Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 20 (29.9.1921)
- Date
- 1921-09-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite SV Di« DahrheiH Nr. 26 Die Kriegsanleihe des Jüdische» Nationalfonds. Vor kurzem ist die Entscheidung -des Verwalt nng sg e r ich L s h o f e s über die Beschwerde herabgelangt, die der Jüdische N a tioi: alfonds in Wien gegendie Entscheidung des Bundcsministeriums der Finanzen, betreffend die Nichtzulassung von Kriegsanleihen zur Kontroübezeichuung, angestrengt hatte: Der Tatbestand ist folgender: Der beschwerdeführende Verein hat seinear Besitz an Kriegsanleihe zur Krntrollbezeichnnng angemeldet. Die Fin anz - Landesd irektion hat über eine diesbezüglich an die Eteueradministration für den 1. Bezirk gerichtete Eingabe die A b w e i s u ir g des Ansuchens ausgchprochen, und zwar gemäß § 3, Absatz, des Kriegsanlelhe-Ue-bernahmsgesetzcs, weil der Verein nach Artikel 1 seiner'Staturen den Kveck hat, mittellose Juden in P ä- 'Lstina zu unterstützen, also sich nicht ausschließlich km Inlande betätigt; dazu komme noch, daß die unterstützende' Tätigkeit nicht aus Deutschösterreich b^'chrLnkt ist, da der Verein nicht ausschließlich, ja nicht einmal vorwiegend dm Interessen deulschösterreichischer Staatsbürger dient. Dem hiegegen ergriffenen Rekurse, in welchem der Beschwerdeführende Verein sich darauf stützt, daß er den Sitz im Zntandc habe, sein. Sammeltätigkeit sich -auf Las Inland beschränke und er kein an die anderen Nachfolgestaaten wirtschaftlich gebundenes Vermögen besitze, wurde k e i n e Folge gegeben. In der gegen diese Entscheidung überre'chten Beschwerde wird rm wesentlrcheir ans dieselben Momente verwiesen, die im Rekurse an das Stwatsamt der Finanzen hervorgehoben waren, ferner behauptet, daß b\f Absicht des Kriegsanlerhe-Ue'bernahmsgeseitzes. nur dahin ging, die Uebernahmspflicht des österreichischen Staates für diejenigen AnleiheMtres >ahz>iLlehnen, die im wirtschaftlichen Zusammenhänge mit Vermögen in den äscheren Nationalstaaten standen, und endlich daraus verwiesen, daß nach dem Staatsvertragle vo n St. Germain die im Besitze von Altansländern Lefnchlichen Kriegsanleihen zu übernehmen und zu honorieren seien. — Der Verwaltungsgerichtshof hat die Beschwerde als unbegründet abgewiesien EnchüLungsfeierlichkeit. Der Brantausstattnngsverein für Töchter jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien beging am vergangenen Sonntag, den 26. dieses Monats, 6 Uhr abends im Bethaus . des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender eine erhebenoe Gedenkfeier, anläßlich der Enthüllung der Widnmngstaftl zur Erinnerung an die Gründungdieses Humanitären Vereines. Die Feier wurde eingeleitet mit dem Mi"nchagbet, worauf Oberkautor Frankl einige- Psalmen mck Chorbegleitung meisterhaft vvrtrug. Herr Obmann S. Klaus n e r, sowie Obmann Aron B a r s ch a k hielten sodann beifälligst aufgenommene Begrüßungsansprachen. Die großangelegte Festrede brachte mit zündenden Worten Herr Rabbiner Dr. GrunwalL znlm Ausdruck und übte damit auf die zahlreichen Zuhörer tiefen Eindruck. Nach der synagvgen Feier fand eine gemütliche Unterhaltung in der Barschak, die eisten sichr animierten Verlaus nahm, statt. . Nach dem Abendessen rezitierte Herr Oberkantor Frä n kl mehrere Mischeberachs, bei welcher Gelegenheit namhafte Beträge Kr . Leu Humanitären Zweck dos Vereines gespendet wurden. - Herbert Samuels Grutz. Etwas spät hat sich der Oberkommissär Palästinas entschlossen, dem Kongreß seinen Gruß.zu entbieten. In der VIII. Sitzung des Kongresses., ist die'Drahtung : an ihzr gelangt: „Ich sende meinstcheMs üch.sten.Grüßean den Zionistenkongreß, dem die WdW gr:ngen zu seinen: Zusammentreten gegeben sind. Ich vertraue darauf, daß seine Beratungen zu Forts chritt und Frieden in P a l ä st i n a führen werden, denen - meine Bemühungen gewidmet sind. Herbert Samuel'" Sir Herbert Samuel hat mit dieser Kundgebung den Juden hinter Len korrekten Englishmän gestellt. Kühl, gemessen, mit einem Unterton hohen Beamtenbewußtseins. Er vertraut den' BetaUmgen, -daß sie das Ziel, FoMchritt uH Frieden in Palästina, vor Augen haben werdend'Der Verjstaind, nicht das Herz haben diese Botschaft Samuels diktiert..Deshalb war auch ihre Aufnahme nichts weniger als freundlich. Den. wenigen, die anständshäGer.'.^rftA Beifallskundgebungen danken zu müssen glaubten, erwiderten stürmische Protestrufe und lärmende. Ablehnung.. Sehr begreiflich. Nach all dem, was 'die Palästinaschwärmer iry Lande und auswärts von dem Regime Samuels erfahren Haben,. kann er unmöglich ihr Mann sein.; . „ - D?r James Simon. In einer Zeit deutscher Sittenverwilderung, die sich mit einem Rückfall .ins Mittelalter? liche an unschuldigen, wehrlosen Juden anstobt, ist es doppelt erfreulich, Beispiele bedeutender Männer anfzeigen.zu können, die ihre deutsche und jüdische Gesinnung hochgelMtenuM wegen solcher Vorzüge von Mer Welt geachtet werden, wie. dies von . Dr. James Simon betont wird,, der kürzlich seinen 70. Geburtstag beging und aus dies-em-Anlässe Gegenstand vielfacher, ehrenvoller Sympathiebe? z'eugungen war. Wir legen- — nach der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" — ein Blatt der Huldigung zur schönen Jubelfeier des trefflichen Mannes nieder.: Dv. James Simon, der verdienstvolle Vorsitzende des. Hilfsvereins der dentscherr JuderMefsen Leben und Wirken dem jüdischen Stamme.zu Ruhm und Ehre gereicht, ist eine:der hervorragendsten Persönlichkeiten der Berliner Gesellschaftder durch seine großzügige Förderung wisienschaftliicher und philanthropischer Bestrebungen sich, einen ehrenvollen Platz .im deutschen Geistesleben erworben hat. Seit über dreißig Jahren steht James Simon, der sich, der persönlichen Freundschaft Wilhelms II. erfreute, auch im Mittelpunkt der jüdischen Wohlsahrtsbeftrebungen. Er betätigte, sich zuerst im Vorstand des Jüdischen Knrhospitals zu Kolberg, das seiner Initiative den prächtigen Neubau verdankt. Auch im Hilssverein für jüdische Studierende wie im Verein für jüdische Ferienkolonien hat James Simon eine rege Tätigkeit entfaltet. Groß ist die Zahl seiner Aemter. in der Mgemeinen Wohlfahrtspflege. Im Jahre 1901 begründete er gemeinsam mit -Dr. Paul. Nathan den Mfsverein der Deutschen Juden zur Unterstützung der ausländischen Inden, der iü Osteuropa und in: Orient, besonders aber irach Ausbruch des Krieges für die Juden des Ostens m den besetzten Gebieten, außerordentlich segensreich wirkte. Außerdem sitzt James Simon im Verwaltungsrat der JewM ' Eolonvsation Asiociation und zahlreicher, lokaler,. Mischer Wohlfahrtseinrichtungen in Berlin. James Simon,, dem 1910 . anläßlich des Jubiläums der. Universität Berlin der Ehrendoktor verliehen, wurde,, ist aA feinsinniger Sammler hervorragender Bildwerke bekannt. Sein besonderes Interesse gilt deru vorderasiatischen Orient. Gemeinsam mit dem Prinzen Heinrich zu Schönaiich-Carolath begründete er die Deutsche Orient-Gesellschaft, welche das bedeutendste Ausgrabungsunternehmen der ganzen Welt geworden ist und sehr Verdienstliches in Mesopotamien, PülästiNa und Aegypten geleistet hat. Möge dem Jubilar,' der ferne Kräfte uM sein Vermögen in den Dienst der Allge-