Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 21 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11 Nr. 21 unvergeßliche Feier. Erwähnen wollen E Mp MW Ms Leistungen der Chordirigenten Josef Zellnik und Rudolf Hermann. .. . .^ Budapest und seine Juden. Nach verläßlichen statistischen Erhebungen hat seit mehreren Jahren die Zahl der jüdischen Bewohner in der ungarischen Hauptstadt erheblich angenommen. Die Ursachen dieser Erscheinungen werden zwar nicht «angegeben, aber man wird tarn fehl gsshen, wir wir hier als maßgebend vor allem die Flucht der reichen Juden «aus dein Zentmkfeuer der' Horch yschen Hölle angenommen wird.. Die Statistik verschweigt, wie viel zu der Judenvernnndevung auch das summarische Verfahren der pogrvmfüchtigew „Erwachenden Ungarn" beigetragen und wie viele im Waffer des Daucheckens verschwunden sind. Was hier von Budapest gilt, läßt sich getrost mich von anderen magyarischen SÜödten im Jahre des HerlS 1921 sagen. Begräbnis des Bezirksrates Max Rübuer. In der vorigen Nummer unserer Zeitschrift, haben wir, nachdem dieselbe unmittelbar vor der Drucklegung stand, in knapper Form von dem Mieden des Bezirksrates Max Rübner Kenntnis gegeben. Es obliegt -unS heute, über das Leichenbegängnis, an dem sich nicht nur die BMrüter deS gesamten Wiener jüdischen Geisteslebens bekeiliAhdben,'sondern auch aus anderen Kreisen Tvanergasteentsendet wurden, eingehender zu berichten. In der ZeremanienhÄle häUen sich eingebunden: Der Präsident der Wier^'israelitischen Kultusgemeinde Oberstabsarzt Professor Pick und Vizepräsident Glück als Repräsentanten der Kultusgemernde, die Vertretungen der Chewra Kadischa, des BMauDvorstandes, «der Humanitären Beveirv^. des -DaubstunimenMstÄutes unter Führung derHsrren r und Dr. W e i ß, nebst einer Abordnung hep Zöglinge, des ferneren' das israelitische PerforgunKhaus,. das.. zehn männliche und zehn werbliche Insassen zur Leichenfeier errtsendet hatte, sowie auch Abordnungen vieler anderer Vereine und Jnstitutitionen, so daß die weide Halle, die Menge der Trauevgäste kaum fasten konnte». Nach einem meisterhaft vorgetragenen Trauerpsalmdes Öberkantors Morgenstern trat Rabbiner Dr. MaxGr-n^nwalÄ zu Häiupten des Sarges und hält seinem Hingeschiedenen Freunde und Mitarbeiter bei allen Humanitären Werken mit schmerzdurchbebter Stimme und bis im Innersten getroffen einen Nachruf, der von der Wärme ider'Empfmdnngen und von der Größe des Schmerzes des Redners Zeugnis ab und alle Hörer mächtig erschütterte. Es war nicht so sehr der fungierende Rabbiner, cils der treue Freund des Verstorbenen, der seinen Empfindungen in mächtig ausströmenden Worten Ausdruck gab, eine jener Reden, die in jedem Satze die persönliche Note durchklingen läßt. Wenn man bedenkt, welcher rhetorische Schwung' und mächtige Kraft den Reden Dr. Grunwalds etznÄ, wird man ermessen können, welche Wirkung diese Trauerrede auf die große Schar der Anwesenden Mei Es, sei uns in aller Kürze gestattet, nur auf die wesentlichste» Momente dieses seelenvollen Nachrufes zurückzickommen. Der Redner hob hervor, daß Max Rübner durch feine hingebungsvolle, Arbeit beispielgebend war, daß er unermüdlich.-bis zur Er- , schöpsung mtb Selbstaufopferung für die Humanitären Institutionen bis an fein Ende gearbeitet und durch'stirre Uneigennützigkeit und Ehrlichkeit die Anerkennung - aller Welt gefunden hat. Nachdem der Sarg von der Estrade - Schoben war, sprach Präsident Dr/P i-ck 'MmenS der Gemeinde den» Hingeschiedenen Worte des Dankes für dessen außerordentlich * ersorießliche Tätigkeit m herzlicher Weise aus, und versicherte, daß das Andenken an einen so verdienstvollen Mann niemals verloschen könne. Kultusrat. I. Schwarz nahm für das Sanierungskornitee jüdischer Wohlfahrtsanftalten und den Verein „Wohlfahrt", dessen unermüdlich treibende Kraft Max Rübner war, von dem Verewigten schmerzbewegt Abschied und gab dem Gelöbnisse Ausdrück, daß sein Wirken bei seiner Kollögenschaft die unermüdlichste Fortsetzung finden werde. Vizepräsident I. Glück namens der Wohschrtseinrichiamgen der Kultus gemeinde Wien dankte dem . Hingeschiedenen gleichfalls und hob hervor, daß nur dessen segensreiches Wirken im Verein mit gleichgesinnten Männern die Gemeinde in die Lage versetzt hat, diese Wohlfahrtsanstalten .aufrecht zu erhalten. Der Name Rübners wird deshalb mit der Geschichte der jüdischen WohlfahrWanstcckten immerdar unlösbar verknüpft bleiben. Hierauf sprechen namens der Bezirksvertretung Leopvldftccht der Bezirksvorsteher Perticzower und Bezirksrat Ho f f m an n und gedenken der Verdienste Rübners, die er .sich um den Bezirk erworben. Wahrhaft herzergreifend war es, als der greise Dr. Ofner, der politische Freund Rübners, im Namen seiner Partei dem Hingeschiedenen Worte des Dankes und Abschiedes sprach. Dr. Weiß, Präsident des - Taub stumm enrnstitutes, dankte Rübner als Kurator dieser Anstalt. Getragen von den Freunden des Hingeschiedenen bewegte sich der endlose Zug zur Grabstätte, wo Oberkantor I. Morgenstern ,im Namen des Sanierungskomitees ein „El mole rachamim" anstimmte. Wenn schon die bisherigen Tranerkund- _ gedungen überaus rührend waren, so gestaltete sich der Schluß wahrhaft herzzerreißend, als einer der Knaben aus dem Taubstummenin ftitute für den kinderlos gestorbenen . Dahingeschisdenen mit den stammelnden Lauten der Taubstummen das Kaddischgebet verrichtete. Wie es in Ungarn mit der Schulfreiheit bestellt ist. Die jüdische Gemeinde in Debreczen hatte sich entschlossen, aus eigenen Mitteln für das laufende Jahr ein jüdisches Gymnasium zu errichten, welchem Begchren der Unterrichtsminister Baß Folge gegeben hat. Einigen gesellschast» lichen, sprich antisemitischen, Vereinen der Stadt ging diese Freiheit wider den Strich und sie erhoben EiDgcuch. Es ist nun beachtenswert^ zu vernehmen, wie der ungarische Unterrichtsminister den Regierungs- und Berfassnngsstcmdpunkt vertritt. Jede Konfession sei berechtigt, Mittelschulen-zu errichten. Betreffs der staatlichen Unterstützung drnffen die P. T. klageführenden Vereine ganz beruhigt sein. (Das glauben wir auch. D. R.) Im sonstigen bemerk der Herr Minister mit treffender Ironie, sollten die Protestler froh sein, daß die Juden ihre Kinder nicht in von christlichen Hellern erbauten Mittelschulen schicken und daß die von Jndenschülern befreiten christlichen Schulen sich um so kräftiger entwickeln können. „Vor der Kraft des Gesetzes müsse sich jeder beugen, daß es aber nicht zur Schwächung des christlichen Kulturgeistes rühre, dafür «werden wir Sorge tragen". Fragt sich nur, wie der Herr Minister den christlichen „Kulturaeist" auffaßt. Danksagung. Aus Anlaß meiner Berufung als Oberkantvr in den Döblinger Tempel wurden mir von Seiten meiner Kollegen,'Freunde und Bekannten so viele Sympathiebeweise zuteU, daß ich außerstande bin, anders Äs aust diesem Wege allen diesen Gratulanten meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Oberkcmtor D. B o h o m o l a i.