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Die Wahrheit · 1921-11-10 · Heft 22 (10.11.1921) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 22 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sk. 28 Seite 4 Di« WahrHrri Har: „Wir Deutsche werden. Mrs Don solchen und ähnlichen Machenschaften nicht beeinflussen lassen!" Herr Naumann, der sich als Deutscher -gibt und als solcher suhlt, sollte des Wortes des Größten dieser Nation eingedenk sein: „Wir laufen niemandem nach!" Diese Nachlauserei ist, wie die Tatsachen lehren, ebenso unwürdig wie zwecklos. Sie erinnert an die frivole Aufdringlichkeit Heines: ,,Wenn ich dich liebe, was -geht's dich an?" Da aber bekanntlich -c-llzuviel Liebe beschwerlich ist, wird sie von der Gegenseite mit vollem Recht zurückgewiesen. Nachdem die Führerschaft des Verbandes nationaldeutscher Juden sich nicht darauf beschränkt, urbi et orbi zu versichern, daß hier 'der wahre Jakob ist, sondern gegen den Zentralverein verleumderisch losschlägt, ist dieser bemüßigt, mit besserem Wissen die Streiche zu erwidern. In seiner Beremszertschrist „Im Deutschen Reich" wird von Dr. Ludwig Holländer, dem Syndikus des Vereines und Bestgehaßten bei den „Nwti-onaldeutschen", eine treffliche Polemik abgesührt. Mit lebhaftem Interesse und Zustimmung wird man die folgenden Stellen lesen: „Der Zentralverein warnt die deutschen Juden vor dem Beitritt zur Naumannschen Gründung. Sie ist gefährlich und 'geeignet, Verwirrung nach außen und innen zu stiften. Sie ist überflüssig,' weil das deutsche Ideal seit jeher unAweideutig im Zentralverein vertreten worden ist." Grundlegend für diesen Beschluß waren folgende Gesichtsvunkte: Jede Unterstützung seiner Bestrebungen würde dem Zentralverein selbstverständlich willkommen sein, wenn sie in der Richtung seiner Tendenzen liegen, und nicht Grundsätze, welche dem Zentralverein von scher zu eigen gewesen sind, ins Bizarre verwandeln würde. Klar und deutlich ist die unbeirrte Pfleg? deutscher Gesinnung Gegenstand der Bestrebunaen des Zentralv erein es s eit seiner Begründung gewesen. Dem neuen Verbände genügt diese Pflege deutscher Gesinnung nicht, weil, wie der „Verband notionaldeutscher Juden" sagt, der Zentralverein großenteils national unzuverlässig fei. Daß es bei einer Bewegung, der viele ZehntauseNde angehören, den einen oder den -anderen geben kann, der zu den grundsätzlichen Fragen des Vereines eine laue Stellung einnimmt, ist nicht unmöglich. Die Bchauptung aber, daß dies bei einem großen Teile der MtAieder. der Fall ist, ist eine-Verdächtigung, firr die keinerlei Beweis erbracht werden kann. In allen Zeiten, in denen seit Bestehen des Zeritvälvereines das Vaterland in irgendeiner Weise gerufen hat, ist 'der Vorstand in vollstem Einverständnis mit den Mitgliedern überall in erster Reihe gestanden, wenn es galt, für des Reiches Herrlichkeit einzutreten. Einzelheiten sollen hier nicht eingeführt werden. Der furchtbare Vorwurf, der gegen einen großen Teil der Anhänger des Zentralvereines erhoben wird, muß diese auf das tiefffce schmerzen und verletzen, und die Entrüstung ist begreiflich, mit der Tausende uüd aber Tausende unserer Freunde in Briefen und Zuschriften die Anzweifelung ihrer Vaterlandsliebe von sich wiesen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Auffassung einer Reihe von Gründern des nationaldmtschen Verbandes mrd uns liegt, vielmehr darin, daß der Zentralverein im vollsten Gegensatz sich den außerdeutschen Juden nicht nur -durch Stammes-, sondern auch ihre Glaubensgemeinschaft, mag man diese echt religiös oder staatsbürgerlich empfinden, verbunden hält. Gerade dieser Punkt ist von ausschlaggebender Wichtigkeit. Das. Jüdische als Religion e i n f a ch a b s ch a f f e n z u w o l l e n, die Forderungen religiösen Gemeinschaftsgefühls ohne weiteres verleugnen zu wollen,, ist für uns eine Unmöglichkeit. Wir sind Juden i n e r st e r R e i h e u n s e r e r Religion, in zweiter Reihe unserem Stamme nach. Infolgedessen empfinden wir den Austritt aus dem Judentum wie einen Keülenschlag. Darum lehnen wir den Grundsatz der neuen Vereinigung, die dem Judentum Abtrünnige «daun willkommenheißt, wenn sie die Taufe nicht angenommen haben, mit Entrüstung ab. >, Von den Zionisten verlangt der Verband, sie mögen entweder auswandern oder als Fremde, die sie ja sein wollen, nur die Rechte in Anspruch nehmen, die jeder Ausländer hat. Wer die Tätigkeit des Zentralvereines verfolgt hat, wird wissen, daß der Zentralverein der tatsächlichen Sachlage entsprechend immer unterschieden hat zwischen jenem radikalen jüdischen Nationalismus, der sich in > awii 1 Feuilleton Die Sintflut. Ihr bösen Menschenkinder, blicket doch nm euch! Seht ihr denn nicht die Sintflut, die da -brauset? Der Sintflut -aus der Zeit des Nvah gleich, Wie Gottes Beil des Todes -auf uns sauset? Ihr sehet nicht, wie es in Strömen fließet? Wie jene warme, rote Flut sich stetig hebt? Das MeNschenblut, das Menschenhand vergießet, Zum höchsten Gipfel höchster Berge strebt? Ein Strom von Blei, von Feuer und von Schwefel Wälzt sich von einem End, zum andern End der Welt. Die Flut aus .Bosheit, Niedertracht und Frevel, Aus Jammer, der in unseren Ohren gellt. Wo ist der fromme Noah, der als Retter Der Menschheit eine Arche bauen würde? Die Schutz gewähre vor dem Ungewitter, Und vor des Elends allerschwerster Bürde. In der er schaffen könnte jenen Raum, Der uns schützen würde vor der Flut Und ihrem gift'gern Gischt und Schaum Und uns erhebst aus dem Schlamm und Schutt. , Erhebe uns, du Noah, zu dem Ararat! Auf dessen reiner Höhe wir dann halten, .> Bis Gott in seinm unerforschtem Rat, Ein Ende macht' dem bösen Erdenwaltet;. ' Wird dann das SpM der schönen. Farbenpracht DeS Regenbogens unsere Welt umringen, Hat wieder Gotr den Frieden uns gebracht, Wird seine Liebe wieder uns umschlingen! Trieft, dpn 8. November 1921. . ,> Armin G o! b b erg? r. .

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