Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 19 (15.9.1921)
- Date
- 1921-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr: 19 Lieber exMMt; M» dieses. JMntzr-M.B<.JpchaNW^U-. Saccaüs' hsHMW immer größere. KrHe, -drmK - immer - tiefer m W'Bäwußtfem der Manschen em, tritk stmner siegreicher in der Geschichte'einher!" Ein anderer Kernspruch ist es, in dem Jellmek seinen „Talmridjilden" schildert: -„Kr.A nicht schlaff und schläfrig, 'ifeirt Kopfhänger und kein Nachbeter, nicht leichtgläubig, und äbergläUbrg, kein finsterer Frömmler^ und kein, bereuender Betbruder sondern. M. freier Mann, >de.r von seiner Geisteskraft vollen und frischen Gebrauch macht, um die Erschemungen, 'die ans ihn einNMkev zu verstehen und aus den Wog der Erkenntnis immer weiter sortzuschreiten. -Er ist difit Mann des F r ie^em s, reizt nicht, hetzt nicht, schreit nicht, verabscMt Stamm gegen Stamm, Sprache gegen Sprache, KonMdn gegen. Konfession, aufzustacheln, Hatz und FeirW-aft zu erregen Wie die Biene aus Blumen Honrg saugt,, sq weiß er aus den Blättern des Talmuds seinen' Geist W friedfertiger menschenfreundlicher Lchre, die er dann im praktischen Leben, jm' Hause, in der Gemeinde, im Staat, im Verkchr mit -allen BMern und Religionsbekenntniffen zu 'befolgen und zu beobachten, sich bemüht. Er fft ein treuer Jünger des ersten h o h e n P r i e :t ers (Tplmid schel Ahron). Er liebt und' fördert den Fr ied en." So lehrte, dachte, schrieb, sprach und wirkte er, Ahron Jellinek, dieser Hohepriester des neuz eitl.iche n Juden tum s, ein. halbes Jahrhundert, bis zu seittem 74. Lebensjahre. Nach schwerem körperlichen Leiden,, nach dem Verlust seiner Gattin, erfolgte sein 'Heimgang in die Ewigkeit. Am 28. Dezember 1895 entriß ihm Imperator Tod den blühenden und reiche Früchte tragenden. „Ahr onstab", mit. dem er Millionen priesterlich geleitet und schloß die beredten Lippen, aus 'denen Honig und Milch, vom 'gelobten Lände der GoÄeserkenntntis, der Thom mrd der Wissenschaft in Fülle geflossen, zur Belebung des Geistes und zur Erbauung der Herzen.. Die Trauer um ihn war eine allgemeine, nicht nnr int Wien, wo, wie um den biblischen ersten Hohenpriester das ganze Haus Israels weinte, mit seinen drei Söhnten urib‘ zwei Töchtern und deren Familien, die große Gemeinde erschüttert trauerte, die Tempel in schwarzen Hüllen wehklagten und tvährend des riesigen Leichenzuges die Straßenlaternen der Stadt brannten, in ganz O e st e r r e i ch - U n g a-rn und Deutschland und soweit die HiobSkuiche in die Welt gedrungen. ' An seinem Grab sprachen die Amts-brüder M. Güdemann,A. SchmiÄl, I. Wolf, Rektor Schwarz, M. Keiserling, Budapest, und Ab Kisch, Prag, und. an den folgenden. SMhqthM die Geglichen und Wortführer Europas von dem schweren Verlust eines großen Fürsten im Reiche des Geistes, ttÄhrend seine Schüler, zu denen ich stets mit Stolz mich zählte, den ölisaischen Schanerzensruf „Vater, Väter, Wagen Israels und seih Lenker" tränenreich durch alle Lande trugen. Vorwärts tvie der Wagen und sein Lenker wollte er ganz Israel brirrgen, ihnen das hohe ethische Rslitzionsideal in kristallener Klarheit vor- und daHÄlen. Daher singt und klingt es in dar Seele aller, wcis der unsterbliche Iellinek einst geredet über R e l ig i o n und die Art i h rer D a r st e l l u. n g. „Die wahre ReMion soll nicht, nur dm Geist erleichtern von WahngsWpm und TruggeftMen befrererr, sondern wie die Svmw auch erwärmen. Denn die relilgiöse Aufklärurdg, die.Mht die Tiefe des Hm-zens dürchdringf, gleicht den WMersomlenstrählen, die «ruf eine harte Eisdecke fallen, es. gsitzevt nM glänzt, scheint und schimmert, spielt ver¬ Seite 5 schiedene Farben, und doch, ist das fruchtbare Leben der Natur unter Einwirkung des Frostes erstarrt, nur wenn das Herz von Gott erfüllt ist, , ihn warm und lebendig hegt und fühlt, entstchb der Funken religiöser Beg eisternn g, welche die Seele durchzuckt, entslaiümt, sie bald in heilige, sichere, freudige, soelige Stimmung versetzt, der edelsten Vorsätze und Entschlüsse fähig machte" Was diese Eigenart seiner religiösen Vorträge anlangs, die viele veranlaßt hat, ihn den lebendigen M i drasch zu nennen, daß külvdet sein Goldmnnd bei der BchanhAng der rah.binischen Poesie, Agada. Sie wendet sich an die Vernunft und gibt ihr durch tausend Sprüche- Gleöchmsse, Sinnbilder und Erzählungen,, eine sichere Anleitung des Eich ebens vom Niedrigen, des Edlen vom Gemeinen, 'das Gute vom Bösen, zu unterscheiden. Sie beruhigt, beschwichtigt, und tröstet das Herz, ermutigt in Stürmen des Lebens und der Geschicke und der Geschichte. Sie ist em funkelnder Edelstein, dessen Farbenspiel das Auge ergötzt, wie das Manna irr der Wüste, das den Wandler einst lcchte, stärkte, erquickte und die wunderbare Eigenschaft befaß, daß jedes Lebensalter, Kind, Jüngling, Mann und Greis in ihnen den Geschmack einer Speise fand, die ihm zusagte. Sie gleicht den Most, der jung und mild 'die Seele heiter stimmt,die Zunge löst und . zu gefälligem. Gespräche ermuntert. (Schluß folgt) Kongreßreden. Bon dem Kongreßbilde empfing man den angeftrtzbten starken Eindruck. Er war Nicht anders zu erwarten. Di« altbewährten geschickten Spielleiter waren seit Wochen fleißig am Werke, das Auftreten erster Kräfte von weltzionMschöm Ruse war gesichert. Wäre es nicht frivol, körmte man sägen, daß ein Schlageirprogramm auf der Tagesordnung stand. Allerdings nicht ganz im Sinne der Veranstalter, denn manches war ans 'dem Rahmen der gepriesenen Einigkeit gefallen. Weizmann und S okol o w als die ersten Redner brachten von früheren Veranstaltungen her Alkbekaninties, ergänzt durch die« palästinensischen Geschehnisse 'der jüngsten Zeit. Vorwiegend in den Ausführungen der beiden leitenden Männer war das ihnen eigene Selbstbewußtem, die Befriedigung über das bisher Errungene und die starke Zuversicht. Allerdings klang in dem Weitzmannfchen Optimismus ein deutliHSr Unteotvrr' des Mißtrauens irr der amerikanischen HUfsgenetigtheft und das Verhalten der arabischen Palästinabevolkevung. Auch Sokolow war von des Zweifels Waffe hinsichtlich des Völkerbundes nicht frei, „dieser Völkerbund, der den beispiellosen ukrainischen Judenschkachteveren uNbewegit Wgesthen hat." (Und auch dem arabischen Pogrom. Dst Red.) Trotz alledem halt Sokolow an stmen holden Träumssveien fest, daß es mit den Arabern zu einer Berständiaung kommen werde, daß der Minoritätenschütz den Juden in der Diaspora zugute kommen müsst und was allem 'die Krone Äer Schwärmereien auffetzL, daß das befreite polnische Bock dem jüdischen Volke Gerechtzitzkert widerfahren lassen werde und — der nächste Zilouistenkcmgreß aufs Jahr in Jerusalem! So wert hatte die lGache den schönsten Ber-laus genommen urw onrer befrieditzenden Abwicklung wäre nichts im Wege gvftarwen — bis auf die amerikaMischs Opposition. Man war rn Werzmann-Kreisen aus einen kleinen Sturm gefaßt, aber daß es zu einem sörmVchen Orkan kommen werde, ahnte niemaM», als sich Simon erhob Die Woh.rheik