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Die Wahrheit · 1921-11-10 · Heft 22 (10.11.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 22 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Mi« ««tz--.il S-ii- - Wahrheiten vom Tage H > -q=r~8 Schöne Wirtschaft! Die Zustände rm Lainzer Ver; sorgungshaus haben schon, einige Male die OessentiichLeü j in nichts weniger als 'erbaulicher Werse beschäftigt. Die j beiden Parteien der städtischen Verwaltung schoben « einander die Schuld an den -verrotteten Verhältnissen in! diesem der Humanität gewidmeten Hause zu. Bei dieser i Katzbalgerei waren wieder einmal die Chrrsttichsozialen - oben und droschen auf die unter ihnen liegenden Sozialdemokraten. Ein schmaler Ausschnitt, aus den kürzlich abgesührten Geme.iüdevaMöbMen soll die saubere Wirtschaft? im Lainzer Versorgungshaus illustrieren. Zum Worte hatte s sich der Stadtrat Rum m e l h a r t gemeldet. Er schilderte j den Terror, den der Betriebsrat Neubauer gegen miß-! lisbige Personen verübe und kam dann auf folgende j Episode: Auch geigen den Inspektor «der 'städtischen Hum-aniz tätsanstalten Generalstabsarzt Dr. Pick habe sich Neubauer gswenidet. Am 24. Juni habe sich folgendes zugetragen: Dr. Pick sei nach Lainz gekommen, um Buren und Beschwerden entgegenzunehmen. Dies habe dem N e nbauer nicht gepaßt. Er telephonierte an alle Professionrsten in den Werkstätten und befahl ihnen, nicht dorthin zu «kommen, wohin sie Dr. P i ck bestellt hätte. Neubauer sei hingegangen, habe gegen Dr. Pick Stellung genommen und ihn mit Hilfe des Verwalters aus der Anstalt geführt (^geführt" ist wohl ein neuer Ausdruck für hinausgöworsen. D. R.). Es müsse entschiedenst! dagegen protestiert werden, daß solche Zustände geduldet ' werden. Bezüglich Neubauers verlange er, daß der Mann wegen seines terroristischen Vorgehens vorn Dienste suspendiert und in Disziplinaruntersuchung gezogen werde. Stadtrat Dr. Tandler (der frühere Unterstaatssekretär im Gesundheitsamt), der zu den vorgebrachten Beschwerden sofort das Wort nahm, sagte, die vorgebrachten Dinge seren 'chm zum Teil deshalb bekannt, weil er sich bemüht habe, sie in Ordnung zu bringen. Er dulde solche Ausschreitungen nicht, noch heiße er sie gut, allerdings halte er sich an die demokratische Methode bei Iber Abstellung solcher Uebelständv. Er wolle Humanitätsanstalten entpolitisieren, daß dies 'aber nicht an einem Tage gelinge, dürfe niemand wundern. Was den Fall Dr. P i ck anlange, so stehe die Sache so, daß Dr. Pick am Montag in die Anstalt kam und am Tor von einem Betriebsrat erwartet wurde, der ihn bat, wegen der Aufregung der Angestellten die Anstalt nicht zu betreten oder sich wenigstens nicht in die Pavillons zu begeben. Dr. Pick sei zum Verwalter gegangen und habe dort das Ersuchen der Angestellten, in ihrer Mitte zu erscheinen, um sich gleichsam zu rechtfertigen, abgelehnt und habe hieraus ohne Belästigung die Anstalt verlassen. Der Zwist sei bereits vollkommen beigelegt. Im übrigen spreche er die Bitte aus, die Vorfälle in diesen Anstalten nicht zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zu machen, da alle in diesen Anstalten wohnenden Menschen an sich schon einen Komplex von nicht leicht zu behandelnden Menschen bilden. Verweilen wir nur einige Augenblicke bei den Ausführungen Dr. Tandlers, so ergibt sich, daß er «die Anklagen seines Vorredners bestätigen, also den Terror «des Genossen N eub a ü e r zugoben mußte. Ist es wahr, daß Dr. Tandler sich bemüht hat, in die Lainzer Wirtschaft Ordnung zu bringen, dann bleibt es beschämend und besorgniserregend, daß der nächstbeste Genosse diese Bemühungen zunichte gemacht. Es mutz daran erinnert werden, daß Generalstabsarzt Dr. Pick gegen den Wunsch der Chrrstlichsozialen Mann des Bsrtrauens der «ozialdemokrar-n auf den Posten eines Inspektors der städtischen Huinanirälsamtatten berufen wurde, und fetzt müsien die Iben Chrisilichsozialen, die politischen Gegner Dr. Picks, ihn gegen dieselben SoziaDemoFraLen verteidigen. Ist es nicht ein beispielloser Skandal, wenn Dr. Pick — wir folgen nur den Worten Dr. Tandlers — in Ausübung seines Berufes verhindert wivd, Wegerl der Aufregung der Anftairsangesrellten? Worüber haben sich die Leutchen aufgeregt? Vermutlich hatten sie Furcht, der Inspektor könne von den armen Insaßen manches hören, was dem Herrn Neubauer und seiner Garde nicht angenehm gewesen wäre. Wir begreifen die schmerzliche Bitte Dr. Tan d lers, den Lainzer Vorfall nicht zum Gegenstand politischer Erörterungen zu machen. Wir begreifen, daß die Sache dem Unterftaatssekretär a. D. peinliche Erinnerurrgen an jene Zeit erweckt, in der ausübende Kriegsspitalärzte von Arbeiter- und Soldatenräten wörtlich' und tätlich beleidigt wurden, ohne daß man Höherenorts dagegen auszumucken wagte. Seitdem ist aber durch «den Umschwung der Verhältnisse ziemlich viel Wasser in den roten Wein geschüttet worden. Umsoweniger angängig ist es, wenn die Genoffen, die nicht genug aus den Terror der Kommunisten schimpfen können, dem gleichen Fehler verfallen. „Politisieren" wir die Lainzer Wirtschaft nicht, über sie zu 'humanisieren, ist unabweisliche Glossen zum diesjährigen Parteitag der österreichischen Zionisten. Die dreitägigen Verhandlungen boten gewissermaßen einen Nachguß zum Karlsbader Zionistenkongreß: Viel Unstimmigkeiten, kleine Konflikte und AÜzupersönliches. Schon bei den Besprechungen über die Anerkennung der Delegierten begegnete der Antrag Freu d, nur jene Mandatare anzuerkennen, die sich ausweisen, daß sie für den Keren Hajefsod gezeichnet, dem Widerspruch C h a j e s unid S trickers, weil es sich nicht seststellen lasse, ob die Zeichenpflicht erfüllt wurde und wo das Minimum dieser Pflicht beginne.— Abgesehen davon, muß es eigentümlich anmuten, daß eine Partei, die bei der Forderung des allgemeinen Wahlrechtes der Kulmsmitglieder von jeder Gelbleistung absieht, an die Börse ber Parteiangehörigen appelliert, wenn es gewisse Zwecke gilt. Nichtsdestoweniger wurde «der Antrag Freud angenommen. Bei der Wahl in den Permanenzausschuß stellten sich die Befürworter des Proporz in den Schmollwinkel. Allerlei erfreuliches hörte man bei den verschiedenen Referaten. So klagte S ch a l i t, in Besprechung der politischen Lage, über das Unwesen der GeHeimdiplomatie im Zionismus, ferner über 'die Wandlung Herbert Samuels, -der es unterlassen, mit der Militär- Partei und gewissen englischen Beamten aufzuräumen. Redner bezeichnet als das wichtigste die freie, unbeschränkte Einwanderung. In seinem Bericht über den Jüdischen Nationalfonds rügt Weisl, 'daß «dieser Fonds zum „Spielball", unter den einzelnen Gruppen des Zionismus gemacht wurde. Den breitesten Raum forderte die zionistische Anklage gegen die Wiener KultuSgemeinde ein. Hier trat Dr. Ehrlich als Sprechwart aus. Bon den letzten Wahlen ausgehend, erklärt er sich gegen das „reaktionäre" Verhalten der Vorstandsmehrheit. Betreffs der sogenannten Tätigkeit der gewählten Zionisten meinte Dr. Ehrlich, daß für sie bestimmend die trostlose Finanzlage war, die angetroffen wurde und sich seitdem furchtbar verschärfte (vielleicht als Folge der passiven Resistenz der zionistischen Vor-, standsmitglieder. Die Red.). Ein gedeihliches Zusammenarbeiten hange von dem Jrrslebentreten der geforderten Wahlreform ab, nachdem aber dieses Junktim ganz unmöglich ist und Dr. Ehrlich ausdrücklich veistcherte, daß!

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