Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 21 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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entwirrbarkeit zerfahren!" Nicht, weniger als 'drei Krisen waren foruttich über Nacht ausgebrochen. Die Verwirrung konnte beim Turmbau zu Babel nicht schlimmer gewesen jeür. Nicht dgß der Herr in Karlsbad die Sprachen verwirrt hätte, aber die mühsam bisher ausrecht gehaltene Ordnung und Disziplin ging in die Brüche. Die Lonzentrische KongretzarbLtt zersplitterte in eine Menge Komm iffionen und «Lensyviele ^iter" bemächtigten sich der ihnen in einer Weise übertragenen Geschäfte, die jedes Beispieles spottet. Anträge und Forderungen, die man schon endgültig ab ge», tan und begraben hatte, lebten wieder ans. Eine wichtige Veränderung erfolgte im Aufbau der Leitung der Organisation. Früher bestand dieselbe aus «nvm großen und aus einem engeren Aktionskomitee. Auf Antrag der amerikanischen Delegation wurden diese beiden Körperschaften abgeschafft uild zwei Exekutivkörperschaste» von je sieben Personen an ihre Stelle eingesetzt: die europäische Exekutive unter der Leitung S o ko Lp ws, sowie die palästinensische Exekutive unter dem Vorsitz des Ing. M. M. Ussischkin. Ueber den beiden Körperschaften sieht natürlich Weizmann als Präsident der Weltorganisation. Herr I a d o t i n s k y, wurde infolge eines Denkfehlers der Leitung in die palästinensische Exekutive, der «uh Profeffor Pick, Aronowicz, /Rupp in und Dr. Rosenblatt «mgehören, gewählt. Der Denkfehler der zionistischen Leitung besteht darin, daß angesichts eines Sottgtefteä, der durchaus eine friedliche Haltung gegenüber den Arabern wünscht, dieser Mann in die Exekutive gewählt wurde, der das rote Tuch für die Araber ist, mit denen jetzt das ganze Judentum friedliche Verftändi- W«g-fordert. Abgesehen davon hatte Jabotrnsky die Stirn, auS seiner Nominierung die Konsequenz zu ziehen, zur LvgionSftage auszuholen, nachdem ihre heftigsten Gegner, Ruppin wtb Ussischkin, zufällig nicht anwesend waren. > Außerdem wurde üh^^DnKeren Hajesfod verhandelt. Für^M jüdisMWVWnalfonidS fallen 20 %, für natWWe^M^^nkHMMM^egelmLßiige WLästmabudget 50 % und für dWMW^stlichen Anlagen 30 %. Bei dieser Gelegenheit hatte Misracht Gelegenheit, seine erste Kraftprobe zu bestehen. Mjsvachi stellte den An-' trag, daß kerne Institution gefördert oder ««trPstützt werden dürfe, die nicht den Forderung eucher Tradition entsprechend ge. fÜchr t feien (unrituelle Volksküchen). Der Gegenantrag der Linken auf Uebergana TagesoUbnung wurde in name^luhor LMmmM«MWL44 (die ganze Exekutive, EI'ÄnfchtteßkLch KtMuMMsWe dafür) gegen 155 Stim- ^' men der MkvmMMchWZEü^ber solchen Verhältnissen konnte ChareD 'DvrmittlungKcmtrag siegen. Noch einige Siege driWW^'rM der ziowkstifche Gedanke ist verloren. Ueber die StÄdmg der Mifvachisten am Kongreß ist es demorkenswert, die folgende Ausführungen eins Mitgliedes der Linken, des berühmten Schriftstellers Max Brod (im „Tagebuch") nachzulesen; er sagt dort: „Den recht«! Flügel hatten die „Mifvachisten" inne, für die der ^msmus als integvierendm Bestandteil das räigiöfe Ideal mitenchätt, — was von linker Seite stark bestritten wird. Bei vielen Abstimmungen und Debatten kam eS dann auch zmn Kulturkampf, twch konnte (v o rlüu^ ig wenigstens) ein Ritz mder Organisation vermieden werden. Ich kann nicht leugnen, daß auf mich, (obwohl ich nicht orthodoxer Jude bin) ’ diese Msrachigruppe einen besonders starken Eindruck gemacht hat.. In diesen jungen Leuten, diesen weißbärtigen Rabbinern glühte es von fanatischer Romantik. Sie waren auch unermüdlich, immer auf dem Posten. ES wurde mir berichtet, daß man im Kreise der „Misrachi" einmal von dem „Platze im Gan-Eden" (Paradies) sprach, den sich jeder wünschkr. Da sagte ein greiser Rabbiner: ,^ch würde am liebsten auf dem Bänkchen sitzen, auf das der Doktor H e r z l seine Füße stellt." — Diese Ehrfurcht eines Frommen vor einem Bolksmann, der doch seinem ganzen Leben nach nicht fromm war, finde ich rührend und erhaben zugleich; und so frei gefühlt ist Hs, so frei, wie vielleicht (ich wage es zu sagen) auf der Linken, wo ich saß, nicht im mer gefühlt wurde." — Das sagte ein fveidenkendor Mensch, was sagt die „Morgen-Zeitung" dazu, die, trotzdem sie sich manchmal, allerdings nur allzu selten, ein religiöses Mäntelchen umhiUlt, im Falle der Pietätlosigkeit, über den wir sänerzeit schrieben, kein Wort der Entschuldigung ausbrachte? Ueber die Schlußsitzung des Kongresses ist nur zu berichten, daß Bialck, Lewin, Jellin, Dr. Chajos, Weitzmann und Sokolow Schlußreden, die nichts als alte Grafen enthielten, vom Stapel ließen. Mit Absingen des HatAwohliedeS wurde der Kongreß geschloffen. Jüdische Motive in der Weltliteratur. Tin Beitrag zur vergleichende» Literaturkunde. Bon einem. Rabbiner. Alle Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Hiemit zu vergleichen 1. Buch Sam. Kap. 15, dis UnUMdtSauls rnden Augen. Samuels, weil jener im . ÜW^WWßN Amalek Samuels Auftrag mißachtete, wobei iWW^WMniger der hierarchische als vielnrehr das thMrMsche Primzip zur Geltung gelangte. **P'' ' SÄirNmd wagte es, in Engyium, welche Stadt Nicki as fstr die Römer gegen d« Karthager gewinnen wollte, aus Aberglauben Haich an ihn (Nikias, der sich schlauerweise plötzlich wahnsinnig stellte) "zu legen, und da ihm als einem tollen Menschen alles aarswich, so erreichte er glüÄich das Stadttor. (Plutarch Marcellus, S. 184.) Eine frappante Äehnlichkeit hiemÄ bietet 1. Buch Sam., 21, 11 f., wo von König David genau dieselbe Episode berichtet wird, dar gleichfalls in der Philisterstadt Gath den Todfeinden nur dadurch entgeht, daß er sein Betvagen verstellte, in ihren Augen sich wie toll gebärdete auf die Türen des Tores kritzelte und den Speichel auf den Bart rinnen ließ . . , Der.Feldiherr Timon findet sich bei dem Oensischen Stamme ein, um unter seinen achenischen Mitbürgern (die ihn aber vorher verbannt hatten) gegen die Lacksdämonier zu fechten. Aber die Athener erhoben gegen ihn ein arges Geschrei, er habe nur die Absicht, das Heer (der Athener) in Verwirrung zu bringen und die Lakedämonier gegen die Stadt (Athen) zu führen. (Plutarch, Timon, S. 29.) Genau dieselbe Situation berichtet 1. Büch Sam. Kap. 26, über David, der in Afek sich dem Heere der PhÄister, die . gegen Israel kämpfen, an-schließen will, der aber von elfteren zurückgewiesen wird mit den Wvrten: ,^Jst doch diÄ David, dem man im Reigen zugejubelt: Saul hat tausend erschlagen, ^David zehntausenüe." An dem Feste der Proserpina stellten die Kyzikener in Ermangelung einerschwarzen Kuh, die ge-