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Die Wahrheit · 1921-09-29 · Heft 20 (29.9.1921) · page 19

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 20 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Die Wahrheik Gerte LZ Är. Von Nah und Fern Zur Einweihung des Leopoldstädter Gemeindetempels. Mit herzlicher Freude lasen wir in den Tagesblättevn die Ankündigung, daß der Leopold städter Tempel zu den hohen Feiertagen nach mehr als vierjähriger Unterbrechung wieder feinem Gebrauch übergeben werden solle. Jahr aus Jahr ein. erhoben auch wir auf diesen Blättern unsere Stimme über den Chillul Haschem, den die Wiener Judenschaft durch die Unterlassung des Wiederaufbaues dieses herrlichen Gotteshauses aus sich lud. Unermüdlich war das aus Gemeindemitgliedern gebildete Tempelbaukdmrtee tätig, um die erforderlichen Geldmittel durch Sammlungen aufzubringen, vor allem aber auch, um den Kultusvorstand zu einer Initiative in dieser Richtung zu bestimmen. Die letztest Wahlen in diese Körperschaft haben endlich die Wandlung zum Besseren herbeigesührt. Der Tempelbau wurde zu einem Wah lprogrammpunkt. Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir als die treibende Kraft, die-den Stein ins Rollen brachte, den Herrn Kultusrat Baurat K e m p l e r bezeichnen. Er war es, der eines Tages dem überraschten Kultusvorstand ein fix und fertiges Projekt vorlegte, nach dem auch wirklich der ganze Wiederaufbau unseres größten und stattlichsten Gotteshauses durchgeführt werden konnte. Wenn diese Aussüh. rung trotz aller erdenklichen Schwierigkeiten doch soweit ihren Fortgang genommen hat, daß der Tempel bereits in wenigen Tagen benützt werden kann, so verdienen vollste Anerkennung hiefür der Leiter -des technischen Amtes der Kultusgemeinde, Herr Ingenieur Lindner, die Baufirm r Korn, sowie ändere an dem Bau fieberhaft tätig gewesene Kräfte, die alle ihren Ehrgeiz «daran setzten, dieses große Werk würdig zu vollenden. Der Bau ist gegemvärtig noch nicht abgeschlossen-. Trotzdem soll auf Anregung unseres' Herrn Dr. G r u n w a l d, der vor allem Anfang au mit seinem ganzen Feuereifer «dem Unternehmen Seele und Ausdauer verliehen hat, der Gottesdienst schon jetzt darin abgeh alten werden, um der betenden Gemeinde die Notwendigkeit ans Herz zu legen, die zur Deckung der Baukästen noch fehlenden Millionen durch freiwillige Spenden zu decken. Das Tempelbaukomrtee hatte unter der bewährten Führung des derzeitigen Obmanns Herrn Rechtsawvalt Do. Ed. T h a l e r, dem für das Zustandekommen des Baues ganz besonderer Dank gebührt, die längste Zeit betont, man müsse nur mit -dem Bau beginnen. Die Bereitwilligkeit-Beiträge zu spenden, werde dann in verstärktem Maße sich gelteiü) machen. Diese Erwartung hat sich bestätigt. Wie wir in der Sitzung dieses Komitees am 22. d. nHst vielen anderen erfreulichen Mitteilungen erfuhren, sind nicht nur Geldbeträge, sondern auch Materialwidmungen-in so erheblichem Maße eingelaufen, daß wir dem krönenden Abschluß des ganzen Werkes -wohl in nächster Zeit mit Bestimmtheit entgegensehen dürfen. Allerdings müssen, an den bevorstehenden Feiertagen, zumindest beim Aufrufen zur Thora alle anderen Rücksichten hintangesetzt und nur der Tempelbau Zweck der Spenden-sein. Wie wir hören/- ist für den AbWd des 1. Oktober eine offizielle WieVereinweihung des Tempels "in Aussicht genommen. Wir werden Gelegenheit nehmen, hierüber zu berichten. Ein yngenehmer Kurort. Die „Gazeta Warszawska", eiste - polnische Transformation unserer Ehren-„Reichspost", hat sich, furchtbar darüber aufgeregt, daß nächst Z a k o pan ef einem polnischen Kurort, der sich mehr durch Judenhaßals Heilerfolge auszeichnet, ein s-üdst'ches KonsortiumT Landbesitz erworben und dort «m Hotel errichten will. „Das Hotel — schreibt „Gazeta WarsMwska" — wird natürlich von jüdischen Touristen und Kurgästen besvohnt sein, die Erregung der polnischen Bevölkerung ist gewaltig und es wurde beschlossen, alles aufzubieten, um nicht zuzulassen, daß die Tatra durch diese jüdische Kolonisation beschmutzt rverde." Keine Bange! Das Me Polenblatt mag unbesorgt sein. Die Inden haben seit dem Umsturz irr den Kur- und sonstigen Orlen der Polakei genügend Kostproben dortiger Gastfreundlichkeit genossen," um nach 'dem heißen, blutgetränkten Boden des Landes noch Verlangen zu tragen. Miuisterworte. Im Berufe der Diplomatie gilt immer noch die Meinung, daß dem Staatsmann die Sprache gegäben sei, um seine Gedanken zu verbergen. Es Ware er jraunlich, wenn die Engländer sich diese Äöaxiime reicht zu eigen gemacht hätten. Unter Men Umständen erachten sie ine kürte glatte Höflichkeit als erste Bedingung jeglichen Verkehrs, rurs diesem GesichtSpu-ntt sind äre hrer regisrriierlien Aussprüche zu werten. Lwyd George sagte einer Zwnijtendepurarw-n: „Die Erfüllung .der hrswrischen Hoffnungen uno Bestrebungen der Zionisten Pr menuer ueberzeugung nach eine wesentliche Begleiterscheinung 'der notwendigen Befreiung der unterdrückten Völker im nahen Osren." Georges N. Barnes, em ^titglied des englischen Kriegskabinetts, erklärte: „Es wird das Ziel des Zionismus s-mn, Palästina wieder zu eiriom Q-uell der Erkenntnis und des Idealismus zu machen und durch Gründung von Biwungs- und Erz.ehungsMtten, die Men zugänglich find, die alten Wahrheiten wieder in neue Gewandung zu kreiden. Die britische Regierung proklamierte ihre zionistische Politik, weil sie überzeugt war, daß der Zionismus sich mit der Politik undden Zielen deckt, für die gutgesinnte Männer und Frauen überM kämpfen." EnMerdet man die obigen Phrasen ihres Flittevwerkes fo bleibt ein Gefüge von Gsmemnptätzen übrig, die aus Artigkeit oder Verlegenheit gesagt wuvoen. Das gehört eben zum Geschäft jeüeä richtigen Diplomaten, der nur jetten so oder so sagt. Es gehört aber auch zum Geschäft richtiger Demagogen, auf so schwankendem Boden Luftschlösser zu!bauen, die 'beim ersten Windstoß in sich Zusammenstürzen. . Bezirksrat S. M. Rübner gestorben. Eine Schrekkenskunde verbreitete sich unter den zahlreichen Freunden und Verehrerin des hochveMenten Leopoldstädkor Bezirksrat S. M. Rübner, der in -der Blüte seiner Ma-nnesjahre plötzlich aus dem Leben gerufen wurde. Das genteita? nützige und humanitäre Wirken -dieses ausgezeichneten Mannes trat am sinnfMigsten in den Komitee zur Sanierung der notleidenden israelitischen Anstalten Wiens in Erscheinung. Seit Beginn der Arbeiten dieses KvmÄves, die dem Wohle der Insassen unseres israelitischen Gememdospitals, dem Mtersoorsorgungs- und. Sivchenhause, dem Taubstummen- und BlmdeninMtm und vielen anderen Hilfesuchenden gewidmet find, hat der Verblichene als die Seele des Werkes mit vorbildlichem Eifer vorangeleuchtet. An Men bisherigen Erfolgen gebührt ihm ein hervorragender Anteil. Das Leichenbegängnis des Verewigten fand am 2b. d. M. um 11 Uhr vormittags unter außerordentlicher Teilnahme der Trauergäste statt. Rabbiner Dr. M. Grunwald, dessen eifrigster Mitarbeiter Herr Rübrrer war, hielt den Hingeschiedenen einen wahrhaft ergreifende». Nachruf, auf den wüh so wie auf die großartige . Leichenfeier, zmKckkommen werden.

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