Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 18 (1.9.1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 § r -X: Dir Wahrheit y«. io verlegen und als MLvchver einen Legionär zu erkiesen, der sich bei der MMtärkommandantur mit schweren Schniwvuenden meldete, und -angab, daß ihm diese von drei jungen Juden im naheliegenden Wald zugefügt wurden. Der Kommandant ließ sofort alle Maßnahmen treffen und wer weiß, welche Folgen sie gehabt hatten, wenn der wahrschecktlich hysterisch veranlagte Mann nicht am folgenden Tage bekannt hätte, daß er sich die Wunden selbst zugefügt hatte. Jiwischer Bund. Ein über alle Kulturstaaten sich erstreckender Verband ist begründet worden. Das Höchste an Idealen, die weitestgehenden Ziele cm humanitärer Wirksamkeit, sind als die Grundfesten dieses echt in heilig überliefertem Sinne geführten Unternehmens seftge-legt worden. Wöchnerinnen-, Säuglings- und Kinderfürsorge. Jeder dieser drei Fccktoven bildet allein eine unendlich große Mtion, sie alle drei ergänzen sich so glänzend zu einem Gefüge, das harmonisch eines ins andere hinübergeleitet. Die gesamte jüdische Welt soll und wird teilnehmen an dieser Gründung. Ihr Augenmerk richtet die Mtion gegenwärtig auf die Bris Miloh, rituelle Beschneidung der Knaben am achten Tage nach der Geburt. In zweifacher Beziehung soll gewirkt werden, 'bei den Reichen, dem MittÄstande und den Armen Aufklärung darüber zu geben, daß die Bris Miloh nicht als Operation zu bezeichnen ist. Ferner die rituelle Beschneidung dem Mittelstände und den Unbemittelten leicht zu ermöglichen, indem alles vom jüdischen Bund" kostenlos beigestellt wird. Diese Aktion hat in Wien bereits mit schönstem Erfolg eingesetzt. Es wurden in einer Woche 'bereits sieben BeWneidungen des Mittelstandes und Unbemittelter durchgesührt. An die Sanatorien, Spitaler, Gebärklmiken und alle Hebammen ergeht der -Aufruf, von nun ab die Geburtsanzeigen an das MatrÄelamt der israelitischen Kultusgemeirwe -innerhalb 48 Stunden gelangen zu lassen. Um die Gründung des „Jüdischen Bundes" hat sich besonders der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgrmeinde Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Pick verdient gemacht, der die Wichtigkeit dieser Ziele sofort ernannt und gefördert hat. Herr Oberrabbiner Chajes ließ durch Leitung der Kommisiionssitzungen und Verfügungen seine Förderung diesem Änternchmen angedeihen. Die Herren Kultusvorsteher Dr. Fried jung, I. Austerlitz, Dohan, Dr. I. Auerbach, S. Bo nd r, W. P appenheim, O. März, sowie die Sekretäre Dr. Adler, Fuchs gelb, Dr. Stern und Dr. Freud mann haben sich alle um das Zustandekommen besonders in eifrigster Ttigkeit verdient gemacht. Mcht zuletzt das Mairikeramt durch seinen provisorischen Leiter Herrn Rosenfeld und das Kind erfürsorgeamt-durch Obeoffizial Lemberger. Jakob Königfest. Bor wenigen Tagen verschied der älteste Tempelbeiuchvr des Vereines Aeschel Awrohom, Herr Jakob Königfeft. Mit ihm schied eine der würdigsten Gestalten dieses Gotteshauses aus dem Leben. Wer noch vor einigen Jahren den strammen Greis mit dem wallenden, sWerweißen Barte am VersöhuUngstage im Betmantel gehMt sah, glaubte einen Hohenpriester aus altersgrauer Zeit vor sich zu sehen. Er hatte in seinem Wesen etwas priesterlich Sanftes, Liebevolles, das jeder an chm liebte. Seine Beliebtheit kam auch bei seinem Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Eine große Zahl seiner Freunde eÄte herbei, um den würdigen Greis zu Grabe zu geleiten und den allverehrten Söhnen chr Beileid auszudrücken. Diesen schließen auch wir uns an, denn auch wir verehrten in 'dem milden Greis den wahrhaft frommen Juden. Friede seiner Asche! L Vermischtes Z VI. Kunst-Ausstellung in Baden. Ein Gang durch diese gut beschickte Ausstellung vermittelt uns ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten. In erster Reche;ift wieder zu nennen Meister D. K o h n, der lediglich mit einem Werk vertreten ist, das aber als „einzig" bezeichnet werden muß. Der durchgeistigte Kops eines alten Talmud- Juden, dessen Ausdruck durch die kombinierte Rötel- und Kohlen-Technik besonders gehoben wird. Derselbe Kopf ist auf dem Blatt in stark reduziertem MaßstLb und anderer Ausführung wiederholt, in der Art der Radieveranfiden „Epreuve d'Artiste" Blättern. Auch dieses Blatt ist eine Probe der Meisterschaft. Es ist erfreulich, daß dieser Meister Schule macht. Die Arbeiten seiner Schülerinnen, Marylka Beeth und Adele Bloch bekunden die Vorzüge der Technik ihres Lehrers nnd lassen weitere Fortschritte erwarten. Die bekannte Porträtmalerin Frau Annie Stirauß-Go ldbvrgers bringt zwei fein ausgeführte Miniaturen, von welchen das Damenbildnis in Altwiener Tracht mit den besten alten Werken konkurrieren kann. Ein größeres Pastell-Porträt ist von besonderer Anmut, zu welcher das Modell seinen Teil beiträgt. Mt einer ganzen Kollation ist der Landschafter Jakob Koganofsky vertreten. Diesmal ist eine starke Neigung zum Impressionismus festzustellen und trotzdem muß man die hervorragende Qualität seiner Bilder, Alleen! aus dem Dobbechofspark mit den glänzenden Sonnenflecken, lobend anerkennen. Ein sorgfältig durchgar'beitetes Interieur ist ganz in Licht getaucht. Es Ware gewiß noch manches BiÜ> zu nennen — aber dieser Bericht macht auf Vollständigkeit keinen Anspruch. Man verläßt die Ausstellung mit dar Uaberzeugung, daß die Juden auch für die bildende Kunst hervorragende Eignung anfweisen. A. B. Fulovar, 25-jähriges DienstjubilLum. Wie wir erfahren, begeht der Obertanwr dec dortigen israelitischen Knltnsgemeinde Herr Adolf Schwarz am 3. September d. I. sein 25-jähriges Dienst'ubilän.n. Trauungen. Sonntag, Pen 28. v. M., fand im P a zmanitenLempel die Trauung des Fräuleins Hilda Diamant, Tochter des Herrn Daniel Diamant, langjähriges Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom" und seiner Gattin Fanny, geborene Herzog, mit Herrn Richard Herzog, statt. In seiner Rede entwarf Herr Rabbiner Dr. S. Funk ein schönes Bild von dem Leben und Wirken der Eltern und Lchnen der Familien Diamant, Herzog, sodann sprach er von den vorbildlichen Tugenden der Bvauteltern, würdigte deren musterhaftes Familienleben, und jüdisches Empfinden, was dem jungen Brmtpaar zur Nachahmung empfohlen wurde. Die fonioraie Funktion besorgte Oberkamor I. G i b l i ch m a n n. Sonntag, den 20. August fand die Trauung des Fräulein Paula M e da k, einer Tochter des Vorstandsmitgliedes des Josesstädter Tempel-Vereines Ludwig Medak und seiner Gattin Johanna, mÄ Herrn Architekt Eugen Bauer statt. Rabbiner. Dr. Bauer foec: den Trauungsakt vollzog, richtete an «das Brautpaar eine überaus herzliche Ansprache, in der er aus die großen und schönen Verdienste hinwies, die sich der Brautvacker um den Neuidegger DempÄ erworben. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Schneeweis. Franzensbad. Eine Gesellschaft von Kurgästen beranstaltete am 10. d. M. im Hotel Grand einen gemütlichen