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Die Wahrheit · 1921-09-29 · Heft 20 (29.9.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 20 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Die Wahrheit Gerte & buvg: gehaltene Kanzslr-ede Wer: „LM»i lecho Me Israel!", Richter -5, und damit di« Gesetze der Rhetorik verbunden, wie sie-Salomon, dem Baker der jüdischen Kanzelrede in -Deutschland, vovgeschWM, so soll das 'bescheidene Säku-lärdenkmal fürmeinen göttlichen Lehver hier auch der Gesamtheit dienen. Nicht nur Pietät und Bewundemchg, nicht die Wiederholung des talmnidschen Sittengebotes: „nioria ratboth kemova schomajim, die Ehrfurcht vor dem Lehrer sei so groß, wie die vor Gott", sind es, die mich zu Weser kleinen Studie veranlaßt haben, sondern der langgehegte Wunsch, ein-er Zeit, die es sich in ttöwiletieis oft leichter macht, weniger an sich arbeitet und «den Gehalt der öffentlichen Rede 'vielfach dadurch be- Mträchtigt, -daß die Altevttimskmde, die Mffenschaft der Religio nsphilosophie und die vabbinische Agade als'' ün'zei'kß-emäß oft stiefmütterlich behandelt wird, das Wld eines modernen Bahnbrechers der Homiletik Var die Seele zu führen. Es mögen insbesondere die Mter der theologischen Hochschulen ihre Jünger nicht für eine''Lektüre, sondern für ein gründliches Studium eines Jellmek gewinnen. Sie werden durch Jellineks rationelle vökkstümliiche Fvrschertätigkeit tiefer Ar den Geist Mai- Mtnis, Elia Wtinas, Asarxa Figaros, eiNdringen und öänderreiche ' Kommentare, ja Büchereien zur studieren, werden' Jellineks Werke überflüssig machen. Ueberflüfsig? Rein — dein Forscher 'ist gründliches Quellenstudium unerläßlich, die Ueborsicht gewährt Jellineks Lebensarbeit und erleichtert die Forschung. Wie aÜuell ist B. die lapidare Kritik Jellineks in der Vorrede zum dritten Bande seines BDh-Midrasch -über' die Lage der jüdischen Wsss eüsch a -s t. Er sagt: „Ich will schweigen von der vetiwerflichen/Gehässigkeit und Klemgeisterei, die im Meise jüdischer Gelehrten herrschen und jedes Zusammenw'i.vkeü erschweren; von dem meisternden Dünkel der einen, die in Wolken thronen, 'dem vornehmen Ignorieren der Ächtest,' die ihr eoros ä'öüte haben, von der Allwisserei vieler/ die nur lehren und nicht lernen wollen, von der Schmäh'suHt der meisten, die überall nach literarischen Jrttümern spähen, von dem Mangel.an wahrer Demut, die schon von den Alten als -Bedingung der echten Forschung'betrachtet wird . . . Es fehlt an freiem Sinn, der'die Wissenschaft um ihrer selbst willen auffucht, an seinem Sinn, der es fühlt, wie jede'Kleinigkeit für die währe Forschung wichtig ist, am sicheren Sinn, der keine Mühe scheut, ein betretenes Gebiet von neuem zu durchforschen." . Er'.schließt: „Ernst sei die .Sache, Wahrheit in der Forschung und Gerechtigkeit in der Beurteilung sind den Männern der Wissenschaft zu wünschen. .Gilt dies Men Wahrheitssuchern, wie erst unseren Theologen! Wer dieses Studium gewissenhaft .betreibt, wird der jüdischen Kanzel, zur Zierde gereichen und den Gemeinden Freude und/Liebe und Begeisterung einslößen für die höchsten Güter der .alten und ewig jungen Religion des Judentums. Ihn aber, dessen 100. Geburtstag wir begehen, Möchten Mit- und Nachwelt neu Mferftchen und auf 8ch wirken 'lassen, Äs Vorbild des Maleachischen Priester- MM, das in Jellinek seine Verkörperung gefunden. , „Die.Lchre der Wahrheit war an seinem Munde, ustd Unrecht fand sich nicht auf seinen Lippen, in Ar. i ed7e n und Geradheit ging er mit mir, und viele hielt er .ab. von Sünde. Denn die Lippen des Prsesters bewahren W i s s e n f ch a f t und Thora, verlangt man. zu hören aus seinem Munde. „Denn ein HvMnelsbote des Herrn Zäbaot ist er." Rund um den xii. Zionisienkongretz. II. Blätterstrmmen. Die „Neue Freie Presse", die, naüonalechisch . betrachtet, ganz ungerechtfertigt als Judenblatt anMsprochen wird, hat dem Zionistenkongreß einen hvchbedewsiamLv Artikel des Universitätsproseffors Adolf Straus.z gewidmet, der ohne Voreingenommenheit als Niederschlag abgeklärter Vernunft und richtiger Schlüsse gelten durftet Es ist bedauerlich, daß die Kongrehbesucher an diesen Aeußerungen des politisch best unterrichteten Verfassers vorbei gegangen sind. Sie hätten sich in Karlsbad viel Zerwürfnisse, Gehässigkeiten und Mißerfolge ersparen können. Sie hätten, anstatt lange und zwecklos aneinander vorbeizureden;— allerdings ist -manchem das Rüden Mein Selbstzweck — den Kern der Sache, den springenden Punkt, daß Palästina nur eine Heimstätte der Juden, -aber nie ein Judeustaat werden kann, ersaßt und ihre Verhandlungen danach eingerichtet. Wenn ein Rock falsch geknöpft wird, bleibt nichts anderes übrig, als ihn auszuknöpsen. Das ist aber auf dem Kongreß nicht geschehen und die Folgen konnten nicht ausbleiben. A. S t r a u s z hat es am Vorabend des Kongreffes den Besuchern zu Gomüte geführt: „Der Zionist von heute muß ein Realpolitiker sein, ein praktischer Diplomat, ein Werkmeister ausbanender S t a-at sku n st. „Wo -waren die so gearteten Männer? Haben sie di-e kostbare Zeit nicht mit parteileidenschastlick^m Gezanke,, mit Parteigehäffigkeiten, im besten Falle mit leerör Utopie vertan? ' Strausz rückte bei seinen Betrachtungen das arabische P r o b l e m.in die allererste Reche, ein Problem, das für die Paläftinaj-uden nie befriedigend gelöst werden kann. „Großbritannien hat die meisten mohämmedanischen Untertanen. Großbritannien kann die Empfindlichkeit der mohammedanischen Untertanen nicht ignorieren. Im Schachspiel des britischen Reiches sind die mohammedanischen Araber die h ö h e r bewerteten Figuren." Aus diesen Tatsachen erklärt sich die losgängerische Haltung der Araber in Palästina, erklärt sich letzten Endes das Verhalten Herbert Samuels, der ein englischer Beamter, vor allem ein treuer Diener seines Herrn und seiner Politik bleibt. Unter solchen Verhältniffen kann es unmöglich zu dem traumhaften Judenstaat der Zionisten kommen. Nur die gesetzlich geschützte Heimstätte wird ihnen geboten und selbst die ist fraglich geschützt, denn wie Strauß als genauer Kenner der Lage feststellt, find mancherlei .judenfeindliche Faktoren, sogar der Papst hinter den Arabern treibend am Werke. „Den Führern des Zionismus obliegt die diplomatische Aufgabe, den Vatikan darüber aufzuklären, wie gefährlich es für die ganze Chriftenh eit ist,wenn er d enJslamdem Jud e n t u m v.o r z ieht. Hinter der nationalen Bewegung der Araber birgt sich der Panislamismus, der Kamps zwischen dem Mohammedanisnms und Christentum." Niemand aus dem letzten Kongreß hat sich, diesen Weit- und Scharfblick Strausz' zu eigen gemacht, niemand auch seine geistvollen Schlußfolgerungen: Die politische und nationale Renaissance der Araber ist nicht, auszuhalten. Die politische und na t-io - n a l e R e n a i fs an c e de s I ud en t ums muß ntit ih r parallel geh en, wenn sie nicht im Kerm^ersticken will. Die Schaffung der arabischen Königreiche

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