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Die Wahrheit · 1921-09-01 · Heft 18 (1.9.1921) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 18 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 18 (Seche das „EingesenÄtzt^' in unsever htzutigen Nummer.) So m Wien. In England, «im wichtigsten Lande der Ovgarrisation, -ringt man es aus diese Weife W. ganzen sechs Delegierte», daWiniber auch tzinige, deren Namen man noch«' auch schon einmal in zionistischen Krtzisen nennen hörte. Und nun gar in Erez Jisvotzl! Hier sitzt der Zionismus fest, fest und unerschütterlich in den Herren, hier atmet jeder Stein, auch der Grundstein zur Universität, jeder Baum, auch die nicht vorihandenen Bäume des Herzl- Waldos, hier atmet mit einem Worte alles reinen, echten Wsitzmannischen nattonalistifchen Zionismus; hier dringt sich jeder in Ehrfurcht und küßt die Füße des großen Propheten Wsitzmaarn und seiner Hedlskünder in den MnisA schen Aemtern. So sollte man glauben. Mer Ne Welt ist schlecht und verderbt. Auch in Palästina, wo der Fuß Wertzmanns und Sokolows getreten, wo Ussischlkin herrscht, wo ein Heer von Kulturresormen den Geist urib' das Gemüt des Juden für die große Lehr« -des Zionismus empfänglich macht und wo der Dollarstrom «doch immer noch eine gewiss Beachtung findet, auch hier hat das Uebel sich «ingenistet, auch hier wagt man zu opponieren. Hat man da jüngst in Prag gerade den Palästinensern solch wertvolle Konzessionen gemacht. Nicht 3000, wie in anderen Ländern, sondern schon 300 Schekkelzahler sollen das Glück genießen, einen Delegierten aus Palästina zum Kongreß zu eichenden. Und wirklich hat nran es zu 21 Delegierten, also zu der Höchstzahl von 6300 Schekäzahlevn gebracht. Unter diesen 21 sind aber — oh Schnecken! — nur 3 Weitznmnntreue und außerdem 4 WeitzmanntreuHr ans der Klaffe der Misrachisten, 10 an der Zchl smd die Vertreter der diversen Arbeibevgruppen. Und von diesen muß man schon manches Unangenehmen gewärtig sein. Mer damit noch nicht genug, wagt es der „Verband der Kolonisten und Städter von Erez JisrM", dem Kongreß ein Memoraindum zu übermitteln, worin in fünf Putckten kurz und bündig der ZioniistenleMmg ihre Fehler vovgehaÜen werden, womöglich noch eindringlicher und schonungsloser als in dem vorerwähnten Memorandum der Amerikaner. Da wird ihr gesagt, daß 1. das zionistische PaläftinaaMt sich bisher um die Meinung der palästinensischen BevWeMng den Teufel geschert hat -und die Beamten von palästinensischen Dingen beinahe so wenig verständen, wie vom Wiste des Judentums. 2. Man hielt bisher den jüdischen Bürgersmann für einen unerwünschten Auswuchs des palästinensischen Lebens und unterband jede Privatinitative. 3. Man hat die jüdische öffentliche Meinung absichtlich getauscht und ihr die Wahrheit über die Beziehungen der palästinensischen jüdischen Bevölkerung zu der zionistischen Organisation vorenthalten. 4. Man hat es sticht verstanden, dem Sinne und den Wünschen der gesamten Judenschast Palästinas entsprechend zu den Arabern freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Und 5. Man ist entrüstet über die Spaltung, die man unter den amerikanischen Palastmafreunden künstlich'hervorgerufen hat. Aus-solcher Stimmung kann den Nationalen kein Heil erblühen. - «Judendeutsch" bei Goethe. Bon Dr. phiil. Walter A. B e r e n d s o h n, Hamburg. In dem Streit um die „Goetheechtheit" des sogenannten Altonaer „Joseph", in dem, irre ich nicht, Pröf. Julius Petersen zuerst in der „Frankfurter Zeitung" eiste vielbeachtete und in w-eitierer Folge befehdete Abhandlung veröffentlicht hat, spielt auch eine gewiffe Rolle Manuel Schnitzers „Fall Potiphar", ein Buch, das dem Joseph-st roman 'der Bibel in seinen mannigfachen Bearbeitungen - von der Urzeit -bis auf .unsere Tage nachgeht. Unter anderem macht es aarf eine oder mehrere dramatische Quellen zu der von Paul Piper ausgefundenen Dichtung aufmerksam und erwähnt -bei solcher Gelegenheit auch ein« Komödie in jüdisch-deutscher Mundart: „Die Bvrkanfung (Mokirath) Josephs", die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Frankfurt mit vielem Pomp «auifigeführt wuÄe Mld 1710 - dortselbst als Büchlein, gedruckt mit den hebräischen Lettern dieser Art Literatur, erschienen ist. Eine drollige Probe - daraus hat die „Frankfurter Zeitung" -am 2. Februar dieses Jahres rniitgeteilt,. ohne dabei-auf den „Joseph " Bezug zu nehmen, oder Verbindung zwischen dem jungen - Goeche und jenem „Purimspiel" herzustellen. Solche Verbindungen sind aber vorhanden. : Feuilleton Lebenserinnerungen _ W Cfetantort M. ®. Weiß «Schabst Weh). Äufgezeichnet von Max Weiß. (Fortsetzung) Kraft der Lizenz des Gouverneurs bereisten wir zahlreiche Städte Polens, überall von materiellem und künstlerischem Erfolg begleitet. Meine vier Impresario harten 'das erforderliche Kapital zum Studium erworben, brachten mich zurück in die Talmud Thora nach Bialystok, überließen mir 100 Rubel und kleideten mich fürstlich aus, sie selbst konnten nach Petersburg reisen und mit dem Studium beginnen. Einer meiner vier Kollegen hatte es zu einer gewisse« Bvrühmheiit als Opernbaß gebracht, es war Ratoiasky, der an die Wiener Hofoper engagiert wurde. Sonst habe ich vonkeinem später gehört. - Die folgenden fünf Monate besuchte ich wieder die Dalimrd Thora und fand Gefallen an den alten Dogmen und Kommentären unserer Gelehrten. In dieser Zeit bestrebte ich mich, die Quellen unserer Liturgien zu studieren und mir so weit möglich eiste, für einen Kasttbp nötige, erschöpfende hebräische Bildung anzueiguen. > Damals gab es in Bialystok eine-Partei-RefoÄnbedürftigür,die -dieErrichtung eines nwdernenTempels anstrrbten. Sie fanden in der Familie der Fräst Zablodvsky, emfcr Großgrundbesitzerin und Inhaberin industrieller Urlternchmungen, eifrige Förderer, die das „Beth Hamidrasch Zccklodosky" zu diesem Zwecke umbauen ließen. Ditz Entstehungsgeschichte d-veses „Bech Hamidrasch" dürste 'Viel' Jntereffe finden, und so will ich nicht unterlassen, sie anznführen. . Anfang des 19. Jahrhunderts lebte in Bialystok. Israel Zablodvsky, ein gottchrfürchtiger Mann, däb'ei voll Tatkraft und Energie, ein spitzfindiger Diplomat (wie der; Volksmund sagt), über ein Vermögen von 'mehr als 20 Millionen Rubel verfügend, verstand tzr es durch . patriotische Taten (er ließ gelegentlicheiner ' kaukasische« ' Expedition ein ganzes Kvsakenrogimestt auf tzigene Kosten . felidmäßig ausrüsten) das Auge des Monarchen auf sich zu . richten und hatte es so weit gebrächt, daß der Zar zwei-s mal bei ihm Quartier nahm — und all dies, um seinen, damals besonders gehetzten und verfolgten Gbuvbens-. gonoffen wenn auch nur geringfügige Begünstigungen zu verschaffen.

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