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Die Wahrheit · 1921-11-10 · Heft 22 (10.11.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 22 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Üetie & ftü' &ßi*$i*i %£\ M. %t Deutschland als fremd bezeichnet, und jenem Zionismus, der in treuer Erfüllung seiner staatsoürgerlichLn Wichten in der Gründung einer yssentlich-rechtlich gesicherten HeimsLätte in Palästina sein Ziel erblickt, ohne deshalb irgend welche Konzessionen in bezug aus sein deutsches Empfinden zu machen. Man mag die Zahl »der so denkenden Zionisten größer oder geringer schätzen. Unser Vaterland braucht jeden Mitarbeiter. Als deutsche Juden dürfen wir niemanden, der ehrlich in unserem Sinne arbeiten will, ' zurücksroßen." Betreffs des Mißbrauches, der mit dom Schlagworte „politischer JnternatPnalistnus" getrieben wird, meint Dr. Holländer: .,Es scheint, daß mit dem Wort „politischer Internationalismus", welchen der Alldeutsche Verband, die Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei in ihrem Programm als besonders bekämpfenswert bezeichnet haben, das Gegenteil dessen zu begreifen ist, was man unter deutschem Jnrperialismus versteht. Infolgedessen war die ursprüngliche, später aufgegebene Absicht des Gründers des „Verbandes nationalssuLscherJuden", die Juden speziell für die Rechtspar teien zu sammeln, eine von fernem Standpunkt folgerichtigere Idee als die jetzige Tendenz, die sich an Angehörige aller Parteien, einschließlich der Sozialdemokratie, wendet. Wie der „Verband nationaldeutscher Juden" solche Leute, die sich als Sozialdemotraten zu dem Erfurter Programm bekennen, in seine Reihen ausnehmen will, ist ein Geheimnis, das uns unverständlich bleiben muß, denn ist die Sozialdemokratie nicht „international"? Darum erscheint dem Zentralverein seine positive Tendenz, nämlich von seinen Mitgliedern jede Tätigkeit im Sinne der Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes zu verlangen, allein sachlich berechtig!. Man hüte sich vor vieldeutigen politischen Schlagworten. Will etwa der neue Verband auch alle Friedensfreunde, alle Anhänger der Völkerbundsidee als schlechte Deutsche bezeichnen? Sind nicht sie auch international?" Als den beachtenswertesten Rufer im Streite gegen das nationaldeutsche Judentum führt Dr. Holländer den bekannten Dichter Jakob Wassermann an: „Deutscher Jude! Nehmen Sie die beiden Worte mit vollem Nachdruck, nehmen Sie sie als die letzte Entfaltung eines langwierigen Entwicklungskampfes. Ich bin Deutscher und ich bin Jude! Eines so sehr und so völlig wie das andere. Keines ist vom anderen zu trennen!" (Mein Weg als Deutscher und Jude.) Von den Andersrassigen mehr oder weniger verächtlich abgelehnt, von der Mehrheit der Stammesbrüder als gefährliche Verirrung erkannt und als solche hingestellt, bleibt dem Verbände kein anderes Schicksal, als ihm Dr: Felix Go ld mann, Leipzig, prophezeit hat: „Ich verrate Ihnen doch kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, daß aus Grund Ihrer Bestrebungen Sie zwar und Ihre Freunde keine größere Achtung und Liebe bei den Antisemiten finden werden, daß über der großen Masse ein unheilbarer Schaden zugefügt wird. Ein Freund von mir, der fein Vaterland so glühend liebt wie nur einer, der im Krieg und Frieden mit vollem Herzen seine Pflicht getan hat, schrieb mir, als Ihr erster Artikel erschien ganz erbittert,' er wirke fast, wenn auch unbeabsichtigt,' wie eine Denunziation." . Hoffen wir, daß es zu dem Unheilbaren Schaden" nicht kommen wird, daß der Verband an seinen Fehlern schmerzlas dahinscheide. Dies ist umso mehr zu wünschen, als -durch die Naumannsche Gründung nur eines erreicht wird, die in diesen Tagen des Judenhasses so notwendige Einheitsfront gegen «den Antisemitismus wird in Parteien und Parteichen zersplittert zur Freude und Wonne der Häkenkreuzlar. Erinnerungen und Beirachtungen. Wenn die Blumen aus den Beeten verwelken, das Laub der Bäume gelb wird und zu Haus zu Boden fällt, alles rings umher kahl und öde geworden ist, dann erbebt plötzlich dre menschliche Seele, wird sich der Vergänglichkeit -allen Lebewesens mne, bebt zittert, fragt sich: ja, warum wohin? jucht nach emem Hort, eurem islutzpumt und seiner Brust entringt sich der Ruf: „Adonaj, muos zur jeschrusi", er flüchtet zu Gott, in seine Obhut, und der Gesang in den GotleshLujern gibt ihm frischen Mut, erfüllt ihn mit neuer Hoffnung. Mir' schwebt der Gottesdienst im Tempel des 20. Bezuges vor, mit dem ich seit seinem 20jährigen Bestände innig verwachsen bin. Dieses liebliche Gotteshaus, vor kurzem völlig neu und schön renoviert, hat bereits bedeutende gesangliche wie liturgische Interpreten unserer reu-g!v>en rsevele m jemen Mauern beherbergt. Der alte Juda Romann, der dieses Gotteshaus eingeweiht hatte, war ein Chafen alttraditionellen Stils, von Weltruf. Ihm gesellte sich bald der jugendliche theol. Seminarist Ignatz ^esterreicher als Obertantor zu. In ihm vereinigte sich eine Fülle von Fähigkeiten. Man ist säst versucht, das Sokrateische Wort zu zitieren, daß in einem schönen Körper auch eine schöne Seele wohnen müsse. Kaum 24 Jahre alt, von mittlerer, nicht aufdringlicher Statur, besaß er eine kleine lyrische Tenorftimme von seltener Weichheck und Schmelz und sein Vortrag war voll Seele und Innigkeit. Als er die Stätte seiner mehrjährigen Wirksamkeit verließ, trat an seine Stelle Joses Basse n. Eine große Heidentenorftimme mit allen Attributen, der lyrischen Gsjangscnnst. Wer vermochte sich dem Zauber dieser Stimme zu entziehen, die mit Leichtigkeit das hohe 6 nehj merrd, in der MltleUage den wehren Raum erdröhnen! machte, bis zum lerchenh asten Triller und Falset. Nach | ihm hatten wir Herrn Kirschner, kein himmelstürmender Zanger, auch kein Ehasen in oes Wortes althergebrachten Bedeutung, sondern kurzweg ein Vorbeter. Aber alles, was er sang und sagte, waren echte Perlen, die zur Andacht stimmten. Da kamen zwei englische Juden des Weges daher und holten sich diesen Mann. Und nun haben wir eine neue Akquisition gemacht; Herrn Schneeweiß. Alle haben wir ihn mit Freuden begrüßt, als den ebenbürtigen Nachfolger seiner Vorgänger. Es ist symptomatisch für unsere Zeit, daß fast gar nichts über religiösen Kultus, über die Wirkungen des öffentlichen Gottesdienstes auf die menschliche Seele gesprochen wird. Wann aber war dies notwendiger als in der gegenwärtigen Epoche des schönsten Materialismus. Es sinv dies psychische Komplikationen nach dieser furchtbaren Weltkatastrophe. Rückkehr zu Gott rnuß fortan der Feldrus aller berufenen Faktoren im Judentum und auch außerhalb desselben werden, damit die jüngere Generation vor dem Untergänge in dem demoralisierenden Sumpf des gemeinen Lebens rechtzeitig gerettet werde. * Reujahrstag Rasch haschanahk Der Rabbiner Herr Dr. Armin A b e l e s besteigt die Kanzel. Eine imposante Gestalt, sonores Organ; er .beginnt zu sprechen, der Kanzelredner par exzellence, die Sprache sprudelt wie ein lebendiger Quell, aller Augen, Ohren und Herzen sind ihm zugewendet. Es sind Worte, die aus dem Herzensgründe kommen und in die Herzen der Zuhörer wieder dringen. Seine Predigten bewirken eine Läuterung der Seelen. Und nun entladen sich die Gefühle in dem Psalm 47 „lammazeach liwne korach mismor."-— Sicherlich hat der Dichter Keüermann an die-

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