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Die Wahrheit · 1921-09-29 · Heft 20 (29.9.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 20 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Kongretzreden. (Fortsetzung.) Jean Fischer (Antwerpen) ging -mit der bestehenden Exekutive scharf ins Gericht, warf ihr vor, Daß die Massen durch Schlagwörter regiert werden, was allgemein grpße Unzufriedenheit verursacht hat. Auch die Aemter- Lunmlierung in den Händn weniger bevorzugter Personen habe Schaden gebracht. Man -müsse Fachkenntnisfe und nicht Parteizugehörigkeit als das Entscheidende im Auge Gehalten. Simon hätte schon früher seine Auflagen Vordringen müssen. Fischer stellte fest, daß bei den Berichten viel Schönfärberei unterlaufen sei und Wichtiges verschwiegen wurde. Dieses System führe notwendig zu Selbstbetrug. Die Sezessionsgefahr droht das einigende Band zu sprengen. Das zu verhindern, empfiehlt Fächer unter leibhaften Zwischenrufen einen Systemwechsel. Der nächste Redner, Bert Katzenelf-on (Palästina), wendet sich heftig gegen Herbert Samuel, der angeblich eine Puppe der Araber sei und die judenseiudlichen Beamten schalten und walten 'lasse. Die Araber, von fremden Agenten ausgestache'lt, bilden ein schwieriges menschliches Problem. Der Uebel größtes sei aber das von Samuel verhängte Einwanderungsverbvt. Dr. Maier-Ebner (Czernowitz) findet das arabische Problem nicht unlösbar. Die Chaluzim müssen sich der arabischen Sprache bedienen. Es muß überhaupt mehr Verständigungspolitik beobachtet werden, nicht nur zwischen Gruppen Brandeis—Weidmann, sondern auch mir den assimilatorischen Juden des Westens, anderseits mit jenen orthodoxen Juden des Ostens, Die weder in der Aguda, noch bei den Misrachi organisiert sind. Schließlich beklagt der Redner, daß die Spenden für den Nationalsonbs sehr spärlich fließen. L i p s k i (New-T)ovk) nimmt Weizmann gegen Simon in Schutz, verlangt über im übrigen, Daß. der Kongreß weniger debattieren, hingegen konstruktive Arbeit leiste. Dr. Leon Reich (Lemberg) beklagt die Unklarheit des Mandatsvertrages, der den Arabern Vorrechte gebe. Ein Zeichen für die Gesinnung Samuels lasse sich Darin erblicken, daß von ihm nicht einmal Gis zur fünften Sitzung. D. R.) eine Begrüßung Des Kongreßes vvrliege. Jabotinski spricht sehr temperamentvoll gegen Simon und De Lreme, denen er „Touristenwirtschast" vorwirst. Betreffs gewisser Länder, wie Oesterreich, meint er ganz richtig, daß aus ihnen Leute mit riesigen Beuteln voll Geld ankommen, das -aber fast wertlos ist. Die Ansprüche der Eingewanderten sind schr groß, können aber mit den gering vorhandenen Mitteln nicht befriedigt werden. Ein treffendes Wort Jabotmskis soll nicht unbeachtet bleiben: Der ungeheure Respekt, den wir für große Namen empfinden^ bedeutet eine Gefahr, der wir aus dem Wege gehen nwifjen. Ganz richtig, aber es Darf nicht übersehen werden, daß auch Weizmanu, Sokolow und Jabotinski den zionistischen großen Namen öeigezählt werden. Es ist sehr merkwürdig, daß in bezug auf die Legionssrage zwischen Weizmann und Jabotinski, wie dieser bchauptet, ein Ausgleich unnötig war, da sie in diesem Punkt jahrelang zusammen gearbeitet hatten. Weizmann steht also auch auf dem radikalen Standpunkt Jabotmskis, der sich durch Tiraden des Redners charakterisieren läßt, die wie folgt lauteten: Im Laufe der Aufbauarbeit kann man Bedingungen schaffen, die beruhigend wirken, aber im ersten Stadium der Kolonisation braucht man eine Verteidigung, die nur von Kräften Durchgeführt werden kann, die diesen Aufbau lieben, und nicht von solchen, Die chn hassen. Eine unbillige Administration schafft manch« Schwierigkeiten, aber wir haben wenigstens ein verläßliches Instrument, und das kann man von englischen Soldaten (den Sonaten Der Manbadarmacht! T. R.) nicht behaupten. Jabotinski war aber reicht zu allen Zeiten so schlecht -aus die Engländer zu sprechen: Als es mir zur Zeit des Krieges gut schien, . daß unsere Wege mit England gehen müssen und man mir sagte, Das bedeute eine Verbrüderung mit Der Autokratie, antwortete ich mit den Worten Mazzinis: Ich arbeite für Palästina und wenn ich mich mit dem Teufel verbünden müßte. In bezug aus feine seinerzeitige Verhaftung wegen der Vorfälle in Jaffa stellt Jabotinski mit Bedauern fest, daß seiner Bitte -an den High Commtisfionwr, ihn nicht mir einem Schwarzen zusammen zu verhaften kein Gehör gescherckt wurde. Sehr kluge, in das Gewand der Satyre gekleidete Worte sprach Dr. Lew in. Rach seiner Auffassung beschäftigen sich 90 Prozent der Zionisten mit Politik, über komm 5 Prozent mit der Frage: „Wie gewinnt man Voll und Geld?" Wenn Jabotinski, der Doch Nationalökonomie studiert hat, davon nichts versteht, sollen wir über Wirtschaft debattieren? Redner streift das amerikanische Problem mit der Bemerkung, daß ein Viertel Der Judenheit in Amerika lebt und teils anvinationail, teils sozialdemokratisch orientiert ist. Weder Weizmann, noch Ufsrschkin, noch Redner können Wunder wirken. Dr. Lewin ver tritt entschieden den Standpunkt Daß Die -möglichst große Zichl von Chaluzrm den besten Schutz gegen arabische Angriffe wäre. Mit Dem bisherigen System ist Redner nicht zufrieden. Er findet, daß die besten Vertreter des amerikanischen JudemunS im Kongreß vertreten sind. Mit den Arabern ist ein Vergleich im Sinne Jabotmskis unmöglich. Aus keinen Fall dürfe das Schatzwert in Palästina erschüttert werden. Lüvins Rode hinterlreß einen tiefen, nachhaltigen Eindruck. Dr. Mo-zkin erklärt, daß die Londoner Konferenz die Bewegung zurückgeworfen hübe und zu persönlichen Kämpfen führte. Folgenschwer ist auch die Tatsache, Daß in Amerika und anderwärts starke Persönlichkeiten sich vom Zionismus abzewendet haben. Es wird aber noch zu weiteren schweren Enttäuschungen kommen. Dr. Kolken scher (Posen) sieht ebenfalls in der Absage Der amerikanischen Gruppe einen Fehler und ein Unglück. Jetzt liege das Heil nur an der Durchführung des B a tze l e r Programms, in der Hilfe durch Privatinitiative. Kurt Blumenseld vermißt bedauernd, Daß dem verlesenen Bericht der Generaldebatte die Plane für die Zukunft fehlen. Die Exekutive der letzten Jahre ließ jede Einheitlichkeit vermißen. Ganz verfehlt ist die Politik, die eine Verständigung mit Den Arabern anstrebe und sie als mindenvertige Raffe betrachte. Schlechte Erfahrungen werden mit den Beamten gemacht. Im allgemeinen sind über die pflichttreuen Beamten die unbeliebtesten. Dr. R u p p i n s Rebe gestaltete sich zu eurer beweglichen Jeremiade. Ausgehend von der Betrachtung, Daß -die Lage schr ernst geworben, beklagt er, daß Die Selbstz erfleischungderParteren und ihrer Führer immer weiter gehe, Zeitungspolsmiken auch hier breitgetreten werden. Das Recht der Kritik könne Simon nicht abgesprochen werden. Das gegenwärtige Palästina biete ein gänzlich verschobenes Bild in den materiellen Grundlagen und in seiner PsychochM ES fehle an Geld, während die Ansprüche riesig gewachsen seien. Zum Schluß seiner Ausführungen suchte Ruppin die Borwurfe einer verfehlten Gebarung mit den -unterschiedlichen Fonds zu widerlegen. i mmm

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