Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 22 (10.11.1921)
- Date
- 1921-11-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063925--11505-3078912- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hem Iß _. %*ii‘Äe'l'tl^i -. _. .. . . . _ - Är. ii Taufend aus Len Mittelschulen -ausgeschlossen sind. Nur ein kleiner Bruchteil befand sich in -der materiellen Lage, dir Studien im Auslande fortsetzen zu können, die übrigen welk-sn nach der langen Reihe der auf den Schlachtfeldern verbrachten Jahre, verwundet, invalid, körperlich und geistig dahin und wißen nicht, was zu beginnen. . . . Wir müssen nicht nur das ungarische Judentum, sondern auch das Judentum des ganzen Ostens,' das unter Den.Kriegen, den "blutigen Revolutionen und den fürchterlichen Pogramen so sehr gelitten Hat, sowohl für die Wissenschaft als auch für das Judentum und die ganze Menschheit erretten/' Der Art'LelschreLer fordert die Reorganisierung des jüdischen Unterrichtes von den Kindevasylen und Kindergarten angesangen bis hinauf zu den Hochschulen und als Krönung dieses Werkes die Errichtung einer -orientalischen indischen Universität. „Ihr Großen Israels, ihr Führer des Judentums," — ruft Dr. Szekely den leitenden Kreisen zu — reichet euch ohne Unterschiä, der Parteischattierung die Hände und eure unermüdliche Güte und Weisheit wird nicht nur das Judentum Ungarns, sondern auch das Judentum des ganzen Ostens für die Wissenschaft, für die Zukunft rotten. Sendet mit vereinter Kraft ein Komitee nach Amerika, besuchet dort die Weltstädte, sammelt das Judentum Amerikas zu einer großen Propaganda in eine große Organisation zusammen, um hier in Ungarn, sozusagen im Herzen Europas, wo Oft und West einander die Hände reichen, unter idem Protektorat der Amerikanischen Union von den jüdischen Kindergärten bis zur orientalischen jüdischen Universität Schulen zu errichten, in denen in erster Reihe unsere heiligen Lehren gelehrtt werden, und dann auch allerlei Schulen für Wissenschaft, Technik, Volkswirtschaft, für die Industrie und den Handel. Es ist meine heilige Üoöerzeugung, daß die Millionäre und Milliardäre Mrerikas, Juden und Nichtjuden, gleichmäßig die vielen für eitlen großen Weltteil unter dem Protektorat eines anderen großen Weltteiles eine große orientalische jüdische Universität errichtet werden könne. . . . Ungarische jüdische Herzen, du großes begeistertes Jmrentüm Amerikas, euch ruft das bedrängte wissensdurstige Judentum des Ostens um Hilfe, um Opferwilligkeit an!" In hohem Grad erwähnenswert ist es, daß dieser schwungvolle Ausruf auch im Herzen von Nichtjuden Widerhall und Hilfsbereitschaft gesunden hat. So spendete ein Debrecziner Bürger, der sich als guter Katholik, aber entrüstet über das den Juden zugesügte Unrecht Lezeichnete, seine entbehrliche Habe von 11.000 Kronen für den Zweck der Errichtung einer jüdischen ungarischen Universität, hoffend, daß sein Beispiel in den Kreisen ähnlich fühlender und denkender Christen Nachahmung finden werde. Tempelinfpektor Max Schwager erhielt anläßlich seiner. Ernennung von dem Begründer der „Wochenschrift" Dr. Joseph S. Bloch folgende ehrende Zuschrift: Lieber Herr Schwager! Zu meiner hohen Genügtuung vernehme ich von Ihrer Ernennung zum Tempeldirektor für die große Synagoge der Leopoldstadt und ich will es mir' nicht versagen, Ihnen zu dieser Ernennung herzlichst zu gratulieren. Ich kenne aus vieljähriger Erscchrung Ihre Tüchtigkeit, Ihren Fleiß, Ihren Pflichteifer und Ihre Gewissenhaftigkeit, die Sie in dex langen Zeit Ihres Wirkens bei der „O^terr. Wochenschrift" vorbildlich befindet haben. Sie fmb wie kein zweiter für den Posten qualifiziet, für den Sie berufen werden, so daß auch die israelitische Kultüsg«neinde zu dieser Wähl aufrichtig zu beglückwünschen ist. Da kommt einmal ein Mann auf den richtigen Posten. ML dein Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung und besten GWen dJsschP G: B l v chr -' iiiiWiiiiii Rosircketz mit MandLen, aus der Volksliterateur der Ostjuden gesammelt von Dr. I. Olsv ang er. Basel, Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde, 1920, 298 Seiten, 15 Franken. — Das gejchmactooll ausgeftättete Buch bietet eine vortreffliche Einführung in die Folklore der Juden des" europäischen Ostens, insbesondere Litauens. Die Märchen, Schnurren ured Schwante, unter denen'uns freilich manch alter Bekannter anderer Herkunft in jüdftcher Einkleidung, unter anderem auch der jüdische Eulenspiegel, bald als Herschöl Ostropoler, bald als Efraim Greroinger, begegnet, bilden auch für den nicht wissenschaftlich Jniecesfrerten eine Fülle köstlichen Humors. Wir finden in diesem Werke viel Wertvolles, was Huer zum erstemnale veröffentlich: lvird. .Eure Dange, aber instcuttwe Einleitung und praktische Worterklärungen erleichtern das Verständnis des Buches, für das der Schweizer Gesellschaft für Volkskunde auch an dieser Stelle Dank gebührt. Karl Noetzel: Einführung in den russischen Roman. Musarion-Verrag, München. Eine deutsche Doktorschrift mit allen Vorzügen und Fehlern einer solchen. Im Bestreben nach gründlicher Tiefe gerät dem Verfasser der ütojf in die Breite, verzweigt und verästelt sich, bis der russische Roman, dem eigentlich die Arbeit gelten soll, aus em Rsbengeleise geschoben wird und weit mehr von der russischen >2vele, Geistesart und Weltmisiion die Rede ist. Ikoegel. bekennt, daß er mit diesem Buche ein Ragout aus eigenem Schmaus, vorhergegangenen Arbeiten, gebraut hat. Was am Ende kein zu arger Fehler, wenn er nur bei der Stange geblieben wäre, anstatt den Roman dürftig genug abzusertigen. Das Führeramt fehlt gänzlich, um ^oljwi und Do>wjewski hat Noetzel das Gerüst errichtet, an dem sich persönliche Anschauungen emporranken. Die beiden großen Dichter sind ihm Nicht nur repräsentativ für den russischen Roman, sondern identisch mit selbem. An den bedeutenden Erscheinungen der vorhergegangenen und späteren Zeit geht er vorüber. Man wird schwerlich mit Noetzel die Meinung teilen, daß Religion und Mystik Nährboden der russischen Kunst geben. Vielleicht wird May mit der Erklärung der Wahrheit nahe kommen, daß zwei andere Faktoren bestimmend waren: Der schwermütige, sehnsuchtsvolle-Geist der Steppe und der Schrei -eines seit Jahrhunderten geknechteten Volkes. Dafür sprach auch Alexander Herzen, den Noetzel zitiert: „Wenn der Russe sich von seinen Fesseln befreit, wird er der allerfreieste Niensch in Europa seist. Was kann ihn aufhalten? Die Achtung vor seiner Vergangenheit? Rußlands neueste Geschichte beginnt ja gerade mit der vollständigen' Lossagung von allen. Ueberlieferungen." Wozu man bemerken könnte, daß die ällerneueste Geschichte Herzens Traum von der russischen Freiheit Lügen straft. Noch hat niemand die Rätsel der furchtbaren Sphinx gelöst, die über zwei Erdteile hingestreckt, den Westen bedroht. Noch ist Europa weder republikanisch, noch kosakisch, wie der große Napoleon prophezeite. Nehmen wir es, also nicht übel, wenn sich auch. Herr Karl Noetzel manchmal irrt. " g-d. Itine in der Blindenschrift (Vollu. Kurzschrift) sehr geübte Frau übernimmt Übertragungen. in die Blindenschrift. Adresse erliegt bei Herrn Dr. Weiss, Wien!!.»~ ■ — Czerntngasae S&:-• l 485348025323480248