Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 21 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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. «eite 12 _ DlL »«Grr«N _ Nr. 81 Das Palästina von heute. Ein Arzt, der seit Jahr imft Tag seine Praxis in Jerusalem übt u-M» -gegenwärtig in Wien weilt, hatte die Freundlichkeit, sich uns gegenüber betreffs der jetzigen Verhältnisse im Heiligen Lande m äußern. Daß über dasselbe in der Oeffentlichkett fi» widersprechende Darstellungen verbreitet werden, meinte unser Gewährsmann, hat wohl darin seine Ursache, daß die Berichterstatter die Dinge gewöhnlich durch die Parteibrille anschauen, was die Unbefangenheit trübt. Es ist dsbannte Tatsache, daß die mit Hochdruck betriebene Einwanderung Elemente von sehr verschiedenen Kulturgraden und MvrvWegrrffen ins Land -bringt. Neben Leuten, die rein ideal geartet find und Palästina als Land ihrer Sehnsucht und Träume umfassen, gibt es nicht wenige, die sich hier goldene Berge erhoffen, worin fie alsbald enttäuscht werden. Neben den Strenggläubigen viele „Aufgeklärte", deren Sinnesart und Gefühlsweise mit den Vorerwähnten LU Konflikten führt. Es sind die Konflikte Mischen der alten und neuen Zeit, Mischen dem Leben im jüdischen Gesetz und in Arbeit. Diese Gegensätze, die anläßlich des Letzten Zisnistenkongrefies in adadsmicher Weise behandelt wustden, gewinnen im Heiligen Land unliebsamen Ausdruck. Die einwanldernden jungen Leute, arbeitswillig und attbettsfreuidig, bilden größtenteils den linken Flügel der jüdischsvzialfftffchLN Partei, aber wenigen jüdisch ÄS sozialistisch. und deshalb auch wenig im Bann der mosaischen Gesvtzesvorschriften. So kommt es, daß sich die Klagen über öffentliches Aergernis durch ScHbathentweihung urü> Mißachtung des Kaschrus so sehr häufen. Aber diese Chaluzim find auch mit der gesamten Organisation nichts weniger als einverstanden. Es kommt häufig vor, daß Studenten oder Literaten auf Posten gestellt werden, denen fie phyfisch nicht gewachsen find. Sie müssen neben kräftigen, aus dem HeweÄe oder der Landwirtschaft kommenden Kameraden Straßen bauen oder Entsumpfiingsarbeiten leisten. Eigentlich qualifizierte Arbeiter findet man unter den Emgewanderten wenig und selbst diese nur selten in ihrem Fach beschäftigt. Befragt, wie es sich mit dem Regime S-ir Herbert Samuels verhalte, erhielten wir den Bescheid: So uneinig die Juden in ihrer verbürgten Heimstätte find, so einig find fie in der Verurteilung des von der englischen Regierung bestellten Oberkommissärs, ohne zu bedenken, daß er ein Opser der schwie rigen Verhältnisse ist, die er nicht gaM beherrschen kann. Er hat leider die Ordnungsorgane und die Beamtenschaft nicht vollkommen in der Hand. Unter der letzteren befinden fich welche, die aus Hier judenfeindlichm Gesinnung keinen Hehl machen und gewi ffen Einflüssen leicht zugänglich find. Daß er die Judeneinwanderung „gedrosselt" hat, geschah 'auf besondere Weisung, um das soziale Elend fich nicht ausbreiten zu lasten. Dem Begehren, den Selbstschutz in großem Maßstabe zu schassen, steht der fanatische Arabismus gegenüber. Ein kluger Mann, und das ist Samuel unbestritten, wird fich wohl hüten, Oe!'ins Feber zu gießen. Durch Versehen der Administration wurden folgende Gratulationen nicht in »er Gratulationsbeilage unserer NeujahrSnummer untergeb acht! Peter Hppel 8. Frau II., Nordbahnstraße 32. Oberkantor D. Bohoir.olni s. Frau II., Tandelmarktgasse 5a. Vermischtes Barmizwah-Feier*. Sg^stag-, derr 22. d,. ,M„ feierte Wilhelm B r ei n d I e r, Sohn des. Herrn Max B r e i-n-d- . l e r und feiner Gemahlin Augusta, sein Barmizwahfest im Gotteshause des' zweiten-Bezirkes (Aeschel Äwrohom). Zu^her.schönen Feier hatten sich zahlreiche Verwandte und Freunde des Hauses vingefimden, ine von der reinen Aussprache und dem schönen Bortrage des Konfirmanden überrascht wurden. .Nachdem 'dieser die Pavasche M der Thora verlesen, richtete Herr Rabbiner Dr. S. Funk eine wirkungsvolle Rede an ihn. Er stellte ihm seine Eltern und seinen Großvater, Herrn Religivnslehrer T. Bremdler, als leuchtende. Beispiele wahrhaft jüdischen Lebenswandels hin, denen nachzuovfeM Lebensaufgabe «des Konfirmanden sein möge. H«r' Oborkantor Giblichmann verrichtete dann ein hebräisches Gebet, womit die schöne Feier ihren Abschluß fünft; ^Dee'Vater und die' Verwandten des Barmizwasnten spendeten bei diesem Anlässefür. Wohltätigkeitszjweckegrößere Beträge. Am 6. d. fand, im Tempel, H., TempÄgaste, die Konfirmation des Hans Hohenst e i n, Sohn deS Herrn Jgnaz H o h e n st e i n und seiner Gattin Rosa, patt. Der. Konfirmant trug die Hafthvra sehr exakt vor. Rabbmer.Dr. Grunwald hielt eine herzliche Ansprache. Anläßlich der Konfirmation spendete Herr Ignaz. Ho he nst ein, ebenso Herr . Alfred Lande Sbe rgor,, nqichhafte Beträge für wohltätige Zwecke. .; TteginaHeissmann—Cbuarö Xusznkr ' amp'aQfen sr<fl afs Verfoöte. Lrauungeru Sonntag, dchr 16. d. M., fand' im PazmanitentampÄ die TmuWg des Fräuleins .Grete Rerser, Tochter des Herrn Architekten Ignaz Reiser und seiner Gatttn Rosalia^ geb. Lustig, mit' Herrn Direktor Fritz Danzinger statt. Dieses Ereignis bedeutete nicht nur einen Ehrentag für das hochgeschätzte Brautpaar, sondern ganz b^onders für Herrn Achireklen Reiser, der das HvchgWhlempfand, seine geliebte Tochter in dem von seiner Kunst errichteten schönen Gottes- Hause den Bund fürs Leben schließen zu sehen: Der Tag fand auch darin eine außerordentliche Weihe, daß an derselbe Äe silberne Hocbzktt der Brauteltern und das dreißigjährige Berufsjubftäum des beliebten Architekten begangen wurde. Dieses freudige Zusammemresftn bot dem Tempelvereitt „Aeschel Amrohom" willkommenen Anlaß, sein langjähriges hochoordientöS Borstcmdsm.tglied in solenner Weffe zu chren, was auch in den Aenß-r ichkeiten deS Schauplatzes sinnfälligen Aufdruck kand. Der Brauthimmel Prangte. im Blumdnschmuck uns das. Gotteshaus erstrahlte in einem Meer.von Licht. Das Brautpaar wurde aus dem Zeremöniensaal. wo die Bedeckung stattsand, vom Vorstande mit dem Obmann Rat Adolf Wenger und den ObmannsMpeÄrebern S. Ad l e r und Oskar S ch r ä m e k' an der.Spitze feierlich eingeholt, und zur Chuppa gÄertet. In einer warmen, tiefempfundenen Ansprache des Herxn Rabtzmer Dr: Fnn'k würdigte dieser zunächst die henwrragendenVerdienste, diesich Architekt Reiser durch die Schaffung dieses Gotteshauses für ewige Zetten erworben, wie rucht minder: die Verdienste durch sein Wirken im Vorstand und für die jüdische Oeffentlichkeit. In weitererAusführung sprach Se. Ehrwürden von den Tugentzm der;Brautmntttr^ und stellte dieses als