Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 22 (10.11.1921)
- Date
- 1921-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seit« 10 Dir Bft jgilfl ohne beftMwgenöe Lösung keine Ruhe in der GemÄndestube herrschen werde, Huben wir ein ungefähres Zukunftsbild von der „Tätigkeit" der zionistischen Vorstand smitgliÄ>er, wenn auch darob der Zusammenbruch eintreten müßte. Der Schluß der Rede war eine offene Kampfansage an Ne Majorität und der traurige Juristenspaß, daß die famose letzte Sitzung (die von uns seinerzeit ge-. schilderte „Nachtvorstellung") nicht zu Ende sei. Nur so fortl und Ne Herren Iüdvschnationalen werden sahen, wohin sie mit solcher Drktik kommen und wie sie bei den nächsten Kultuswahlen abschneiden werden. Gesinnung als Lockmittel. Der unter großem Skandal erfolgte Zusammenbruch der Köhnschen Sport-Bank in. Berlin erinnert durch seine im Verborgenen, treibend gewesenen Kräfte an ein ähnliches Schwindelunternehmen anfangs der Siebziger Jahre im vorigen Jahrhundert. Es war die mit schönen Erwartungen begrüßte Dachauer Bank, die.von der berüchtigten Adele Spitzeder ins Leben gerufen wurde. Hat sich der biedere Metzger Kühn durch deutschnationale Schneidigkeit in der Hakenkreuzgemeinde Ansehen und Vertrauen verschafft, so war die wenig bekannte kleine Schauspielerin Frl. Spitzeder beflissen, als gute Katholikin das Vertrauen und die Geldeinlagen gesumungsähnlicher Lcmdslmte zu gewinnen. Der Erfo^ überstieg alle Erwartungen. Banknoten, Gold und Silber häuften sich in den Kellern der Bank, um bald darauf eine Transformation in Zinshäuser, Villen, Equipagen und kostbarsten Schmuck zu erfahren. Die Herrlichkeit dauerte kaum zwei Jahre; während dieser Zeit hatte die „fromme" Presse Bayerns der Schwindlerin die Mauer gemacht und Zutreiberdienste geleistet. Der Riesenkrach verschlang viele Millionen Mark, wie bei dem biederen Herrn Kühn. Die Spitzeder mußte drei Jahre Kerker verbüßen. Herrn Kühn schlummert ähnliches i-m Zeitenschoße. Präsident Hardiugs Ansicht über die Juden. Aus New-N^rk wird Mls berichtet: Präsident Harding hat anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes in der New-Dorker „Jewish Tribüne" folgenden Glüawunsch veröffentlichen lassen: „Anläßlich des. Rosch-Haschana-Feftes ist es mir ein Vergnügen, meine Glückwünsche und meine aufrichtige Gesinnung für die jüdische Bevölkerurig in den Vereinigten Staaten und ihre Glaubensgenossen in der ganzen Well zum Ausdruck zu bringen. Wir können uns nicht oft genug der großen Dienste erinnern, die das jüdische Volk der Welt bewiesen hat und noch beweist. Es ist ein angenehmes Gefühl, zu wissen, daß wir in einer Zeit leben, in der veraltete Vorurteile beinahe verschwunden sind, und daß die N ü tz l i chfeit des jüdischen Volkes für die ganze Menschheit gerade, durch diese Erkenntnis zusehends zu nimmt." Gewiß darf jeder Jude in der neuen wie allen Well von den. ehrenden Worten des Präsidenten Harding mit lebhafter Genugtuung erfüllt sein, aber ebenso lebhaft bedauern, daß sie über dem Ozean so wenig Resonanz finden. Wer von den Großen und Gebietenden Europas erinnert sich oder will daran erinnert werden, daß die Juden der Well große Dienste erwiesen und daß Duldung und Schonung des Dankes geringste Pflicht wäre. Ein schöner Wahn Hardings ist es auch, daß wir in einer Zeit leben, die veraltete Vorurteile gegen die Juden beinahe zum Verschwinden brachte. Der von den Schveckniffen der Not und des Hasses zerwühlte Kontinent bringt vielmehr täglich neue Beläge zur Leidensgeschichte der Juden, zu dem himmelschreierchen Unrecht, das gegen sie begangen wurde. Ntz LS KW Bon Nah und Fern |pjij Mexiko kein „gelobtes Land". Die New-Yorker Hauptzentrwle der „Hias" hat bekanntlich vor einer gewissen Zell eine Kommission nach Mexiko entsandt, um zu prüfen, welche Möglichlellen dort für eine jüdische Einwanderung bestünden. Die bereits nach New-Aork zurückgekehrte Kommission hat über ihre Ermittlungen einen längeren Bericht überreicht, worin sie nach allselliger Behandlung der Bedingungen, sowohl der ökonomischen, wie auch der politischen, zum Schluffe kommt, daß Mexiko für eine jüdische Einwanderung nicht günstig fei, und daß die. jüdische Emigranten davon Abstand nehmen sollen, dorthin zu gehen. Was andere Länder betrifft, wie zum Beispiel Kuba, darüber wird die „Hias" demnächst ein-, spezielles Communiqu6 veröffentlichen. Das Studienergebnis betreffs Kuba dürste kaum einladender lauten. Mexiko, Kuba und alle Länder, die seit Jahrhunderten sich mit spanischer Kultur vollgesogen, waren und sind voll des ausgesprochensten Raffenantisemitismus, an dem kein Regierungssystem etwas ändern kann. Die Bolksschulftiftung des Baron Hirsch. Der bekannte jüdische Philantrop Baron Moriz Hirsch hat von seinem Riesenvermögen außerordentlich große Zuwendungen für jüdische Humanitäts- und Knlturzwecke gemacht, darunter auch 12 Millionen Francs für jüdische Volksschulen im ehemaligen Galizien und der Bukowina. Der Weltkrieg hat diese Länder politisch-geographisch verschwinden lasten und mit ihnen auch die aus dem genannten Betrage errichteten Schulen. Sie sind untergegangen in dem entsetzlichen Oftjudenelend und nun wirp die Forderung erhoben, daß der Stistungsfouds, der einen Wert von 150 Millionen polnischer Mark ergibt und in Wien' bei der österreichischen Regierung erliegt, seniem ursprünglichen Zwecke zugeführt und das Kuratorium nach Polen vrlegt werden soll. Dieser fromme Wunsch begegnet nur darin der Hauptschwierigkeit, daß die bekannt judenfemliche polnische Regierung für diesen Plan schwer zu haben sein wird, abgesehen von der Frage, ob die ebenfalls nicht .gerade philosemitische österreichische Regierung geneigt sein wird, die 150 Millionen herauszugeben. Jüdische Flüchtlinge aus dein Burgenlande. Die Bandeninvasion in Eisenstadt trieb einen großen Teil der dortigen Bevölkerung aus der Heimat, welcher größtenteils hier in Wien Zuflucht sucht. Dank einer Aktion des Ministeriums für Inneres, sind diese Flüchtlinge mit Notdürftigen versorgt worden: Das Ministerium erteilt jedem dieser Flüchtlinge eine Barnnterstützung in 100 Kronen täglich und überdies eine Anweisung an eine Mittelstandsküche auf Mittag und Nachtmahl: Die auf rituelle Kost reflektierenden Juden hatten selbstverständlich von dieser letzteren Unterstützung keinen Gebrauch machen können und wandten sich an die AgudaS Jisroel um Hilfe. Die Agudas Jisoel speiste diese Flüchtlinge am Tage der Intervention auf eigene Kosten aus, intervenierte aber gleichzeitig im Bundesministerium für Inneres. Dank der. Einsicht, der in Ministerium mit dieser Fürsorge betrauten Herren Bezirkshauptmann A l z n e r und Pilz, gelang es dem Vertreter der Agudas Jisroel den jüdischen Flüchtlingen rituelle Kost zu verschaffen, und zwar m der Weise, daß die jüdischen Flüchtlinge von nun ab seitens der Fürsorgeaktion des Ministerium Anweisungen an ..die Agudas Jisroel, anstatt wie bisher an die GemLinschastsküche erhalten werden. So werden die jüdischen Flüchtling« jetzt in der Mittelstandsküche E i n h eit■ ausgespttst.