Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 19 (15.9.1921)
- Date
- 1921-09-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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f Nr. 19 . __DieWahrh eil Seite 11 gehört zu den vielgelästerten Assrmilanten. Warum werden diese, trotzdem man es als „eine der wichtigsten Aufgaben des Kongresses" betrachtet, „die Möglichkeiten festzustellen, die eine aktive Beteiligung der außerhalb des Zionismus stechenden Kreise an der Aufbauarbeit erleichtern sollen", dann durch >den Satz abgestoßen; „Bedingung bleibt nur, daß alle Arbeit auf gesunden. Grundlagen ruhe und sich weder Assimilation - noch Plusmachertum an ein Werk knüpfe, das der Erhaltung und Erhöhung, nicht aber der Ausbeutung unseres Volkes dient". Diese Art von Anwerbung von Nichtzionisten kann nur Bedenken Hervorrufen, Bedenken, die dahingehen, daß die Losung der Mitarbeit beim Palästinaausbau für die Nichtnationalen sein soll: Zahlen und Maulhalten. Es wird eben nichts anderes übrig bleiben, als zur Idee Dr. Funks zu greisen: Kein Zionisten-, sondern ein jüdischer Weltkongreß! Wiener jüdische Mittelstandskinder in der Tschecho- Slowakei. Die diesjährige McrrienbcLer Hochsaison zeigte neben maßloser mondäner Luxusentfaltung doch ein Moment, das jeden Menschenfreund' mit Genugtuung erfüllen muß Frar Dozentin Sophie Grün seid ist es, wie seit Jahren, auch diesmal, der veränderten politischen Verhältnisse ungeachtet, geglückt, in Böhmen Ferienkolonien einzurichtsn. Mit Mfe der Herren OrtsvaMners Doktor Z i e g l«e r und Dr. Diamant wurden 20 Knaben aus dem Wiener jüdischen Mittelstand bei Karlsbad — in Lichtenstadt —, 20 Mädchen in Marienbäd mnstergiltig verpflegt. Von den letzteren können wir aus eigener Anschauung berichten, wie sich nicht allein Mitglieder der dortigen Kultusgemeinde, sondern ebenso Kurgäste, darunter auch Wiener, bemühten, den Kindern 'fröhliche Ferien zu bereiten. Warme Anerkennung verdient auch die Kurdrrektion, die dem Unternehmen jede erdenkliche Förderung «ttgedsihen ließ. Wir dürfen' schon heute mitteilen, daß die Aktion im nächsten Jahre wiederholt werden soll, sowohl Frau Dr. Grünfeld als alle sonst um das schöne Werk Verdienten sind zu diesen Erfolgen herzlichst zu beglückwünschen. G. Emil Pomeranz. Samstag, den 3. September feierte der Vorstand des polnÄfchen Tempels den 70. Geburtstag seines langjährigen EhrenmAtzliedes und ersten Schriftführers Herrn Emil Pomeranz. Avei Abgesandte des Vorstandes —- die Herren H e u b l u m und S ch m i b — holten Herrn Pomeranz aus der Wohnung ab und geleiteten ihn zum Frühgottesdienst. Mit besorkders feierlichem, ,Hohem" Aufruf würde der Jubilar zur Thora gerufen. Herr Oberkantor Frankel rezitierte einen von ihm eigens für das Fest verfaßten Mischeberach. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Bach eine ergreifende Ansprache an den Jubilar, in der er dessen persönliche Liebenswürdigkeit und 'stete Hilfsbereitschaft, sowie die großen Verdienste pries, die sich Herr Pomeranz ist jahrelanger, treuer und . hingÄungsvvller Arbeit für den Verein erworben hat. Zu Ehren des Tages wurdenibeimThovaMNftUf Namhafte Beträge dem PoMevcnH'schien BrcMUUsftattungsfond gespendet. Nach dem Gottesdienst versammelte sich der Vorstand zu einer vertrEckichen Feier im Restmrrant Barscheck. Bei einem bescheidenen Imbiß wurde ein gemütvolles Fest abgeh alten. JnVertretuNg des Obmannes begNckwünschte Herr Israel G r über den Jubilar in kurzer Ansprache und', überreichte ihm einen kunstvoll gearbeiteten SieMring als Ehrengeschenk der Borstandskollegen. Es folgten Noch kurze Reden und Trinksprüche der Herren Dr. Buch, Barschak und Frankel, Womit die Feier ihren Mschikrß fand. Herrn Pomeranz. sind aus allen jüdischen Kreisen herzliche Glückwünsche. zngekomünen. ' B. St. Resolutton aus dem Zionistenttmgretz. Nach einer m> rensiven Arbeitswoche entschloß sich in der Nachtsttzrmg vom Montag, den 6., aus Dienstag, den 7. ds. das Prästdistm, durch die Misrachi einen Vertrauensantrag stellen zu lassen. Denn die Bertrauensresolution, die von den allgemeinen Zionisten, das ist der Block, den Stricker vereinigt Hatte, und den Mösrachisten einigebracht wurde, schien unklar und entfesselte eine Flut von Erklärungen, Protesten, DekkaratMnen und GefchWsordnungÄ>ebMen. Die erregte Stimmung des Kongresses und die späte Stunde, es war zwei UHr morgens, erzeugte >eine ganze Reihe von Mißverständnissen, lim halb 3 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. Dienstag mittags nahm >der Kongreß, Nachdem R up p in s-eiin P a l ä sti n a res e r a t erstattet hatte, dtve A b st i mmuug vor. Für die Resolution der großen Parteien stimnrttzn 348 Delegierte. Die vom Kongreß beschlossene Iiesolution lautet: „Der Kongreß spricht den Präsidewru Ehaim WeitzmanN und Nahum Sok.olow Dank und Anerkennung für ihr politisches Wirken und erwlwtek, daß die Errungenschaften ihrer Arboft, der Kabinettsbeschluß der britischen Regierung vom 2. November 1917 iBalfour-Deklavations und der Beschluß von San Remo m Erez Israel, bald ihr volle Bernstrklichung ftniden werden. Der Kongreß erteilt der Exekutive mit dem Ausdruck des Dankes die Dechavge." Die Kriegswaisenkmder in ihrem Heim in Baben. Biel reiche Leute weilen ietzt .draußen in der überreich besetzter Kurstadt, 'aber wenige habe ich, wiewohl sie in Glanz und Ueberfluß leben, glücklicher 'gesehen wie die armen Kinder, denen die Agudas Jiftoel hier ein Heim bereitet. Wie sie sich gar oft langweilen, die armen Reichen, die seit Monaten sich hier allen denkbaren Genüssen hingebenl Ihre Kinder erscheinen blasiert, sind nach neuester Mode gekleidet, spazieren an der Hand ihrer gleichfalls hypermodern gekleideten Mutter einher, aber wo ist das fröhliche Lachen, das ich jüngst im Kreise der armen Kriegswaisenkinder hörte, die ich weit draußen in dem schönen Heim besuchte, das ihnen edle Menschen in der Badner Vorstadt gegenüber den berühmten Badner Weinbergen errichteten? Ich wurde von mehreren im Borraum spielenden Kindern in den Gartengeführt. Freude und Frohsinn leuchtete -aus den Augen der Kinder; aber was haben diese aus der Ukraine, aus Galizien, aus Jerusalem stammenden Kinder durchgemacht, bis sie hier Unterkunft gefunden und wie sind sie geborgen! Direktor Friedmann führte mich durch das schmucke Haus, in dem ich, wiewohl mein Besuch nicht angomeldet war, die größte Sauberkeit gewahrte. Im ersten Stock, in einem geräumigen Saal faßen zirka 20 Kinder bei ihren Büchern, anstoßend waren große SchlaWle mit weiß bezogenen Betten und roter Steptwecke, im Nebenraurm praktisch geordnet die Kleider und Stiefel für die 40 Kinder. Wo und wann mögen diese von Unglück heimgesuchiten Waisenknaben wohl je in so säubern Betten und so luftigen SMen geschlafen haben? Me im Souterrain gelegene Küche ist eine Art Schmuckkästchen. Mes glanzt und blitzt. Der bekannte Philantrop L. Adler hat hier das Schönste geliefert, was sein reiches Lager birgt, große, goldig schillernde Kochgeschirrs, die den Stotz jeder Hausfrau bilden würden. Hier waltet die Frau Direktor ihres Amtes. Mit Stotz zeigt sie uns die großen Pfannen mit Buchteln und Eierspeise, 'die Heute zu Tisch kommen sollen Im Sou-