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Die Wahrheit · 1921-09-01 · Heft 18 (1.9.1921) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 18 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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T MMäMW Zeültzrsst für WGeMeressen- REDAKTION ^ADMINISTRATION Mira iiNbufe 18 Wie», 1. September 1931 XXXV1L Jahrgang Kammer 18 Zionismus und Amerikanismus. Für den in Mdfent Monat stattfindenlden Karlsbader ernkongreß wird schon seit Wochen eine heftige und R-eklametätigkeiit entfaltet. Ob das ausgestellte, Es offizielle, teils inoffizielle Programm die Kongreßjbefncher befriedigen wird, soll hier unerörtert bleiben; daß -aber die Karlsbader Zionistenverstunmlung, wie es bei ähnlichen Anlässen stets der Fall gewesen, den verschiedenen Parteien reichlichen Konfliktstoff bieten wird, ist außer Zweifel. Symptomatisch dafür ist die förmliche Absage der amerikanischen Zionisten und ganz besonders die Begründung dieses Entschlusses in «in«m langen Memorandum, dem wir folgende bedeutende Stelle entnehmen: „Im Herbst 1917 telegraphierte uns Professor Dr. W e i z m a u n, daß folgender Text 'der Balfourerklärung in Erwägung gezogen werde: „Sr. Majestät RegiölLmg begrüßt mit Wohlwollen die Errichtung eines nationalen HÄmes für die Mische Rasse in PMstina und wird sich bemühen, die Erreichung -dieses Zieles zu erleichtern, wobei klar verstanden wird, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der in Palästina bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften oder die Reichte und den politischen Status benachteiligen könnte, der in irgend einem Anderen Lande von solchen Juden genossen wird, die mit ihrer gegenwärtigen Nationalität und Staatszugehörigkeit vollständig zufrieden sind." Angesichts der möglichen Verwicklungen dieses Textes, ergriffen wir sofort aus unsere -eigene Initiative die Maßnahmen^ >diie zur Verbesserung der Erklämng durch Ersatz des Wortes „Jüdische Raffe" — durch „Jüdisches Volk" führten omtb durch die Streichung der Schlußwendung, die voraussetzte, daß „Unzufriedenheit" die Grundlage des zionistischen Ideales sei. Allein -keinerlei Einfluß aus die politische Lage der Juden in der Diaspora. kann -ans dem Gedanken des jüdisch-nationalen Strebens hergeleitet werden. Wir verwerfen vollkommen jeden Gedanken einer gemeinsamen politischen Einheit oder sogar das unscheinbarste politische Band, sei es unter den Juden der Wett, oder besonders «unter -den Juden der Diaspora und dem Volke, oder der Regierung in Palästina jetzt oder später. Wir in Amerika haben nur eine -und — dies ist sine ausschließende — politische Loyalität: es ist die LoyaliM gegenüber den Berömigten Staaten. Die entgegengesetzte Ansicht ist diejenige, 'die wir als Diaspova- Nätwnalwmus gekennzeichnet haben. Diese falsche Auffassung des politischen Nationalismus haben wir immer verworfen und wir kennen keinenveranÄovrMhen amerikanischen Juden, der sie hegt, oder jemals gehegt hätte. Aber wir können nicht oft genug wiederholen, daß wir das gemeinsam ererbte Band der Raffe/ Religion, Kultur und Tradition — den Ruhm der Vergangenheit, die Aufgaben der Gegenwart, die Hoffnung der Zukunft als GemtSÄvsamkeit mit den Juden der Weilt empfinden. .Diese Bande sind es, die uns für ein jüdisches Palästina hoffen und arbeiten lassen." Also klipp und klar: Dem nationalen Zionismus steht der nationale Amerikanismus im Rahmen der Juden heit gegenüber. Diese Fehdeansage richtet sich besonders gegen Weizmaun und So ko low und folgerichtig gegen Umerbesehlshaber, die, von dem Geist der Hwrptführer erfüllt, überall das große Wort und widerspruchslosen Einfluß behaupten wollen. Der Wetzmann- Sokolow'sche AntoLrakismus, dev nicht nur unter den Ostjuden, sondern auch in Mitteleuropa feine Ableger hat, wird Vermutlich auch kn Karlsbad mit dem Uebergewicht der Majorität jeden Versuch amdersgeartÄtev freier A^un^äußerW^nieiderWr^ien ward deshalb war & klug und wcchlorwogen, daß sich die Vertreter des amerikanischen Zionismus durch ihr Feonbleiben dem gleichen Schicksal entzogen. Uebritzens möchten mir nicht daraus schwören, daß diesmal die Herren in Karlsbad ganz „unter sich" sein Werden. Während der letzten Zeit hat die Gemeinschaft der nationalen Zionisten, oeranlaßt durch bedeutungsvolle Fehler, sowie durch — gelinde gesagt — Ungeschicklichkeiten der ehrsüchtigen Führerschaft Schwankende «und Wankende in' beträchÄichsr Anzahl aufzuweisen. Die Mißerfolge häuften sich in neuerer Zeit gar zu sehr (Der Mißerfolg gilt immer als Dummheit, sagt Dostojewski m Raskolnikow.) Man glaubt nicht mchr bedingungslos an die ÜnfchLarkSit Wüizmanns und Sokolows und derer.um sie herum. Deutliche Anzeichen dieser Erscheinung häufen sich täglich und deshalb konnte die ganze Mobilisierung für die Karlsbäder Tage nicht verhindern, daß sich die prinzipiellen Gegensätze Möschen den ziianWschen Ideen Londons und New-Vorks diesmal mit unerwarteter Schärfe offenbaren. Die bisher von den Nationalen geleitete Regie ist sehr umsichtig, aber dies schließt nicht aus, daß das gewagte Spiel einen argen Durchfall erleiden kann. Schon lange vor den «kommenden Kongreßvwgen ist ' am national-zionistischen Himmel unheilkündendes Sturmgewölk aufgezogen und die Wetterkundrgen weissagten ' nichts Gut^. Bei den Delegiertenwahlen bereits kam es zum befürchteten Krach. So erhielt nach Darstellung der „Jüdischen Presse" in Wien büi den Kongreßwahlen die offizielle Kandidatenliste bloß fünf Prozent der Stimmen. Der große Stricker und die anderen Großen, sie fielen fchmWich durch. Was tun? Man schämt sich eine WSÄe, legt die Schande 'beiseite, hintevgcht die Wähler, droht mit Demission und Zusammenstürzen des ganzen zionistischen Bims in Oesterreich und entsendet -nach Karlsbad eine gemischte Delegation von Gewählten und Durchgefallenen.

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