, Wien, Worms, Erfurt; 1198 und 1289 zu Nürnberg; 1205 Halle; 1212 Gotha; 1221 und 1266 zu Erfurt; 1225 Mecklenburg; 1226 zu Breslau und ch Oesterreich; 1235 zu Fulda; 1241 Frankfurt; 1243 Bielitz; 1258 Hildeshdim; 1260 Weißenburg; 1261 und 1301 Magdeburg; 1276 Lorch; 1283 Bachrach; 1285 München; 1287 und 1294 Bern; 1290 und 1381 Nördlingen; 1292 Kolmar; 1303 Weißensee; 1305 Prag und Wien; 1309 in Süddeutschland; 1310 Steiermark; der Hoftienschandmvg bezichtigt 1289 in Franken; 1336 bis 1338 Bayern und Oesterreich, 1338 in Elsaß, in Schwaden und Franken; 1443 von den GÄßelbrüdern schwer heimgesucht. 'Als der schwarze Tod (1318so viele Menschenopfer forderte, schob mau die «schuld auf die Juden, sie der' Brunnenvergiftung anklagend, erpreßte durch die Folter Geständnisse, verwarf die entlastenden Beweise der berühmtesten Aerzte, um durch Mord vieler Dausende von JrÄen die Raublust zu befriedigen; 1384 und 1385 Frauken und Schwaben; 1420 Mainz; 1420 und 1421 Oesterreich; 1424 Frei barg i. Br.; 1424 und 1435 Zürich, 1426 Köln, 1432 Sachsen, 1435 Seier, 1438 Mainz, 1439 Augsburg, 1450 Bayern, 1452—1455 auf Veranlassung des ( fanatischen Reisepredigers, des Franzikanermönches Johann v. Kapckftmno in ganz Schlesien. Die Schweiz hat s«ckt 1348 (Schwarze Pest) noch Judenverfolgungen, 1401 Schaiffhausen; 1435 in Zürich.; 1490 in Genf und 1491 im Thurgau aufzuweisen. Seit 1406 fanden in Steiermark ebenfalls Judenverfolgungen statt. Nun wird wohl niemand bezweifeln, daß unter den Deutschen der antisemitische Humus in Unmassen ausgestreut wurde und sich auch nacht wundern, wenn ans diesem Boden der Antisemitismus so vortrefflich gedeiht. Der 'durch die Reformation erzeugte freie Geist kam M Deutschland den Juden nicht zu gute. Man beschuldigte sie noch immer der. Hostienschändung und des Ritualmvrdes. Erst das Ansehen Mendelsohns vermochte das Los groß- und hochherzig die Zedoko geübt wurde. In diesem Sinne wurden auch die Kinder heranglszogen und verehren diese, (eiin Sohn starb vor wenigen Jahren) ihre allgemein hochgeschätzte Mutter. Seit dem am 14. November 1893 erfolgten Ablüben ihres Gemahls widmet sich die Jubilarin' beinahe lausschlckeßlich der Wohltätigkeit iraib kümmert sich, persönlich und mit ihrer liebenswürdigen Eigenart den vielen Pflichten, die mit der Annahme solcher Ehrenämter in Verbindung stehen. Fast alle jüdischen und internationalen Wohltätigkoitsanftalten zahlen Baronin Königswarter zu chr^n Gönnern. Bis iu der letzten Zeckt hat es diese tief religiös veranlagte Frau nicht versäumt an allen Sabbaten und Jaum tauwim den Tempel zu besuchen, amt in beispielgebender Andacht den Allgütigen M lobpreisen So werden denn am 2. Dezember 1921, als ihren 80. Geburtstage, all chre Bewunidever dieser ihrer hervor- . ragenden Eigenschaften wetteifern in den Bezeugungen ihrer Verehrung und Danlbarkeit. Nur ihre aufrichöge Frömmiglküit, ihre hohe Menschenliebe haben ihr die Beliebtheit und Wertschätzung aller Kreise gebracht und ihr den schönsten Lohn ckn einem „Schem tauf", in einem „guten Namen" gegeben. Der Vergelter alles Guten möge diese edle, gute Frau noch eine Reihe von Jahren in vollster Rüstigkeit und Gesundheit erhalten, zu ihrer eigenen Freude um Selben, zur Freude ihrer hochgeschätzten Angehörigen und zum Ruhm und Stolze der Wiener Judenschaft. Rudolf Kran s, Amtsleiter. der Juden ein wenig besser zu gestalten. Auch das Tolüranzedckkt Kaiser Josefs 11. und die Weltherrschaft Napoleons brachten den Juden eine erhebliche Erleichterung. Im großen ganzen hat aber der Antisemitismus von dem Augenblicke an, wo er sich stark genug suhlte, die Juden besudeln und quAen zu können, trotz der in allen zivilisierten Staaten Angeführten Gleichberechtigung bei den Deutschen tatsächlich bis heute ohne Unterbrechung fortgeblüht. Scheinbar verschwunden und nur in Einzeb fällen ein Lebenszeichen gebend, rast er .bei der gering st en Veranlassung, alles mi t sich reißend, wie eine Epidemie über weite Strecken d a h i n. Gibt es doch noch heute im 20. Jahrhundert Antisemiten, unter denen natürlich wieder gewisse Priester obenan stehen, welche die Juden, ein Volk, das den geringsten Prozentsatz an Mördern liefert, sogar des Mordes zu religiösen Zwecken zeihen. Angesichts eines solchen Blödsinns, der überdies, mit Ernst und Würde vorgetvagen wird, muß doch jeder ehrlich denkende Mensch bis. in sein tiefstes Innere empört sein. Ja, ihr superklugen Herren, warum, hat es noch nie euer Befremden erregt, «daß von den vielen Hunderttcmsenden Juden, die zum Christentum übertreten, kein einziger als Grund hiefür den Ritaulmord anführt und ^auch die Ausführung eines solchen nachweist? Der Nachweis einersolchen Beschuldigung müßte doch jedem Proseliten sehr willkommen feilt, da er seinen Uebertrvtt, «ckn Akt, der nicht «als besonders ehrenhaft aufgefaßt wird, vollkommen rechtfertigen würde. (Fortsetzung folgt.) Der vulkanische Boden des Lelligen Landes. Die vierte Jährnng der gepriesenen Balfourdeklaration, die «den Juden die gesetzlich geschützte Heimstättie im Palästina verbürgte, wurde in Jerusalem blutig begangen. Antisemitische Araber rotteten sich in Massen zu Raub, Mord und Plünderung zusammen. Nach dem offiziellen Bericht sollen 5 Juden und 1 Araber den Tod gesunden haben, 32 Juden und 16 Araber wurden als schwer verwimdet gezählt. Dieses Zahlenverhältnis läßt Schlüsse aus die Stärke der Angreifer und der Angegriffenen zu. Die amtliche Meldung spricht nur von Unruhen, wo es sich in Wahrheit um einen Ausbruch des Bürgerkrieges handelt, der periodisch einsetzt wie Erdbeben auf vulkomifchem Boden. Nur mit dem Unterschiede, daß «in elementarisches Ereignis sich jeder Berechnung entzieht, während die jüngsten Bluttaten, nach übereinstimmenden Berichten, aus mancherlei Anzeichen mehrere Tage vorher prophezeihr wurden. Die berüchtigte „Morning Post", stets auf Sette der judenfeindlichen Araber und der gleichgesinnten palästinensischen Beamten, hatte durch ihre HetzartKel schon früher die Gemüter erregt und bearbeitet. Was chatte die Regierung, beziehungsweise Herbert Samuel angesichts der drohenden Gefahr tun sollen und müssen? Mindestens jene Ondnun-gstrnppen bereit halten, die stark genug gewesen wären, die blutgierigen Moslrms im Zaume zu halten. Geschah dies nicht, dann ist der Oberkommissär Sir Herbert Samuel eines furchtbaren Versäumnisses schuldig; hat er den Gouverneur S t 0 r r s, dessen Juden feindlichkett chm nicht unbekannt sein konnte, di« Exekutive übertragen, also dem Bock zum Gärtner gemacht, so wäre dies nach der politischen Wertung mehr als ein . Verbrechen, es wäre ein Fehler und man könnte mit dem gleiche Rechte die Entfernung des Oberkommissars fordern,