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Die Wahrheit · 1921-09-01 · Heft 18 (1.9.1921) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 18 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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£ette 8 H t e Wa h r h e i k Nr. IS Jüdische Motive in der Weltliteratur. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturkunde. Von einem Rabbiner. Alle Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Nessum maggior dolore, Che recordarsi del tempo felice Nelia miiseria. (Dante Alighieri (1265—1321) Hölle, 5, 121.) Derselbe Gedanke findet sich schon bei B o e t i n s (524 post) „Tröstungen djer Philosophie" 2, 4: In omni advermtate fortunae in felicissimum genus infortunii est fuisse falicem- Diese Schrift des Boetius -las Dante mit Vorliebe. Zu. Boetius selbst -aber dürfte diese Sentenz unmittelbar aus dem Midrasch rabba Ec-ha gelangt sein. Ec-Ha 1, 7 lautet es: sachoa Jerufalajim s'me arr'jah nm'rudeha kol machamüdeha ascher haju mi'me, kodem. Mn Esra liest anstatt j'me an'sah mit: Praefixum -fetkie an'fahs. Machnos k-ch-una z. St., also genau dassiekbe, was Dantes Ausspruch besagt: Jerusalem denkt in .den Tagen ihres Elends all ihrer Herrlichkeiten der vergangenen Tage. Prägnant tritt diese Sentenz mn Midrasch Rabba a. a. O. Hervor: lad te'ss'fun kallah midkra schidvah jonrin d'mischtucha: „Wenn man die jungv erheiratete Fvau schlagt, da gedenkt sie (in Wemut) ihrer 7 Hochzeitstage ... Wenn der Sohn (in Ungnade gefallen) nackt, barfuß einhergeht, da gedenkt er (wehmütig) des Nebenflusses im Elternhaus." * Schet die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und Euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid Ihr denn nicht viel mehr denn sie? (Evangel. Mathäi, 6, 26.) R. Simon b. Eleasar omer chamita mijamecha chaja w'of schejesch lcchem um'noch w'hen mithparn'ssin sch'lo b'za'r w'halo lo nrb'ran ela l'fcham'schuni waani' nibrethl l'schamvsch ech koni eni din sch'epharnes sch'lo b'za'r... (Mischn-a, Kid. 82.) Vgl. auch eine Anspielung auf dieses Gleichnis in Ber.-Radba 63 a: ... parn'ssatho m'ophepheth lo chzipor... Vgl. ferner Heinrich Groß: Hillel und seine Zeit in „Jahrbuch Mr jüdische Geschichte und Literatur", 1905, S. 58. Groß meint, das Bild ist nicht gerade glücklich gewählt, weil_der Mensch sich bei all seinem Gottvertrauen .selbst in betzW^cmf feine physische Erhaltung und intellektuelle Geltendmachung betätigen muß... Ludwig Philipp so n: Gesamm. Schriften, I., S. 277, memt gleichfalls, in dem Bilde liege „eine gefährliche Uebertreibnng", weil die menschliche Gesellschaft unter solcher Voraussetzung nicht bestehen könnte und der Segen der Tätigkeit des Menschen entfallen würde. Außerdem treffen die Gleichnisse nicht zu: Auch die Vögel des Himmels müssen die Nahrung suchen und die Pflanzen arbeiten gar wohl, um die -Säfte der Erde an sich zu ziehen... In den Ansdrücken der jüdischen Quellen: mithparn'ffin, schejesch lahem umnoth, m'ophepheth erscheint diese Schwierigkeit gemildert. * Soiamenj miseris socios habniss'e malorum. Trost für jeden im Leid ist, UngNcksgefährten zu haben. (Marlowes: Faustus (1580); Spinoza Echik (1677) 4. 57). Vgl. Tanich 11: zavath rabbim chazah nechamah. * „Habsburgs Mauern." In diesem Gedichte wird' geschMert, wie Wer Nacht der bedrohten Macht Habsburgs ungeahnter Schutz ersteht, indem seine getreuen Soldaten nin dasselbe gleichsam eine lebendige Mauer errichten. (Deutsches Leseibuch von Karl Kummer, Wien, 1906, Schulbücherverlag 228 von Simrock.) Genau dasselbe überliefert eine Legende für den Sabbathausgang: Der Prophet Elijahu, der unsichtbare Retter in Stunden der Not und Verzweifklng, hilft eineni armen, gottoertrauenden frommen Mann, em-eit Bau, den dieser ftir einen Bauunternehmer zur Ausführung übernimmt, über Nacht aufführen, so daß dieser 'srvimme Mann 100.000 Denare Arbeitslohn hiefür erhält und dadurch samt seiner Familie aus ewig beglückt wird. Dort bilden freilich die über Nacht erstandenen Schutzmauern — lebendige Krieger. Allein das Motiv der unverhofften Errettung durch tansende ungeahnte Kräfte ist hier wie dort das gleiche. Gottes ist der Orient, Gottes ist der Oceident, Nord innd südliches Gelände ruht inl Frieden seiner Hände. (Goethe: Stuttg., Ausg. 1827; 5, 8.) Zaphon w'jamin atah b'ratam taibor w'charmon b'schim'cha j'rauema l'cha s'roa iui g'burah taos sad'cha tarnen j'minecha. (Pf. 89, 13.) Ä- Der Leichnam A l a r i ch s wird von feinen Getreuen nächtlicherweile 'bestattet, indem derselbe auf den Boden des Bu s en t o, der vorher abgeleitet worden war, gesenkt wird. Das Gr.ab im Busento (Platen). Dasselbe berichtet die Agadcch von Josefs Leichnam: aran schol -epherech schel chamssch mtzoth ki-karim w'nath'nnha b'ehocha -watitm'nehu w'hilschlichuhn b'thvch hanachal... (Sotah 13). * Gottfried August Bürgers Gedicht: „Die Weiber von Weinsberg" (1775, Hamburger Musen-Almanach, 1777, S. 73) schildert, wie die Weiber der Stadt Weinsbevg den Feldherrn, der dieselbe eroberte, überlisteten. Er gewährt -ihnen die Gnade, mit dein Teuersten, das sie besitzen, aus der St>M ftei abzichen zu dürfen. -Sie erscheinen hierauf, jede einzelne ans ihrem Rücken ihren Gatten tragend. Dasselbe Moti v findet sich im Midrasch: Ein Ehegatte ist entschlossen, seine von ihm geliebte Frau, welcher der Kindersegen versagt bleibt, zu entlassen. Er räumt ihr aber vorher das Recht ein, das ihr Liebste und Teuerste im Hause als Andenken mitzunehmen. Siie bereitet ihm noch ein letztes Gastmahl, in dessen Verlauf sie ihn mittels schweren Weines berauscht. Sie bürdet den Gatten 'ans ihren Rücken und trägt ihn in ihr Elternhaus. Die Stelle lautst: kol chephez tob schejesch b'bethi t'ln otha nl'chi l^beth abicha ... (M. R. cantie. I. s. v. nagilah.) (Fortsetzung folgt! Ein entdecktes Buch eines jüdischen Alchymisten. Von Wilhelm Rapaport, Przemys!. (Schluß) Dieser Stein besitzt eine wunderbare Macht. Er heilt jpde Krankheit, verlängert das Leben, verwandelt Kiesel in Edelsteine und Muschelstaub in Perlen. Unser R-Wr. B. Eleazar verändert seine Steine und beseelt sie durch ein Zauberwort, wie später der Rabbi von Prag seinen Golem durch den Schem zum Leiben erweckte.

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