Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1921-09-15 · Heft 19 (15.9.1921) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 19 (15.9.1921)
Date
1921-09-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063903-3063922--11444-3078848
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

-TmLuzeitliche Judesrtum ongemcjfenc Ehrungen, erfahren -HM-wib Wte ift es geziemend,, den Meister zu ehren, d^sen. Redegabe es vermocht hat, den durch Kley -und Gotthold Salomon fest begründeten historischen Ruhm dieser Kanzel zu erhöhen und zu mehren. Drwid Leimdörfer stammt aus einem kleinen Orte, Jllinik, i.N der vor dem Umstürze noch zu Ungarn gehörigen Slowakei und hat an den Gymnasien und talmudischen Akademien — Zchchibot — in Sillein, Budapest, Wartzen und Preßbürg, an der Universität zu Wien und namentlich am Wiener Pechcha Midrasch unter I. H. Weiß, M. Friodmann und Adolf Jellinck seine theologische und allgemM-wissenschaft liche Msbildnng erhalten. Die Bedeutung des letzterer würdigt der verehrte Jubilar, welcher stets mit Vorliebe und berechtigtem Stolze sich selbst als Js. Schüler uw geistesverwandter NachbonMre bezeichnet, in den jüngster Nummern der ,Wahrheit'. 1875 wurde Lermdö-rser von der? preußischen Gemeinde Nordhausen zum Rabbiner berufen "und folgte im Jahre 1883 einem Ruse des Hamburger Dempetverbandes, wo er als echter Seeleichirt und Kanzelreduer wirkt. Zu seinen bibelwissenschaftlichen Arbeiten gehören insbesondere: „Kohelet in historischer Bedeutung", ,7$)te Lösung des Koheletratsels durch den Philosophen des 16. Jahrhunderts Jbn Baruch", „Das Psalter-Ego rn den Jch-Psalmen", „Psalterklänge", „Der JHWH-Fund von Babel — in der Bibel" gegen Delitzschs u. a. Leimdörfer ist auch Begründer und Leiter der „Gabriel-Rießer- Bererniguug zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", in der er selbst und hervorragende Gelchrte von auswärts religionsphilosophische und geschichtliche Vorträge hielten. In seinen Predigten ist er bestrebt, die allgemein! menschlichen, universalistischen Ewigkeitswerte Israels zu verkünden. Möge es diesem wackeren, allbeliebten Seelenhirten vergönnt sein, noch ungezählte Jahre in seinem Amt zu wirken. AaÜfemiten. Bor» den , ^wissenschaftlichen" Juden- . Hetzern war in diesem Blatte schon des 'öfteren die Rüde. Zu den gefährlichsten dieser Sorte gchört Artur Dinter. Man glMft sich an dm Kopf, wenn man den Unsinn in besten Buch „Die Sünde w>ider das Mut" liest und muß sich fragen, ab es bei diesem Manne 'auch ganz richtig im K^>fe ist. Durch eine solche Fragestellung dürfte auch das Gerücht entstanden sein — oder ist es Wahrheit? — daß Dinter wahnsinnig und in ein Gana-torium für Nervenkranke überfuhrt worden sei. Dinter protestiert natürlich in bm ihm n<chesteheÄ>en Zeituntzen gegen' dieses Gerücht, . aber ,Mpan dran!" Weiter teilt Herr Dinter mit, daß er gegen den Verfasser einer gegnerischen Schrift, PcmlWeyland, wegen persönlicher Beleidigung Strafantrag gestellt hcrbe. Der tüchtige Geschäftsmann Artur Dinter verfchlt aber nicht, mit dieser Berichtigung einen Hinweis auf sein zukünftiges Büch „Der Held von Nazareth" zu verbinden. Eine Art von Antisemiten, ulld zwar die geschaftstüchtigeve, sind die Journalisten, die, dem schlecken Jnstirckte der Maffe bei jeder Gelegenheit Rechnung tragend, m ihren Zeitungen mit Redensarten auifwarten, die aus den Pöbel voMverdUmmend wirken, während die „Wissenschaftler" sich doch noch durch gelehrte Phrasen den Anstrich von WeVshÄ geben wollen. Von dieser, die Kon- . juMrur ansnützenden volksperdevbenden Sorte haben wir unseren Lesern Är den letzten Nummern der „Wahrheit" .ein buchtendes Beispiel gezeigt, den „fvÄen Arbeiter". AuchBevliu hat elken solcher HeiNÄrietzer am Schreibtisch Und. Rednerpult, Herrn Kunze/ der wegen seiner sagen wir — DeckcheA 'allgemein der „Knüppel-Kunze" gerufen wird. Dieser hat gegen den verantwortlichen RedaAeur des demokratischen „Berliner Tageblatt", Erich Dombrow skr, öme BelbeiidigungsPlage angestrengt, deren ershe Verhandlung vertagt und -ein zweiter VerharÄ»- lungstermin für den 10. September angesetzt ist. Herr Kunze fühlt sich durch einen Artikel des /Berliner Tageblatt", „Der Hold von Gardelegen", beleidigt, in dem Mrtgeteillt wurde, daß Kunze während -des ganzen Krieges die . Front niemals gesehen, sondern in Gardelegen als Dol- . metscher und Pvopagandaredner in -einer Villa gelebt, sich als Selbstversorger verköstigt, gehamstert und Bich gezogen hat. Ein Witzbold stellte, damals ein Schild. Mit der Anfschmst „ZiogenLnnze" aus Äas Land, das Herr Kunze gepachtet hatte. Zeugen, insbesondere eine ^leihe von Einwohnern -Gardel-egens, werden in d!öm nMen Termin vernommen werden. In Gardolegm selbst äußerte man, ^wie mitgeteilt wird, nach dem Erscheinen' des Artikels: „Das ist Kunze, wie er leibt und lebt." Es wäre zu wünschen, daß es dom Vertreter des „Berliner Tageblatt", «eines der angesehöndsten Blätter Berlins, gelingen möge, für feine Behauptung-en in dckn in Rede Wenden Artikel den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Denn 'dann würde das Verbrechen, das Knüppel-Kunze sicher unzählige Male den Jndert vorMvorsvn hat, das der Drückebergerei und des Hamfterns, aus sein eigenes unschuldiges Haupt zurücksallen und man könnte dem Biedermann! die alte Lchre zurusen: „Gche nicht mit Butter aus dem Kopfe in die Sonne!" Das ist -eine <Me Wahrheit, >die aber Men von den „wahrhMieibenden" Antisemiten beherzigt wivd. Die Werbetrormnel. Mit Hellem Jubel wird die nationatzionistische Partei den siegreichen Durchbruch ihres PvlMMnms auf dem Kongreß verzeichnen. Ein Sieg nach dem unerbittlichen Gesetz der Zahl, nach welchem das Programm S i m o n - D e L i e m e unterdrückt werden konnte. In-diese Freudenruse klingt als Unterton das' Bekenntnis, daß „die Forderungen der Branders-Gruppe, die ans Reorganisation abzielten, viel Beherzigenswertes enthalten", aber Bine Ablehnung mußte erfolgen, weil zwischen dem vielen Beherzigenswerten und der nationalen Unentwegtheit eine unüberbrückbare Kluft bestand. Wie ' sich die am Ruder stehende Exekutive 'aus dem schwierigen Dilemma hinaushelfen wird, ist um so unerfindlicher, als sie einbekanntermaßen die Heranziehung derjenigen Kreise, die das nationale Bekenntnis ablehnen, anstrebt. Zu diesem Zwecke.wird in der „Morgen-Zeitung" vom 4. September die Werbetrommel mit besonderem Eifer gerührt. Dre ' Werbung ging an „das jüdische Volk". Das jüdische Volk in seiner Gesamtheit verstanden, auch dort, wo es kein zionistisches Bekenntnis — am allerwenigsten ein jüdischnationales — abgelegt hat. Diesem Gesamtvolk wird gesagt, daß „der jüdische Palästinagedanke zur zentralen Idee der gesamten Judenheit geworden". Dem mag so sein. Daraus resultiert, daß alle Palästina wollen, daß aber die Art der Erwerbung und der Zweck derselben bei den verschiedenen Parteien verschieden ist oder, wieWei zmann in seiner. Eröffnungsrede sagte, „daß mehr als ein Weg. nach Palästina führt, und es ist nicht unser Wunsch, andere Wege für jene zu sperren, die nicht den unseren gchen wollen". Das Ist sehr löblich und auch weiterhin folgerichtig, wenn er als Nationalzionist freimütig boken-nt. „Wir halten unverbrüchlich fest an dem nationalem Grundcharcckter der .zionistischen Bewegung." Schön! Aber ein Großteil der Judenheit halt ebenso unverbrüchlich fest an dem thoratreuem Charakter, wobei wir von -den Extremisten gor nicht reden Pollen. Dieser Großteil

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.