Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 18 (1.9.1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063921--11423-3078826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Die Wahrhei! Nr. 18 allerlei Deobhckiten und rohe Züge verzerrt. Es ist ja eine! „Pickelhäring "-Ko mödie. Und doch schöpfte der Verfasser der Altonaer Handschrift, der sv viele, inzwischen nachgewieserre Quellen bej nutzt hat, auch aus „Mekirath Joseph". Hin singt Joseph | auf der Wanderung zu seinen Brüdern nach Dothan atu j Schäferlied, besten erste Strophe (nach Schudts Ueberl fetzung) lautet: ,^hatts denn nit ein Schäfer gut? Er liegt auf ifccr Weyden und ruht.! Sein Schaaf und sein Widder Last «er weyden aufs und nieder. Wenn sie haben ausgeweyd So fährt er nach Haus in lauter Freud." Dieser Strophe folgt eine zweite, in der vom Nutzen der Schafschur, und eine dritte, in der vom Nutzen der geworfenen Lämmlein die Relde ist. Auch der Held des in Altona aufgefundenen Epos singt ein Lied „zum Preis der Schäferei", aus dem zwei Strophen (in etwas geregelter Rechtschreibung) mitgsteÄt seien: „Das Schäferleben ist vergnüget, Wobei man aller Sorgen frei, Wenn man gestreckt im Schatten lieget, Und wenn ein Bächlein fließt vorbei, Wenn einer schöne Lieder singet . Und sie dem Schöpfer dankbar bringet, Sich auch darin übt, Daß man den, der's gibt, Stets dafür liebt. Will dann die Sonne untergehen, Und bricht die finstre Nacht herein, So bleibt man auf dem Feld nicht stehen, Der Schäfer treibt die Schafe ein. Dann spielt er auf der Feldschalmeien, Woran sich seine Kinder freuen, Also bleibt's dabei, Daß die Schäferei v Vergnüglich fei." Der Gedaukengang jener Strophe ans „Mekirath Joseph" ist hier ausgeweitet zu einem längeren Gedicht, daß gewiß kein Meisterwerk ist, aber für das Altonaer Manuskript im Gegensatz zu den Vermutungen mancher Joseph-KriMer immerhin nach Frankfurt weist . . . Oberrabbmer Dr. Adolf Jellinek. Von Rabbiner Dr. D. Leimdörfer, Hanlburg. Ein Säkular-Denkmal. (Fortsetzung.) Außergewöhnlich war der Erfolg der Jellinskschen Vortragsarbeit, durchleuchtet vom Geiste der Gelehrsamkeit, auf den meisten Gebieten, insbesondere der bekannten und vielfach unbekannten alten und jüngeren, meist handschriftlichen Midraschim, von denen er eine Kollektion von 6 Bänden „Bet h a Midr asch" versehen mit historisch-kritischen Einleitungen, herausgab. Zwei der besten akademischen Vorträge auf der Lehrkanzel des Bet ha Midrasch widmete einst Jellinek dem Wirken Zacharias Frankels und A. Geigers, die leider bisher nicht veröffentlicht wurden, wenn ich nicht irre, auch nicht die über I. L. Rapaport und L. Zunz. Bon den nahezu 120 edierten Schriften Js. seien genannt die „Kontressim zurBibliographi e", die „B e itrage zur Kab-ala und ihrer Geschichte," „Zur Philosophie und Mystik," „No sei Zafim zur Rhetorik" von Messer Leon, „Thomas von Aquino in der jüdischen Li^ratur," „Ethnographische Studien," „Der jüdische Namen im n i ch tjüd'ischen Schrifttum" und anderes. Eine ausführliche Zusammenstellung seiner Puiblikationen gab Eh. D. Lippe in Wien 1882 und eine Würdigung derselben Joel Müller zu Js. Wiener 25jährigem Amtsjubiläum. Seine P r ed ig ts a m m lu n ge n eine Fundgmlbe rhetorischer und apologetischer Belehrung für «alle Geistlichen Mer Richtungen sind' außer Fest- und Gel e g e n Heilsr e d e n, die Werke über unser Go ttesbekenn tnis, „G v t t, Welt und Mens ch", Bzelem Elohim „Das Gesetz Gottes a u ß e r d e r T h o r a," ,.D e r Talmudju d e," dann Banld> I, II und III, Sammelbände. „Einleitung in die Thora," „Zeitst immen, 2 Teile, 18 Rüden, „K ohel e t ultd S ch i r ha schir i m". Der fruchtbare Schriftsteller publizierte mit Dr. L. Philippsohn, A. Geiget, L. Fürst und seinem Leipziger Nachfolger A. Goldschmidt, mehrere Werke des „Instituts" zur Förderung der jüdischen Wissenschaft, schrieb glänzende Essays, in seinem „Sabbat-Blatt i m Orient" (Breslauer „Monatsschrift" „Neuzeit") in fast allen in- und ausländischen jüdischen Literaturblättern und Zeitschriften, ohne die Haupksorgfalt auf die Predigt aus dem Auge zu verlieren. Selbst die grimmigsten Gegner aller freiheitlichen Bestr,ebungen anerkannten seine Gelehrsamkeit. Ich möchte hier einige Reminiszenzen aus meiner Studien- und früheren Amtszeit einflechten. Einer - meiner hyperfrommen Lehrer Rabbiner Josef Grimbaum aus Sillein hörte Jellinek und äußerte vor mir: Jellinek ist ein Lamdan Gelehrter und darschaut (prtzdigt) wie Mosche Rabenu (Moses) aber — da stellt sich ein Rao auf die Kanzel, abrasiert wie ein „Gallach" (kath. Priester). Der Rabbiner meiner Heimatsgemeinde R. Moses Neubauer, Vetter des Verwandten meiner Gattin, Professor Adolf Neubauer, lernte Stellen aus Jelliueks Predigten auswendig. Dasselbe hörte ich aus dem Munde meines früheren Kollegen in Hamburg des Oberrabbiners von Althofen, Prag und Hamburg R. Mordechani Hirsch s. A. Ms ich von meinen Probepredigten in meiner vorigen Gemeinde Nordhausen in Preußen nach Wien zurückkam und Jellinek seine Amtskleider, die er mir geliehen hatte, zurückgab, wobei er in seinem unverwüstlichen frischen Humor fragt, ob sein „Talismant" mir von Nutzen war, antwortete ich mit Jesaias: Hil bi schani bi gde jescha. Er bekleidete mich imit Gewändern des Heils —; dann ging er mit mir zu dem Buchhändler Josef Schlesinger, schrieb alle dem Geistlichen nötigen Bücher auf ein Blatt un!d meinte, für den Fall meiner Erwählung sollte er mir auf Jellineks Bürgschaft hin alles geben, ich würde schon alles bezahlen. Im Nebenzimmer disputierten laut, überlaut einige Rabbiner laus Ungarn und Polen, darunter mein Lehrer Kesab Sofer laus Preßburg s. A., so daß der 'gutbeschlagene Buchhändler sich hinein begab um zu hören. Die lauten Pilpuliften forschten nach einer ihnen entfallenen Stelle in der takmudisch-. rabbinischen Literatur. Schlesinger meldete dies Jellinek und dieser beschied: „Das, wonach jene suchen, steht im „Ta s ch b a z", schlugs auf und schickte es den Disputierenden durch Schlesinger. Einer von ihnen schüttelte das Haupt und ries mit Stentorstimme: „Nu, soll man sich nicht kor-ea" sein? d. h. soll man sich nicht den Trauerriß ins Kleid machen, darob, daß Jellinek sich in bezug auf die religiöse Richtung nicht zu den ihren zählte? Die einen kritisierten sein ,.Haar" und Barttvacht, die -