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Die Wahrheit · 1921-09-15 · Heft 19 (15.9.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 19 (15.9.1921)
Date
1921-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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> Seite 7 Nr. 19 Die Wahrheit werde; sondern aus dem verborgenen Teile (der Rippe). (Midrasch rabba, Gen. 2, 22.) DD Wahrheiten vom Tage Eigen -ist 'der Nation, (Germanions), daß sie auch von Pferden Wahrsagung und Deutungen erforschen. Mari, unterhält dergleichen von weißer Farbe, die noch kein Sterblicher Zu seinem Dienste berührte, -ans gemeine Kosterl in üben -den Mildern und Hainen, und spannt sie vor den heiligen Wagen . . Tacitus: Germania, zitiert in Fr. Gedikes Latem. Ehrestomatie, Men 1821, S. 10ö. Auch bei den Griechen und Römern zog man in gewissen FäWn „rurgejvchte" Opfertiere vor. (Homers Jliade und Odyssee, Virgils Güorgiea, Ovids Fasten, Maerobms. Jul. Fürst, BÄükkommentar zu 4. B. M. Kap. 19, 2.) Mit dieser angezogenen Stelle hat. ein Bericht der Bibel frappante Äehnlichküit. Er lautet: rüde zu den Kindern Israel, daß sie dir eine rote Kuh bringen, ohne Leibesfehler und aus folite kein Joch gekommen ist.. (4. B. M. Kap. 19, 2.) Freilich fällt hier der UNterschich ms Auge: die Farbe rot, Symbol des Lebens, im Gegensatz zu weiß, bleich, Sinnbild des Todes; ferner hiüc eine Kuh, reines denr Genüße und Altavopfer. erilaubtes Rind, im Gegensatz zu dem unerlaubten Roß. (Vgl. Luidw. Phi'lippsons Mbelwerk z. St.) * Sie (die Germanen) kommen, wenn Nicht etwas von ungefähr und plötzlich vorfällt, an bestimmten Tagen beim Neumond oder Vollmond zusammen; denn für Unternehmungen HM man diesen für. den glücklichsten Zeitpunkt. (Gedicke a. a. O., S. 105.) ... unterlasset es, am Neumond und Sabbat Festversammlung 'abz-uh-akt-en. (Jels. 1, 13.) , . . . Von Neumond zu Neumond und von Sabbat zu Sabbat Wird jeder Mensch kommen, sich vor mir zu bücken . . . (das. 66, 23.) Warum gehst du heute zu ihm, es ist -doch nicht N e um v n d und Nicht Sabbat. (Kön. II. 4, 2&.) * Sie (die Germanen) rechnen auch nicht nach Tagen wie wir, sondern nach Nächten. So wird verabredet, so wird anberaumt, ihnen scheint -die Nacht vor dem Tage einherzNgehen (a. O.) Nox diucere 'daem vüdetur. Hajom holech achar hälajlah. (Tur I. D. Hilch: Wüluth 376.) Doch ist es -kulturhistorisch interessant, -daß diese Sentenz im. jüdischen Religi-onsgesetz allein Geltung findet; im Ziv i l - nnd p e r n l i ch e n Recht herrscht offenbar im Gegensatz znm altgermanischen R^ht der Grundsatz: Die Pacht folgt dem Tage. Denn nach dem jüdischen Ehe-, rüchte wird auf Traub-viefen auch bei. Trauungen, die Abends erfolgen, das Datum des vorhergehenden Tages gesetzt. * Darm rüstet in üben der Versammlung einer von den Vornehmsten, oder der Väter, oder ein Verwandter, den Jüngling mit Schild und Pfriemen aus. Dies ist ihre (der Germanen) Toga und die erste Ehrenstufe der Jugend; vorher waren sie ein Glied der Fam-ilie, nun . des Staates.. (Gedicke, >a. -a. Ö., 'S. 106 f.) - Im Judentum tritt diese Mündigkeit des Jünglings schon mit 13 Jahren unter dem Namen har mizwah bzw. bar on'schin ein. Der Vater spricht bei dieser öffentlichen Mündigerklärung feines Knaben die Worte: baruch schüplat'rani meon'fcho schÄ se. Diese Differenz im Alter der Mmchigkeit zwischen germanischer (bzw. römischer) und jüdischer Sitte liegt vielleicht in der Frühreife begründet, die der Knabe im Oriente rascher erreichte. (Fortsetzung folgt) Der Metzger als Boltsbefreier. In dem großes und nachhaltiges Aufsehen /erregenden Skandal der Berliner Sportbank, die ihre Opfer -mit zirka 30 Millionen Mark (!) hineingelegt hat, ist -als Direktor ein Karl K ö h n 'genannt, feiges Zeichens Pferdeschlächter, der feinen Beruf -gewiß nur so . nebenbei übte. Er war auch Herausgeber der ,.M gemeinen Rohschlachter-Zeitung", hinter deren Ditül mangewiß nicht antisemitische Hetzartikel gesucht hätte. Nichts destvweniger hielt es Köhn -für -wngezeigt, >m seinem Fachiblatte die Pfade der „Deutschen Tageszüilung" und des „Miesbacher Boten" zu wandeln. In fernem leitenden Artikel „Am ScheLewege" schrotete der Mann folgende sozialpolitische Weisheit aus: „Nicht der „jüdisch-kapitalWsche Woltimperialismus" regiert die Welt als Menschheit — sondern der Geist des Lübens, „Gott" (so „Gott" ür Gänsefüßchen - gedruckt), der uns vor dem Tode und den: Untergang 'bewahren wird. Deshalb rufen, wir allen Völkern der Erd« zu: Bereinigt euch zum Kampf geigen ,^>ie Weltherrschaft des Judentums" und dessen Vernichtung. Airs zum Kampf für ein ^freies Wült-Ehriftentunl" und eine für all« Vö-Äer der Erde gleiche Freiheit auf der Grundlage -der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Tod der ,Kapita!lsheroschäft" und Recht, Freiheit und Lüben für ein „reines und freies Menschentum". Nachdem Herr Köhn in -den Reihen der jüdischen Mitbürger keine Konkurrenzgofahr für feine Roßschlächterei zu besorgen hat und bei einem Menschen von der nvorMschen Beschaffenheit des SportbaNkdirüktors auch keine ethische Triebfeder zu verminten -ist, -liegt der Gedanke nahe, daß ihn der enge Rahmen feines erlernten Gewerbes nicht mehr genügt und er di« Roßschlächterei gern« in eine Judenschlächterei -umtzewaNdült sähe. Dem Manne kann nicht geholfen werden, denn in seinem Falle handelt es sich nicht um den Scheideweg, sondern um den Weg direkt ins Kriminal wügon verübten Riesenbetruges. Pietät. Eine Eigenschaft, ^ren wir Juden uns mit Recht Vor allen -anderen KonfSMmen rühmen können, ist die Pietät. Diese äußert sich nicht nur in der Ehrfurcht vor Vater und Mutter, nein, auch unserer großen Führer wird mit einer Liebe gÄacht. die Nur Sin Kind dem Vater entgegenbringt. Mit Recht sagte daher Oberrabbiner Doktor CHajes in einer, im „Jüdischen Nationalkalender" wi-edergegebenen Ansprache -an die -akademische Jugend: „Ganz eigenartig ist das Verhältnis der Inden zu Moses, dem Gesetzgeber unserer Religion. Mosche rabbenu, Ntoses, unser Lehrer! Me viel Herzlichkeit, wie viel Intimität steckt doch schon in dieser Bezeichnung! Kennt man etwas AehNliches in dem VerhalNvis von Religionsgenossen zum Gesetzgeber? Wenn sich der fromme Christ oder >d-er fromme Moslim in seinen verzückten Träumen seinen Relizjonsstifter vorstellt, so derckt er an irgend eine göttliche Er- -schünmng, und wenn er -ihn sehen könnte, er würde auf die Knie fallen und ihn -anbeten. Für uns ist unser Moses unser Lehrer, der Lehrer eines jeden von uns." Und so wie Dr. Chajes ganz richtig unser Verhältnis zu Moses charMevifierte, so fft unser Verhältnis .zu den übrigen hervorragenden Männern Israels, denen wir restlose Verehrung übers Grab hinaus zollen. Und doch gibt es -unter uns Juden eine Partei, die sich zwar so gebärdet, als ob Nur sie das Recht hätte, das Judentum höheren Orts zu vertreten, in Wirklichkeit -aber von den wahren jüdischen Charaktereigenschaften nichts Merken läht. Die „Morgen-Zeitung" bringt in ihrer Ausgabe vom 3." Sep-

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