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Die Wahrheit · 1921-09-01 · Heft 18 (1.9.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 18 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. iS Di ß Wahrhsik Seite 9 Wir dürfen bloß einen polierten Kristall mit einem Zusatze des philosophischen Steines in einem Schmelztiegel „mit Verstand" dreißig Stunden lang glühen lassen uvd dann mit Brunnenwasser Möschen, „darinnen zwanzigmal ein glühender Stahl ist abgeilöscht worden", so halben wir einen Demant, „der gerecht und gut". Ebenso einfach ist die Bereitung großer Perlen. Wir zerstoßen kleine wertlose Perlen, erhitzen sie mit Quecksilber und Silberschwefel, bis sie „fett und -glutinofisch" werden. Von dem so erhaltenen Brei mengen wir hundert Teile mit einem Teile vom Stein der Weisen und gießen diese MischNng ingoldene oder silberne Perlformen. Werden die Perlen nun gelinde erhitzt, „so werden sie in kurzer Zeit wieder so hart, wie zuvor und von einem großen Glanz". Indem ich hier innch'alte, sehe ich im Geiste um die Lippen meiner Leser ein Lächeln schweben, welches besagen will, daß es den Juwelenhändlern trotz alledem noch nicht ans Leben gehe, und ich fürchte fast, daß auch das nachstehende Wahrheitszeugnis nicht genügen werde, sie eines Besseren zu belehren. Auf dem letzten Blatte des Buches befindet sich nämlich in verwitterten, doch kräftigen, fast eleganten Schriftzügen folgende, von einem früheren Besitzer desselben herrührende Erklärung:' „Diesen ganzen Prozeß hat Herr Dr. Dreyberger in Olmütz wahr zu fein befunden, und obschon er viele saure Arbeit kostet, so belohnt er doch in der Wahrheit selbe reichlich, und währt auch nicht lange, so -daß man jederzeit fein reichlich Auskvmimen davon zu hoffen hat. Davor Gott gelobet sei in aller Ewigkeit, welcher auch dem Lommumcatoribi hujus Processi verissimi das ewige Leben gnädigst verlechen wolle. Amen. 8. Juli 1753. Fast dünkt es mich, als sähe ich chn, wie er ein Faust in einem kleinen Gemache, von allerhand Gläsern und Retorten umgeben, sitzt, wie er dann mit schnsüchigen, brennenden Augen die Ergebnisse seiner Experimente beobachtet. Aber nicht Wissenschaft, nur Gold und wieder Gold war sein Streben. Und es ist bemerkenswert, wie!die Sucht nach Gold und 'Besitz die Schranken des Religionshasses durchbricht und religwns- und rassenversöhnend wirkt. Das salbungsvolle Christenkind Dr. Dreyberger in Olmütz war vielleicht kein Antisemit, wenn er Wer die Blätter des Buches Rabbi Abr. Eleazar mit Fleiß, und Ausdauer gebrütet. Freilich weniger der Erkenntnis halber als der Habsucht willen. Denn für ihn handelte es sich vorwiegend um die mystischen Rezeptchen des"Juden, Vermöge derer er in den Besitz von gleißendem Gold käme. Eingesendet.*) Sehr geehrte Redaktion! Wien, 23. August 1921. Gestatten Sie mir, zur Erläuterung meiner vorigen, von Ihnen in Nr. 17 gerächten Zuschrift und zu meiner Rechtfertigung folgendes mitzuteilen: Ich will zunächst festzustellen, iinwieferntz die Notiz der „Morgen-Zeitung" Nr. 921, vom 20 d. M., betitelt „Die österreichischen Wahlen zum Zionistenkongreß und die Neue Freie Presse" den Tatsachen entspricht. Aus meinem vorigen „Eiugesendet" ist ersichtlich, warum eine Opposition gegen Ingenieur Stricker (nicht gegen Dr. Chajes) entstchen mußte. Zu dieser Opposition, welche Versammlungen und Sitzungen eiWerief, sowie die oppositionellen Stimmen sammelte," gchören unter anderem solche alte Zionisten wie E-isik Torczyner (II., Gredlergasse 2), Löböl Taubes (IX., Lichtenstein- *) Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. stvaße 60) imb Stabsarzt Dr. Mayer (VIII., Ledörergasse 22). Kurz vor den Wahlen wurde eine Sitzung!des Zionistischen Land'eskomitees für den 13. August eünberusen. In dieser Sitzung überrumpelte Ingenieur Stricker durch die Androhung mit seinem und mancher anderen Gesinnungsgenossen Rücktritt trie Opposition und zwang sie, da letztere die Perfonenfvage unvorsichtiger Weise nicht vorher erwogen hatte, sich mit der Ueberlassüng von zwei Mandaten zu begnügen. Die Wahlen haben also " in Wirklichkeit nicht ftattgefunden und Ingenieur Stricker hat es ebenso klug gemacht wie einige Demister vor der Kriegserklärung vom Jahve 1914: er hat sich „an Schmarrn" gekümmert um fein liebes, treues Stimmvkeh. Es wurde also bloß die vereinbarte Lffte der —sagen wir: liberal-zionistischen Kandidaten in der oben erwähnten Nummer der „Morgenzeitung" veröffentlicht. Auch ich habe natürlich fttr »bffie Opposition gearbeitet und den Eindruck gewonnen, daß sie mehr Aussichten hat als die „Regierungspartei". Wahlzetteln wurden überhaupt nicht verschickt, die Wahlmethode war also sehr einfach: Man lud durch die „Morgenzeitung" die zionistische Wählerschaft zur persönlichen oder brieflichen Abgabe der Stimmen ein. lieber die Zahl der bis zur Einstellung des Wahlkampfes abgegebenen Stimmen könnte man vielleicht Näheres erfahren bei folgenden Adressen: Zionistisches Landeskomitee (II., Zirkusgasse 33) und oben genannter Herr Löbel Taubes. Wichtiger als diese Wahlkarmpfepisvde ist die Notwendigkeit der Organisierung einer fortwährend kontrollierenden Opposition gegen den P artei - dunkel des Ingenieur Stricker und gegen das autokmtische System dieses, ach!, so unfehlbaren Parteipapftes, der scheinbar mit der Präsidentenstelle 'des Zionistischen Landeskomitees nicht genug hat, sondern außer anderen Ehrenftellen auch noch Präsident des sogenannten Jüdischen Nationalrates zu sein das Bedürfnis empfindet, ganz abgeschen davon, daß ich diesen Jüdischen Nationalrat stets als etwas überflüssiges schon deshalb betrachten mußte, weil man von ihm fast niemals etwas hört, es sei denn, wenn es gilt, politische Mandate in Verlust zu bringen, die sonst der jüdischen Bevölkerung Wiens sicher zugefallen wären. Die Opposition hätte aber auch die Pflicht, das Verhältnis der „Morgenzeitung" klarzustellen! Ist sie ein Privatunternehmen oder ist sie unser zion t st i s ch e s Organ, dann möge sie, nachdem sie die „Jüdische Zeitung" zur ewigen Ruhe gebettet hat, mit offenem Visier kämpfen und künftighin genau 'diejenige zionistische Körperschaft oder Person in der Titelauffchriist anführen, welche bereit ist, vor aller Welt die moralische und materielle Verantwortung für sie zu tragen! Auch .dies fft für das ganze politische Gehaben des Ingenieurs Stricker charakteristisch: So wie er nach Belieben einmal als Zionist, ein andermal als Jüdischnativnaler figuriert, so gibt er diese unsere „Morgenzeitung" je nachdem bald als ParteMatt, bald als Privatunternehmen aus! Nach all dem Gesagten schlage ich hiemit ganz deutlich vor, das Zionisiffche Landeskvmitee möge auf Antrag irgend eines seiner Mitglieder in der nächsten Sitzung beschließen: 1. den Ratio nalvat mit dem Landeskomides zu verschmelzen, 2. die „Morgenzeitung" zum Organ des Landeskomitees, und 3. die Sitzungen desselben als öffentlich und besonders für die Pressevertreter als zugänglich zu erklären. Hochachtungsvoll Dr. E. M. Sacher, VI., Brückengasse 2/13.

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