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Die Wahrheit · 1921-11-10 · Heft 22 (10.11.1921) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 22 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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M*,.m M i r WO.AM G1L Sckt» LH WWMW Vermischtes sUWSZ! Leopoldstädter Gememdetempel, Freitag, den 11. d., findet im neueröffneten Tempel um 5 Uhr nachmittags ein Gottesdienst mit Predigt statt. Hochzertsfeier. Als Hochzeitsgasr der Familie Hacker aus Gainsarn hatte ich am 1. Noverniber 1921 das erstemal Gelegenheit, das neue herrliche Gotteshaus in der Pazmanitengasfe zu bewundern. Ich trat in das in hellem. Lichte strahlende Heiligtum, in welchem gerade das Minchagebet verrichtet wurde. Nach dem Gebete schritten die Funktionäre, in wallende Tallis gehüllt, gefolgt von dem Bräutigam Herrn Igo Hacker, Sohn des Ehepaares Herrn Jakob Hacker und Frau Laura geb. Machlup, langjährigen Prokuristen der Firma Th. Jakob Neu rat, und den Gästen, Herrn Kultusvorsteher Sig. Bondi und E. Neu rat, der '-Beamtenschaft der Firma, den Freunden und Verwandten zum Trauhimmel, wo die Braut, Fräulein Käthe Seid l e r, Tochter des Herr' Wilhelm Seidle t und Frau Anna geb. M o rg e n st e r n, mit den Damen harrte. Nachdem der Rabbiner in einer herzlichen Ansprache das Brautpaar ermahnte, in den Wegen ihrer frommen Eltern zu wandeln, indem er darauf verwies, daß ihnen die Elternhäuser, wie auch das vornehme Haus Bondi als Musterbilder frommer Häuser dienen könne, in welchen gesetzestreues Judentum mit geläutertem Geschmacke harmonisch vereinigt sei, wurde die Trauung nach altsüdischer Sitte vollzogen und die. Segenssvrüche von Herrn Oberkantor Giblichmann mit schöner Stimme voraetragen. Auf die.Gäste machte die Trauung einen tiefen Einduck.' Sie hatten die Empfindung, daß in diesem schönen Gotteshaus dem Prinzipe gehuldigt werde, welches dem Brautpaare in der Ansvrache ans Herz gelegt wurde; das alte gesetzestreue Judentum mit modernen Formen harmonisch zu vereinigen. Simckwstorafeier des Brautausstattungsvereines für Töchter jüdischer Kleingewerbetreibender, 2. Bezirk. Große Schiffaasie Nr. 3. Ms Nachfeier zum Simchastorafest veranstaltete der -erst vor kurzem ins Leben gerufene, äußerst rührige Verein „Hachnoffas Kalloh" am Samstag, den 29. Oktober 1921, im Festsaal des Hotel Kontinental eine Akademie mit anschließendem Tanz, die in allen Teilen als höchst gelungen bezeichnet werden darf. Trotz des iMgnnstigen Wetters war der Saal überfüllt. In einer launigen, dem Charakter einer Simchastoraveranstaltung angevaßten Festrede wüMgte Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d die Bedörktung der Mizwoh „Hachnoffas Kalloh", insbesondere die vorbildliche Tätiakeit des „Brautausstattungsveremes", rder, dank dem Eifer des Vorstandes, mit Herrn A. Barschak an der Spitze und der Umsicht des unermüdlichen Sekretärs Herrn M. A v t e, schon achtungswmte Leistungen auszuweiseu hat. Die dankbarste Aufnahme fanden die von Herrn Professor B r a s l a w s k y mit bekannter Bravour begleiteten Gesangsvorträge der Herren Str.yks und "Reich lStaatsoper). Nicht endenwollender Beifall emittierte die mit prächtigen Stimmitteln davAeLotMen U-assischen Piecen. Mt feinem Verständnis trug Herr Oberkantor Kau fmä n n jüdische Volkslieder vor. Ebenso geschmackvoll ansgetvählfcharen die Rezitation sprvben, mit denen Fräulein Grete Bach die Hörer entzückte. Die richtigen Seiten im Herzen des Publikums wußte auch Frl. Lisl Sturm (Simplicissiinuss mit ihren Kunftprvben anzuschlagen. Ihren Höhepunkt erreichte die Stimmung durch den sonnigen Humor den Herr Eugen Strehn verzapfte. An dieses Festprogramm reihte sich ein von Herrn Rudolf H e i m a n n arrangiertes Tanzkränzchen. Die Musik bestritt das Orchester des Carl-Theaters. Ilm das glänzende Gelingen des Abends hat sich Herr Max S chw ag-er, als artistischer Leiter, ganz hervorragend verdient gemacht. Mgemein wurde der Wunsch nach recht baldiger Wiederholung einer solchen gelungenen Veranstaltung laut. Personalvachrichten. Dem Feldrabbiner i. d. R. Rabbiner und Religionsprofessor Dr. Bernhard Templer, Mitarbeiter der Jewish Encyclopädia, wurde für noch während des Krieges erworbene Verdienste nachträglich das Ehrenkreuz zweiter Klasse vom Roten Kreuz mit der i Kriegsdekoration verliehen. Der 'bekannte Schriftsteller, der 13 Schriften und eine stattliche Reihe von Aussätzen; in 'der Fach- und 'der Tagespvesfe veröffentlicht hat, wurde! bei Ausbruch des Krieges mit der Militärseelsorge in der Garnison Wien auf Kriegsdauer betraut, und meldete sich noch im Jahre 1914 freiwillig zum Frontdienste, wo er 13 Monate verbrachte. Demnächst erscheint von Rabbiner Dr. Bernhard Templer eine größere Arbeit auf exegetischhistorischem Gebiete. Das Vonstandsuntglied des Kautorenoereines, Kantor Heinrich Kühne r, feiert am 12. d. M. sein 25iähriges Kantorenjubiläum gleichzeitig seine silberne Hochzeit. Außerdem sind es 15 Jahre, seit der Jubilar im Teinpel des 13. Bezirkes wirkt. Zahnarzt Meid. Univ. Dr. Viktor W e i tz m a n n ordiniert ab 7. d. 1. Bezirk, Kohlmmarkt Nr 22, Eingang Herrengasse Nr. 2. Telephon 66157. ' Zur Wiedereröffnung des Leopoldstädter Gemeindetempels. Dem Wunsche der Leopoldstädter Betgemeinde entsprechend soll der kürzlich wiedereröffnete, im übrigen aber noch lange nicht vollendete Tempel, nicht, wie es anfangs hieß, bis zur vollständigen Wiederherstellung gesperrt, sondern fortlaufend für die Gottesdienste an den Freitagabenden und Sabbaten geöffnet werden. Allerdings dürsten hiebei wohl für die Bauleitung als auch für das Publikum einige Unannehmlichkeiten mit in den Kauf zu nehmen sein. Sie werden aber «durch die Notwendigkeit ausgewogen, die in der jahrelangen Unterbrechung des Gottesdienstes zerstreute Gemeinde allmählich wieder zu sammeln und dem Gotteshause zurückzugewinnen. Daß an den vergangenen Feiertagen die Nachfrage nach Betsitzen aus Mangel an Plätzen zu einem erheblichen Teil nicht befriedigt werden konnte und das Haus restlos besetzt war, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß in erster Reihe jedem Tempel ein Stammpublikum nottut, das auch an den Sabbatgottesdiensten teilnimmt. Erst dadurch wird der Bestimmung des Tempels entsprochen und den unsäglichen Anstrengungen um seine Wiederherstellung Rechnung getragen. Der imposante Anblick des überfüllten Gotteshauses vor dem Brande muß Wiederkehr en. Die Frage, wie dieses Ziel zu erreichen, beschäftigte dieser Tage in einer unverbindlichen Besprechung einige Mitglieder des Aktion^omitees für den Wiederaufbau des Tempels. Es wurde mehrfach die Ansichc vertreten, daß es Aufgabe dieses Komitees sei, einen Stab von etwa zwanzig bis dreißig Bötsitzinhabern zu bilden, die .sich ernstlich bemühen müßten, eine würdige Betgemeinde bilden zu helfen. Das Beispiel so vieler in voller Blüte stehender Bereinsbethäuser könne nur ermutigend wirken, ebenso sei alles aufzubieten, um der- Gottesdienst auf der Höhe zu erhalten. Allgemein wurde es als ein dringendes Erfordernis anerkannt, ein übriges zu leisten und kein Opfer zu scheuen, um dem Tempel im Rahmen

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