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Die Wahrheit · 1921-09-01 · Heft 18 (1.9.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 18 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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SSSHBSasssras Nr. 18 Die Wahrhsi!__Seit« 11 eifersüchtig,e Streber zerstört wurden. Dieser Umstand, auf den so oft hingewiesen, wird durch eine Jerusalemer Korrespondenz Hugo Bergmanns neuestens in der „Jüdi»- schen Volksstimme" bestätigt, der seine Ausffchrungen mit der trefflichen Ansicht schließt: Eine Aenderung kann nur kommen, wenn im Zionismus wieder einmal —■ wenn 'auch auf höherem Mveau — der praktische Zionismus den politischen Möst. Wir können nicht zurück zum kleinen Maßstab früherer Zeiten, aber wir müssen das Bauen, das Kolonisieren an die erste Stelle rücken. Ob die politischen Führer mit ihren Machitträumen zu dieser Umstellung des Denkens fähig sind, weiß ich nicht. Aber die Wirklichkeit hat keinen Platz für politische Deklamtionen. Polditfca ancilla realitatis — das ist der Weg. Worte trennen, Tatsachen vereinigen. Nicht nur in Wildungen. Dem „Israelit" wird -aus Wildungen geschrieben, daß es dort einen den Neueren wenig bekamrten Judenbrunnen gibt, von dem die Leinde berichtet, daß er vor -Jahrhunderten von einem jüdischen Hausierer entdeckt und seine Heilkraft «erkannt wurde. Dieser Brunnen wäre vor Zeiten den reichen Waldecker Juden beinahe zum Verderben geworden. Denn infolge übermäßigen Genusses dieses Mineralwassers -erkrankten viele -aus der. Bevölkerung, worauf natürlich das alte Märchen von den Inden als Brunnenvergifter prompt eiusetzte. Viele reiche Juden wurden ergriffen und erngekerkert. Die Angehörigen der Unglücklichen gingen zum Rabbi und fragten um Rat. Der fromme Weise antwortete ihnen: „Wohltun rettet -vom Tode". Da nahmen sie von ihren Reichtümern, und -überall, wo Not und Elend war, spendeten sie mit vollen Händen. Der Gras von Waldeck, vor den die Angelegenheit gekommen war, ließ das Wasser untersuchen und seine Heilkraft wurde bestätigt-. Da wurden die Eingekerkerten freigelassen. Die Quelle erhielt eine schöne Fassung und wurde von da -ab „Judenbrunnen" oder „Wiesenquelle" genannt. Viele, viele Jahre sinld seitdem vergangen-. Heute strömen alljährlich Dausende von Leidenden zu den Heilquellen nNd unter ihnen eine große Anzahl von Inden. Ein großes Hotel hat sich unter Aussicht eines Rabbiners gestellt und bietet auch den Frömmsten die Möglichkeit, hier zu -leiben. Eine herrliche Synagoge erhebt -sich in der Stadt, und was bisher noch dem gewissenhaften Jehudi fehlte, wird gegerrwärti-g auch eingerichtet. Aber viele, vielleicht die meisten der jüdischen Besucher verschmähen jüdische Speisehäuser. Sie suchen in den 'großen Hotels Unterkunft und Verpflegung, meiden das Gotteshaus und mischensich nur -am Brunnen unter ihre Glaubensgenossen. Aber gerade dort und in den Promenaden und bei festlichen- Veranstaltungen erkennt der Judenhaß das Objekt, aus das er sich richtet, und zwar nicht, zum wenigsten an dem übertriebenen, mit aller Unvernunft zur Schau -getragenen Luxus. Wenn all die Edelsteine -und Perlen, die ihre Träger verunzieren-, den vielen Unglücklichen geopfert werden möchten, von denen die Zeitungen berichten, welche Menge von Elend könnte da -gelindert weiden!' Wie -angebracht wäre heute -des weisen Rabbis weises Wort denen gegenüber, die hierher kommen, um die Steine zu verlieren, die ihr Leben bedrohen -und sich törichterweise mit Steinen beladen, die ihnen neue Leiden verursachen. Mer es gibt wenige Weise und man hört nicht gerne auf sie. So weit der Bericht, der den zutreffenden. Titel „Der Stein -der Unweisen" 'führt. Betrachten wir aber das moderne treiben der neuen Reichen -in vielen anderen Kurorten, wie Baden bei Wien, Ischl, Gastein, am Wörthersee oder weiter hinaus in den Ostseebädern, dann müssen wir leider bekennen, -daß der Stein der Unwvisen nicht nur -in Wildungen -unliebsam bemerkt wird. Ansätze zu bayrischen Pogroms. Anfangs August war die gute Stadt M e m m - u?? n de: Schauplatz antisemitischer Ausschreitung, wobei das Geschäft eines jüdischen M'ichhändlers geplündert und dieser selbst von dem aufgeregten Mob -arg mißhandelt wurde. Gegen 'die Anstifter und Teilnehmer an den Krawallen in Memmingen ist uuerwarteterweise, den bei der Regierung Kahr kommt so was selten vor, das Strafverfahren eingeleitet worden. Nach der amtlichen Darstellung ist -als treibende Kraft der Kundgebungen der Arzt Dr. Sizius anzusprechen. Nach Aussagen des Stadtrats Mayrock, des Führers der christlichen Gewerkschaften, hat Dr. Sizius ihn bereits am Freitag zu bestimmen versucht, „endlich gegen die Juden vorzugehen", -da doch diese -die meiste Schuld an der jetzigen Teuerung trügen. Mayrock hat das Ansinnen ganz entschieden zurückgewiesen und Dr. Sizius vor einem derartigen Unternehmen gewarnt, da dadurch nur die Masse auf die Straße gehetzt werde. Ms Siziu-s sah, daß Mayrock nicht dafür zu hüben war, wandte -er sich an einem linksradikal bekannten Arbeiter, offenbar mit besierem Erfolg. Hier haben wir den typischen Fall der mitteleuropäischen Pogromversuche. Irgend ein verbrecherischer Intellektueller ist Anreger uitd Führer der Angriffe auf jüdisches Gut und Leben und einige Deklassierte wissen den Rummel in die Wege zu leiten. Die Protokolle der Weisen von Zion. Bon allem Anfangs an bestand bei den Sachkundigen kein Zweifel, daß die berüchtigte Hetz- und Berleumdungsbroschüre über die Geheimnisse -der Weisen von Zion der schmutzigsten Lügenliteratur des Antisemitismus boitzuzi-chen ist. Nur hatte man dem unbekannten Autor die zweifelhafte Ehre angetan, zu glauben, daß er sein Gift in eigener Werkstatt bereitet habe. Nun stellt sich heraus, daß seine Intelligenz nicht einmal zu diesem elenden Machwerk reiche und ein ganz erbärmliches Plagiat vorliöge, -eine Adaptierung ähnlich wie die Veröffentlichung der „Reichspost", die vor kurzem -eine großdeuksche Brandrede -gegen Italien in das Gegenteil uMdichtete, oder wie man während des Krieges ans -alten illustrierten Blättern infe armenischen Greuel zur Schmach der Deutschen modernisierte, so daß es den Anschein hatte, daß die armen Opfer Belgier vder Serben waren. Es «ergibt sich nun, daß die erwähnte Flugschrift vom sattsam -bekannten Lockspitzel Raczkowski herrührt. Leute dieses Kalibers geben sich zu jeder Schandtat her, wenn sie Geld trägt. Raczkowski hat sich dabei gar nicht angestrengt, sondern eine alte französische Arbeit für die vorgeschriebenen Zwecke neu hergerichtet. So arbeiten sie alle, diese Auswürflinge. Zionistisch-Byzantinisches. Anläßlich der Ausrufung Emir Feysuls zum König von Mesopotamien hat Dr. Eder, der Leiter der Zionistischen Kommission (Waad Hazirim), an König Feys-ul folgendes Telegramm geschickt: „Ich habe das Vergnügen und die Ehre, -im Namen der Zionistischen Organisation in Palästina, wie auch in meinem eigenen, die >aus der Tiefe unseres Herzens kommenden Glückwünsche zu übermitteln zur Beseitigung des Kölligsthrones von Mesopotamien; mögen die Tage Eurer Regierung lange und ruhig sein." Werbet Abonnenten für unser Matt? <1 h

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