Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 18 (1.9.1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063921--11430-3078833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 18 Die Ausgrabungen in Tiberias. Pvosessor Schlusch berichtete in Anwesenheit Herbert Samuels und zahlreicher sonstiger Notabeln über die Fortsetzung seiner Ausgrabungen in Tiberias wahrend der Arbeitsperilode.vom 1. Jjar bis. 20. Siwan. Von der Synagoge wurden weitere Mauern und Säulenhallen bloßgelegt. Deutlich erkennbar wurde der Sitz der heiligen Lade. In der Nähe dieser Stelle fand man elf marmorne Gerätschaften, unter anderem auch einen großen Marmorsessel mit einer Vertiefung zum Einsetzen der Füße während >des Sitzens. Die sefardischen Chachamian glauben, daß es sich um einen bei Beschireidungen üblichen Elisahu-Stuhl handle. In .der gleichen Woche wurde eine Marmortafel mit koptischarabischer Inschrift aus dem 10. Jahrhundert Ider gegenwärtigen Zeitrechnung gesunden, wobei zu bemerken ist, daß der Verfasser des Kastor Woferach, Cstori haparchi, ausdrücklich erwähnt, daß die Synagoge in Tiberias in christliche Hände gefallen war und erst später wieder von Juden in Besitz genommen wurde, um endlich moslimisch.es Eigentum zu werden. Eine Marmorplatte, offensichtlich jüdischen Ursprungs, weist Gravierungen .von Citrus- Formen, Oelkrüglein, die auf den Münzen Vorkommen, Weintrauben in einem Kreis und .Mantus-Formen auf. Am interessantesten ist wohl der Fund einer Menorah, die in. allen Einzelheiten den Angaben über den Tempelleuchter in Exodus 25,37 entspricht. Nach der Ansicht des Vortragenden ist dieser Leuchter absichtlich 4m Boden vergraben worden, als die Inden gezwungen wurden, die Synagoge' zu verlassen. Diese Menorcch ist das erste heilige Gerät, das aus dem palästinensischen Boden 'ausgegraben worden ist. In den letzten Wochen wurde >die Nordmauer des Gebäudes bloßgelegt, die in einer Dicke von 66 Zentimeter mitsamt dem Bewürfe vorzüglich erhalten ist. Abgeschen von Säulenreihen und Mauerteilen wurde noch eine große Tischplatte aus Stein mit Vertiefungen sowie Marmorbänke, gesunden, die offenbar zur Aufstellung von Krügen für Händewaschen' eingerichtet waren. Neben einer dieser Bänke endete der Wafferkaual. Schließlich begann man vorbereitende Ausgrabungen zwischen den Säulen in der Residenz des Herodes. Aus jenen alten Zeiten wurde die sogenannte „Stoa" aufgedeckt, zwei gegenüberliegende Mauern, auf denen sich große marmorne Säulen erhüben, dazwischen ein weißer Mosaikboden in Breite von drei Metern. Aus dem nördlichen Friedhossfelde fanden sich Reste aus dom 10. Jahrhundert, die pt Teil, noch nicht genau untersucht sind. DemnäcUt wird ein ausführlicher Bericht über die Grabungen erscheinen. „Woja"-Mittelstandsküche. Die Schließung, der vom Joint gegründeten und erhaltenen großen Gemeinschaftsküchen war für Hunderte Familien ein Unglück. Geradezu über Nacht kamen sie mn das tägliche Mittagsbrot, das in gleicher Weise zu erreichen, völlig ausgeschlossen war. Rasche Hilfe erschien Gebot. Es schien, als ob sich die Öffentlichkeit um das Los der in Not Geratenen nicht kümmerte. Im Grunde genommen war es auch so! Inzwischen hatte aber Herr Rabbiner Dr. M. R o s emaun in aller Stille eine „Wirtschaftliche Organisation Jüdischer Angestellter" gogründot und mit Energie und Umsicht im Vereine mit einigen tatkräftigen, hervorragenden Männern (Prof. Dr. S. Krauß, Dr. Kaminka, Schulrat Dr. A. W e i ß, Karl Blume, Oberrechnungsrat R o b i t s ch e k, Wasseru. a.) aus nichts geschaffen. Als Ergänzung und Kräftigung des Vorstandes der „Woja" rief >er auch. ein Kuratorium ins Leben, dem führende^ Männer und Frauen des Wiener Judentums Seite 13 augchören, darunter Oberrabbiner Dr. P. C h a j e s, Präsident Prof. Dr. Pick, Abgeordneter R. Stricker, Frau Kommerzialrat I. S e i d l e r und Lisette F ei ber. Mit der Kraft dieser beiden Körperschaften ausgeftattet, unternahm >os mum der Präsident der „Woja", Rabbiner Dr. M. Rosenman n, nach schwierigen Verhandlungen und BorarbMen >die beiden Mrttelftandsküchen vor der Auflassung zu rotten und den 1806 täglichen Besuchern die nahrhafte Mittagskost zu sichern. Das Grundkapital für dieses Unternehmen Nldete zunächst der starke stMchd Wille, helfend einzugreifen. Aber auch die ftnanzielle Voraussetzung war gegeben durch namhafte GekdoMel, die Rabbiner Dr. M. Rosenmann aus dem Erträgnis einer veranstalteten Akademie sowie aus Beiträgen edler Menschenftounde zusammenbvachte. Die >beiden Mittelstanldsküchen in der Rohauerkasevne und in der Grüochengasse sind nach einer vinmonatlichen Uniterbvechung am 1. August lvikder eröffnet worden und an den Tischen dieser streng rituell geführten uttd beaufichtilgten Mittelftandsküchen wird ein sehr schmackhaftes, reinlich serviertes und zureichendes Mittagessen für 25 K geboten.. Die schwerste Sorge, welche auf diesem Unternehmen ruht, ist die Lokalftage. Das Ministerium für Heerwesen hat der Küche in der Roßauerkaserne nur kurz befristete Unterkunft zugestanden. Die jüdische Öffentlichkeit hat die heilige Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß »die beiden Mttelftandsküchen zu einer dauernden Institution werden. Das „Joint Distribution Committee" stellt unter gewissen Bedingungen der „Woja" (Zentralbüro, IX., Bevggasse 7) mehrere.Millionen zur Verfügung. Die Erfüllung dieser Bedingungen hängt aber nicht zum geringen Teil von unseren Reichen ab. Oft und oft wird in Amerika gefragt, was foeitit die Wiener Judenhoit zur Erhaltung des Wiener jüdischen Mittel- und AngfteMenstaNdes ihrerseits leiste. Rabbiner Dr. Rosenmann ist wohl der Mann, um eine Sache energisch und erfolgreich durchzuführen, allein auch da heißt es: W e no s su i t o ch, man helfe ihm die Last tragen!. Rabbiner Dr. David Feuchtwang. Alexander Wekerle. Die letzte Säule, die von der entschwundenen Pracht des altlibemlen Ungarn zeigte, ist mit Alexander WÄevle verschwunden. Im großen Befreiungsjahre der Revolution geboren, hat er, aus bescheiden bürgerlichen Anfängen durch Begabung unid seltene Charakterstärke sich zu den höchsten politischen Stellen seines Vaterlandes emporgearbeitet, dom er wiederholt in den schwierigsten Lagen als Netter erschien. Alexander Wekerle, dessen Stern unter Kolo man Trsza aujging, blieb sich in seinen Grundsätzen stets getreu. Demokrat im vollsten Sinne des Wortes, verschmähte er alle Zeichen äußerer Ehrung, wie Orden, Standeserhöhung und dergleichen. Praktisch -in der Politik war er doch von den Idealen der Menschheit durchdrungen. Von solch einem Manne, der sich den Kampf gegen jede Art Unterdrückung zur Aufgabe machte, konnte man es auch erwarten, -daß er als Ministerpräsident die wirkliche GleichberechtiMng der Juden Ungarns gesetzlich Megte und sich in allen als Pionier der Freiheit bewährte bis zum letzten Atemzuge, bis zu seinem Märtyrertum, das er unter der Regierung des christlichen Kurses erlitt. Alexander Wekerles Andenken wird nicht nur in der Geschichte Ungarns, sondern bei den freisinnigen Nationen aller Länder fortleben. Ein unzeitgemäßes Blutmärchen. Sonst spukte derlei kurz vor den Ostortagen und suchte >die grauenhaften Opfer blutgieriger Juden unter den unschuldigen Chmstenkindevn. Der polnischen höheren Soldateska blleb es Vorbehalten, das rituelle Attentat der Juden auf den Spätsommer zu Die Wahr henk -a