Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 17 (18.8.1921)
- Date
- 1921-08-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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WS Nr. i f % t e Ka h t| a i I Stitt i$ GofchartiEels 17 vom Jahre 1867 büe Juden des LanAes mit den übrigen Lande'sbävohnMn poMsch und bürgerlich glsichberechtigv wurden und daß der Gesetzartikel 42 vom Jahre 1895 büe Rezeption der jüdischen Konfession ausspricht. Die Juden haben ihre Bürgerpflichten stets erfüllt und dürfen daher auch , hinsichtlich der Rechte nicht auf eine niedrigere Stufe als die übrigen Konfessionen gestellt werden. Schon im Jahre 1885 habe das Abgeordnetenhaus Mer Antrag der Regierung beschlossen, daß das Judentum im Oberhaus durch einen vom König zu ernennenden Juden vertreten sei. Dieser Beschluß wurde damals hauptsächlich mit Rücksicht auf die inneren Verhältnisse des Judentums, welches keine einheitliche Vertretung besaß, aufgehoben. Ueberdies war die Rezeption der Mischen Religion noch nicht durchgeführt. Die damalige Regierung hat jedoch, um dem Geiste der Gleichberechtigung zu entsprechen, zwei hervorragende Juden zu lebenslänglichen Mitgliedern des Magnatenhauses ernannt. Das Memorandum schließt mit der folgenden Erklärung: „Die ungarische .Regierung, beziehungsweise die gesetzgebende Körperschaft kann unmöglich die Tatsache der Rezeption und die aus ihr sich ergebenden Konsequenzen umgchen, ohne sich zu den grundlegenden Gesetzen in Gegensatz zu bringen. Leidenschaften oder Stimmungen vermögen nicht jene goldenen Fäden zu zerreißen, durch welche der nationale Genius unsere Konfession in unser staatsrechtliches System emgewoben hat, und vergängliche Erscheinungen sind nicht geeignet, historische Prozesse aufzuhalten. Die in unserem konfessionellen Leben bestehenden. zwei Organisationen, an denen wir nicht rütteln wollen, werden bereit fein, hinsichtlich der Vertretung im Oberhaus gemeinsame Vorschläge gut unterbreiten." Konferenz der thoratreuen Juden für Böhmen, Mähren und Schlesien in Vkünn. Sonntag, den 17. September l. I. findet in Brünn eine Konferenz der thoratreuen Juden von Böhmen, Mähren und Schlesien statt. Zweck dieser Konferenz ist die Schaffung einer Zentralorganisation der Horatreiren Juden. Es ergeht an alle Juden, die ein Interesse an der Erhaltung des Horatreuen Judentums haben, die Aufforderung, an der Konferenz teilzunchmen. Anmeldung sind an den Vorstand der M a chsike H ad as, Brünn, Adlergasse zu richten. Tagesordnung der Vorkonferenz: 1. Begrüßung. 2. Mgemeine Lage. 3. Festsetzung der Richtlinien. 4. Organisation, 5. Errichtung eines Zentralbüros. 6. Eventuelles. Personen, die bereit sind, die Stelle eines Vertrauensmannes zu übernehmen, werden laufgefordert, ihre Adressen dem vorbereitenden Komitee mitzuteilen. Durch Verschulden der Jüdischnationalen. Der gewöhnlich gut informierte „Wend" bringt in einer seiner jüngsten Ausgaben einen Aufsatz über die Schwierigkeiten der jüdischen Kolonisation, der, wie in diesem Blatte gewöhnlich, schr scharfe Ausdrucksformen gebraucht, aber in der Sache fast ausnahmslos das Richtlge trifft, weshalb die Ausführungen des „Abend" hier wiedergegeben werden: „In Prag fand jüngst die Vorkonferenz des zionistischen Großen Aktionskomitees statt. Im September wird in Karlsbad der Weltkongreß der Zionisten äbgchalkten. Angesichts der großen Schwierigkeiten, die sich durch den Widerstand' der Araber der Einwanderung der Juden entgegenstellen,' und angesichts der Kämpfe in Borderasten rückt die PalWnafrage in den Mittelpunkt des Interesses. Im vergangenen Jahre wurden 7000 Personen von den Päkästinaämtern der zionistischen Organisation nach Palästina gebracht. Es waren dies zum großen Teil junge Leute, die infolge der Kriegs- und NachkriegsverhäÜnisse in Ost- und Mitteleuropa zum Verlassen Hrer Heimat gezwungen waren. Sicherlich hat das Vorhandensein der Auswanderungsorganifatron auch ermutigend Mwrrkt, so daß viele hofftmngslose Nichtstuer und Nichtskönner in das gelobte Land gezogen sind, in der Erwartung, es dort zu finden. In Wahrheit ist Palästina heute alles eher denn das gelobte Land. (Von uns bei wiederholten Anlässen festgestellt. D. R.) Es ist vor allem das teuerste Land der Welt. Palästina hat eine hochwertige Valuta, das ägyptische Pfund, das um 2y2 v. H. besser bewertet wird als das englische Pfund. Da eine nennenswerte Industrie nicht vorhanden ist nutz zur Bodenbewrrtschaftung, mit Ausnahme der spärlichen Kolonien, die einheimische Bevölkerung geeigneter ist als die ungeschulten, anspruchsvollen und leistungsunfähigen Neuankömmlinge, so blieb nichts anderes übrig, als die Erttgewanderten zum Straßenbau zu verwenden. Ein Arbeiter auf den Orangenplantagen verdient unter 'besonders günstigen Bedingungen 22 Piaster täglich; 20 Piaster gehen fürs tägliche Essen und Schlafen auf. Durchschnittlich erhält ein ungelernter Arbeiter, und das find ja die meisten Einwanderer, 8 bis 10 englische Pfund monatlich, 12 Pfund sind aber der Mindestbetrag, nm den Lebensbedarf zu decken. Was die Lage in letzter Zeit zur Unerträglichkeit gesteigert hat, ist die gereizte Stimmung der Araber, die neun Zehntel der -Bevölkerung ausmachen und geigen die jüdische Einwanderung fürchterlich erbittert find. Die Pogrome in Jaffa am 1. Mar haben den englischen High Commisstoner, der selbst Jude ist, veranlaßt, die Einwanderung der Juden vorläufig zu verbieten. In den großen DurchwaUdererstädten, so auch in Wien, stehen nun Tausende DurchwaNderer, die ihre Reise nach Palästina nicht fortsetzen können, die aber hinter sich atte Brücken abgebrochen haben. Der Widerstand der Araber richtet stch nun nicht so schr gegen die Einwanderung der Juden überhaupt, sondern gegen die Tatsache, daß die PolitikderJüdischnationalendasUebergewicht der jüdischen Interessen, gestützt auf die Freundschaft der Engländer, fo laut betont hat — ohne entsprechende praktische Arbeit für das Land zu leisten — daß die arabischen Hetzer ein leichtes Spiel bei den Massen haben. Die Zionisten verlegen stch auch immer mchr auf die Verteidigung ihrer alten Siedlungen. Da aber die Pogrome in der letzten Zeit, besonders in der Ukraine, die Umpflanzung geschlossener Massen notwendig machen, ist das Drängen der Zionisten nach einer Klärung der Verhältnisse nur zu begreiflich. Die hochwertige Valuta Palästrnas ist sicher ein Umstand, der die finanziellen Schwierigkeiten in Palästina vergrößert. Die Mittel, die in den valutaschwachen Ländern aufgebracht werden, sind, in Pfund umgesetzt, vollständig unzulänglich. Man kann aber die zionistische Organisation nicht von dem Vorwurf freisprechen, daß sie z u wenig praktische, aufbauende Arbeit geleistet und stch zu viel auf die Wunderder großen Begeisterung v e rlafsenh a t. Es hat den Anschein, als ob die Zionisten das jetzt selbst einfehen und neue, praktischere Wege suchen." Friedrich Wilhelm IV. und der Kaftanjude. B. M e isels erzählt im „Neuen Wr. Wendblatt" folgende Episode: Gewöhnlich pflegt man den Kaftanjuden als Halbasiaten zu bezeichnen. Dies trifft nicht zu. Auch unter diesen Juden gibt es kenntnisreiche Menschen, Forscher, Gekehrte