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Die Wahrheit · 1921-10-27 · Heft 21 (27.10.1921) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 21 (27.10.1921)
Date
1921-10-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Sette 15 MW %U »tjtjeil Nr. 21 ein leuchtendes Beispiel hin, dessen Nachevstrung er der Braut empfohlen. Er legte ihr ans Herz, für ihr FamilienheAigtum, «das von ihrem verehrten Vater errichtete Gotteshaus als Ntusterbild zu nehmen, welches licht und freundlich und doch ernst, weit und 'doch intim, groß mü> dabei traut sei. Schließlich gedachte er des verewigten Vaters des Bräutigams, Herrn Hugo Danzinger und sprach den Wunsch aus, daß der Sohn in den Wegen des Vaters wandeln und ein Haus errichten möge, Eött zu Ehre und seinen Lieben zum Ruhme, als einer Zierde deS Judentums. Der werte Raum des Tempels konnte nicht genügen, die Menge der Trauzeugen zu fassen, die sich aus den Kreisen der Bauwelt, der Finanz, Industrie, des Handels und aus vielen Verehrern und Freunden der Heiden Hauser Reiser und Danzinger registrierten. Die kantoralen Funktionen versah Oderkantor Gkblichmann mit verstärktem Chor. —, Sonntag, den 30. Oktober, halb 12 Uhr vormittags, findet im Tempel, I., Seitensteuengasse, die Trauung des Fräuleins Steffi Neumann mit Herrn Redakteur Jakob Fingermann statt. Helene Stern s. Ä. Einen tiefschmerzlichen Verlust erfuhr der bekannte Wiener Buchdruckereibesitzer Herr Max Stern, der sich wegen seines trefflichen, echt jüdischen Charakters wohlverdienter Achtung erfreut, durch das Ableben seiner herzensguten Mutter, Frau Helene Stern, die bis kurz vor ihrem Hinscheiden in Bruck a. L. wohnte, wo ihre Gatte viele Jahre die Ehrenstelle eines Vorstandes der jüdischen Gemeinde bekleidete. Das Hmscheiden der Frau Stern erfolgte unter wahrhaft tragischen Umständen. Die Angriffe aus die Stadt Bruck durch westnngarische Banden in letzterer Zeit veranlaßten zahlreiche ihrer Bewohner zur Flucht vor den rohen' Horden. Auch Frau Stern war unter diesen Flüchtlingen, konnte jedoch bei dem hohen Alter von 82 Jahren rurd schwacher Gesundheit die Strapazen der Reise nicht überstchen und starb bald nach ihrer Ankunft in Wien an den Folgen einer Lungenentzündung. Einem Wunsche der Verewigen entsprechend, wurde ihr Leichnam nach Mödling - überführt ' und dort an der Seite ihres Gatten zur ewigen Ruhe bestattet. Schlicht und würdig, wie der ganze Lebenslauf dieser wahrhaften Esches Chajil, gestaltete sich deren Begräbnis, zu dem sich außer dem einizigenSohn« Herrn Max Stern vier Töchter, deren Gatten, Enkel und Enkelinnen als Leidtragende^ sowie eine große Schar Tvau-ergäfte sich eingefunden hatten. In tief ergreifender Weise hielt Herr Max Stern seiner unvergeßlichen Mutter vor dem offenen Grabe einen Nachruf. Die erschütternde Szene wird allen Anwesenden im Gedächtnis bleiben. Edi Blum gestorben. Am 10. d. M. wurde der in jüdischen Kreisen bestbekannte und geschätzte Botkskomiker zu Gvckbe getragen. Die zahlreichen Freunde und Verehrer, die dem Hingeschiedenen das letzte Geleite gaben, bezeugten durch ihre Teilnahme, welch« wohlverdienter Sympathien sich der wackere Mann und gute Jude «- fteute. Edi Blum war ein trefflicher Komiker der entschwundenen alten Wiener Schule, der seine Begabung weder in -den Dienst der Laszivität stellte, noch, wie es leider Gottes Mode geworden, zur Berhohnigekwg des Judentums mißbrauchte. Seine Darbietungen boten deshalb einen ungetrübten Genuß und wurden überall, auch * im Auslande, dankbar ausgenommen. Edi Blums Lebenswandel als Künstler, Gatte und Vater konnte als vorbildlich hin-bestellt werden. In ihm verliert der Besitz« des , Cass Dmnabad einen liebevollen und geliebten Bruder. Bereinsnachrichten. Das Komitee zur Sanierung der notleidenden israelitischen WohlfahrtSanstalten Wiens und der aus ihm hervovgsgangene Verein „Wohlfahrt" veranstoüteten Samstag, den 8. i>. M., nach den verstor- . bsnKn Vizepräsidenten Kommerzialrat Josef Sabyrsty und Schriftführer Bezivksrat S. M. Rübner eine Gedächtnisfeier, -die sich ebenso würdig als «habend gestattete. An dies« Tvauerfei« nahmen als Gäste tack: H«r Dr. Paul Saborsky für die FamÄi« Saborsky und Frau Marie Rübner. Vom Ausschuß obig« Korporationen waren vertreten: >Se. EHrwüvden Herr Robb. Dr. Max Grunwald sowie die Herren AdlersteiH Jul. Berger, Franz Den es, Kultusvat Dohan, Direktor I. Hader, Ph. Hans, Hoteli« Herzog, Redakteur Hirschfeld, Direktor A. Landesberger, Kornmehl, Kommerzialrat H. Neurath, Kul» tuSräte Jf. S ch w a r z und Dr. T r cho, C. Schnitzer, A. Weiß uüü Weiner. Rabbiner Dr. Max Grün- Wald als Präsident der vorerwähnten 'beiden humanitären Institutionen nimmt das Wort jit ein« ergreifenden Trauerrede und betont, daß ein beklagenswertes Schicksal zwei d« hervorragendsten Mitglied« des Präsidiums aus den Rechen dieser jo verdienstvoll wirkenden Bereinigungen gerissen habe. In Kommerzialrat Saborsky v«li«en di« Bersine einen ihrer eifrigsten und opferwillig-., sten Förderer und besten Berat«, höchst erfreulich war es, diesen alten Herrn an den Sitzungen des Vereines teünehmen zu sehen, und noch erfreulicher, wie « in -bescheidener und wahrhaft jüdischer Weise seine verschwiegene Wohltärigtert damit manifestierte, daß « in vertraulich« Weise, unbemerkt von ber Lefsenltichkett, stets dort erngegrissen hat, wo die Notlage am dringendsten Hilfe verlangte. D« B«lust dieses seltenen Mannes trifft uns umso schwer«, als Erscheinungen dieser Art leid« auch innerhalb des Judentums immer mehr zu den Seltenheiten gehdren. Sein Leben und Wirken sichert chm bei uns ein wett üb« das Grab hinaus reichm-des Angedenken. Ab« das unerbittliche Schicts-al hat aus unser« fest geschlossenen Kette noch einen zweiten höchst werivolttn Ring gerissen, dessen Verlust im wahren Sinne des Wortes eine unersetzliche Lücke hinterläßt. Mit Bezirksvat S. M. Rübn« verlieren nns«e Institutionen die Seele und -die treibende Kraft, die sich bis zum letzten Augenblick in den Dienst unserer Sache gestellt hatte und als ein Held d« Humanität auf dem Kampfplätze fiel. W« Bezrrksrat Rübn«. nicht bei sein« menschenfreundlichen Arbeit gesehen hat, der hat auch keinen Begriff von dem Umfang und der Tragweite dieses aufopfernden Wirkens, das fich wahrhaft hingebend mit Außerachtlassung der eigenen Gesundheit für das allgemeine Wohl hingeopfert hat. Er hat sich ein Denkmal -dauernder als Erz geschaffen, denn alles, was wir ihm zu danken haben, entsprang seinem rastlosen Schaffen und seinem unermüdlichen Denken für die Lurderung menschlich« Not. Im Verlaufe seiner Rede wendet sich Dr. Grunwald an den Sohn des Hingeschiedenen Kommerzialrates Saborsky mit dem herzlicher Appell, im Geiste des verewigten Vaters fortznwirken, denn es gäbe keine idealere Auffassung des jüdischen Wesens, als wenn der Sohn die edlen Werke seines Vaters übernehme und fortführe. An Frau Rübner gewendet, bedauert Herr Rabbiner Dr. Grunwald, daß die Dereinssatzungen eS verhindern, Damen an den Verhandlungen des Vereines beim grünen Tisch teilnehmen zu lassen, ab« nichtsdestowenig« werde Frau Rübn« Gelegenheit haben, den Intentionen ihres verewigten, unvergeßlichen Gatten durch persönliche Wohltätigkettsakte zu entsprechen und dadurch auch sein Ang^>enken in vollkommenst« Weise zn chren. Tief ergviffen dankte Dr. Saborsky für die Ehrungen, die isin verewigter Bat« m? Stelle «fahren bat,

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