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Die Wahrheit · 1921-11-10 · Heft 22 (10.11.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 22 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Heile ¥ Dir Nr. SS Kindergemüt zu pflanzen. Die Besprechung der Leidensgeschichte Jesu bot ihm selbstredend vollauf Gelegenheit hiezu. Wer noch nie einem solchen Unterricht angewohnt hat, kann sich unmöglich eine Vorstellung machen, in welch aufreizender Weise «derselbe mitunter erteilt ward. Der Stoff wurde so lebhaft, packend und ergreifend vorgebracht, daß die gesamte Schuljugend in Tränen zerfloß. Die Juden kamen natürlich so schlecht als möglich dabei weg. Und dann kam die Wiederholung des Stoffes an die Reche. Hir zeigte sich unser Katechet als seltener Meister in der Züchtung des Judenhasses. Mit einer vor Rührung vibrierend een Stimme begann er ungefähr also: Wer hat Jesu viele Mühseligkeiten und Drangsale bereitet? Wer hat Jesu geschlagen und verwundet? Wer hat chn verachtet und verspottet? Wer hat Jesu verlästert und verleumdet? Wer hat Jesu aus Kreuz geschlagen? Wer hat chn also getötet?*) Auf jede «dieser Fragen antwortete die gesamte Schuljugend in steigender Erregung: „Die Juden!" Der Vortrag war in der Regel von so nachhaltiger Wirkung, daß die katholische Jugend es noch nach Wochen für chre heiligste Pflicht hielt, den. Tod Jesu an chren jüdischen Mitschülern zu rächen. Dieser Priester der Religion der Liebe hütete sich wohl, durch irgend ein Wort, wie zum Beispiel: „Kinder, die heutigen Juden sind an dem Tode Jesu unschuldig, oder: Jesuse befahl, unsere Feinde zu lieben, denen wohlzutun, die uns hassen, für die zu beten, die uns beleidigen und verfolgen usw., den unauslöschlichen Haß, den sein Vortrag in das Herz der Schuljugend gepflanzt hat, abzuschwächen. Es muß jedoch bei dieser Gelegenheit wahrheitsgemäß hervorgehoben werden, daß sowohl im Katechismus als auch im Evangelium und in der biblischen Geschichte das Leiden Jesu in einer ruhigen, leidenschaftslosen Sprache geschildert ist, indem hier nur auf die von Pharisäern und Schriftgelehrten, Priestern und den Aeltesten des Volkes verführten und aufgehetzten Juden hingewiesen wird. Wir fühlen uns ferner verpflichtet, zu konstatieren, daß es auch Unter den Katecheten sehr viele rühmenswerte Ausnahmen gibt, Katecheten, die in wahrhaft toleranter Werse, also ganz im Sinne des Erlösers, in der Schule wirken. Wir glauben hiemit die Quelle, aus der der Judenhaß seit Anbeginn des Christentums bis auf den heutigen Tag hervorsprudelt, genügend beleuchtet zu haben und gelangen nun zu den Konsequenzen, die diese ewige Verhetzung für die bedauernswerten Juden, welche trotz Not und Jammer ihre Bedrücker an ethischem Wert überragen, im Gefolge hatte. Es ist eine heute allgemein bekannte Tatsache, daß geistge oder körperliche Eigentümlichkeiten der Vorfahren bei den Nachkommen in mehr oder'minder starkem Grade wieder austreten. Ewald Hering (Ueber das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der organisierten Materie) erklärt die Erblichkeit als eine Art Gedächtnisfunktion der Materie, durch welche der organische Keim befähigt werde, nach dem biogenetischen Grundgesetz immer dieselbe Entwicklung zu wiederholen, welche seine Ahnen durchgemacht haben. Auch hier stärke die öftere Wiederholung dieses Weges (Hebung) «die Sicherheit des Gedächtnisses. (Fortsetzung folgt.) *) Bekanntlich waren damals die Juden römische Untertanen und als solche nicht in der Lage, ein Todesurteil zu fällen, geschweige zu vollziehen. Auch war die Kreuzigung niemals bei den Huden, wohl aber damals bei' den Römern in Anwendung. Jüdische Motive in der Weltliteratur. Ein Beitrag zur vergleichende» Literaturknade. Vgl. 2. B. Mose 30, 18. Verfertige dir einen upfernen Becken samt kupferner Röhre und stelle ihn zwischen das Strstszelt und dem Altar und gib Wasser in dasselbe Es ist naheliegend, daß auch der heute noch in Synagogen und Kirchen gebräuchliche Waschbecken auf dieses biblische Gebot zurüageht. Doch unterscheiden sich die letzteren von jenen, daß sie frei und offen stehen, während die Waschbecken der Tempeln entsprechend der biblischen Satzung mit einer „Röhre" versehen sind. Die Vorteile dieser letzteren in hYgienischer Hinsicht liegen auf der Hand. * M a k a r i a, Herkules' Tochter, Menökeus, Kreons Sohn, Pelopidas' Tochter wurden geopfert zum Gelingen und Erfolge der Schlacht. (Plutarch, Pelopidas, S. 132.) Vgl. Richter, Kap. 11, 29 f. Jephtas Tochter. Bezeichnend aber ist die Schilderung der Bibel über das Geschick der Tochter Jephtas. Sie breitet den Schleier des Dunkels über dasselbe, erwähnt jedoch mit keinem Worte, daß sie tatsächlich geopfert wurde. Vielmehr ist im Sinne des Verses 39 a. a. O. anzunehmen. daß ihre Opferung ein ewiger Jungfernstand war. Pelopidas Tochter jedoch entging nach dem Spruch des Wahrsagers Dheokritus gänzlich der Opferung, indem Vieser eine zufällig der Herde entlaufene Stute schl-auerwerse in das betreffende Gelübde hineindeutete. Ebenso listig und zweideutig lautet eine andere Deutung des Orakels, betreffs eines Schoßhündchens, welches der Jungfrau voranlief. (Siehe gleichfalls Plutarchs Lebensbeschreibungen.) Dem humanen Geiste der. Bibel aber entspricht es, daß Jephtas Tochter wohl nicht der Opferung, aber dem Tode entgeht; vgl. Jscvks Opferung, Achans Strafe usw. Damit fallen alle Hypothesen in sich zusammen, die auf einer angeblichen „Mmjchenopfernng des alten Israel" beruhen. (Bgl. Ghilliany: „Die Menschenopfer des alten Israel.") * Da die Priester es nicht für ratsam hielten, daß Sulla sie (seine sterbende Gattin Metella) besuchte oder sein Haus durch eine Leiche verunreinigen ließe, schrieb er ihr einen Scheidebrief und gab Befehl, ste noch lebend in ein anderes Haus zu bringen. Plutarch. Sulla, S. 221.) Bgl. 3. B. Mose, Kap. 21, B. 1 ff, wo gleichfalls daS Verbot an die Priester, cm Leichnamen sich verunreinigen, sich findet. Doch unterscheidet sich das biblische Gesetz darin, daß «die Gattin zu jenen Verwandten gehört, an deren Leichnam der gemeine Priester Hand anlegen «darf; s. Jsbamoth, 22 b: ki im lifch'erv: sch'ero fu ischto... Vgl. auch den Scheidebrief, den der Hohepriester seiner Gattin vor Antritt seines Sühnedienstes am Versöhmwgstag geben mußte. (Joma 2 a.) * ...Dagegen übertrat er (S ulla) das von ihm selbst gegebene Gesetz, wodurch der Aufwand bei Leichenbegängnissen eingeschränkt wurde und sparte bei der Beerdigung der Metella keine Kosten (s. Plutarch a. a. O.). Bgl. das vom Nass! Rabban G a m a l i e l erlassene Gebot gegen den Luxus bei Leichenbegängnissen. Doch hielt es R. Gamaliel im Gegensätze zu Sulla mit seinem Gebot als erster sehr ernst, mdem er mit gutem Beispiel f ■ S ,, >■ | 5.1 %

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