Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 17 (18.8.1921)
- Date
- 1921-08-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Srick li Di- Wq.Hrhs-ik Ar. mib Männer von europäischer Bildung. Einem „Gelehrten im Kaftan" war es einst vergönnt, der Freund Alexander v. Humboldts zu sein. Der Mann hieß Chaim Seilig Slonimski, war ein gewiegter Mathematiker und Astronom und lebte in Warschau. Im Jahre 1844 kam Slonimski nach Berlin, um dort eine physikalische Erftoidung, die er gemacht hatte, $u verwerten. Hier wurde er mit Alexander von Humboldt bekannt, und dieser fand an dem kenntnisreichen polnisch-jüdischen GelHrten dermaßen Gefallen, daß er ihn seines Wohlwollens und seiner Freundschaft wüÄrigte. Alexander v. Humboldt, der bekanntlich der Vertraute des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm I V. war, wußte den König für den jüdischen Gelehrten aus Warschau zu interessieren, so daß ihn der Monarch zu einer Privat-audienz entbot. HumboKt benachrichtigte hievon Slonimski und gab chm den Zeitpunkt an, wann er chn beim Könitz einführen werde. SlonÄnskitrug auch in Berlin »die polnisch-jüdische Tracht, nämlich den laugen, bis auf die Knöchel reichenden Kaftan. Vor dem König wollte er jedoch in einer modernen europäischen Kleidung erscheinen. Er verschaffte sich daher einen schwarzen .Gehrock, weiße Binde und alles andre, was zum „Dlodemenfcheu" gehört. In diesem neuen Auszug erschien er zur bestimmten Zeit bei Humboldt. Als dieser den völlitz umgOvandelten SlonimsD vor sich sah, war er nicht wenig erstaunt. „Aber, lieber Herr Slonimski," sagte er lachÄnd, ,jm$ faßt Ihnen denn ein, sich zu verstellen. Der König ist ja gerade auf den Gelehrten im Kaftan neugierig". Slonimski mußte wieder nach Hause «Aen, den neuen Modemenschen aus- und den alten Kaftanjuden wieder anziehen. Und in seiner alten Tracht erschien er beim König. Es war das erste und auch das 'letzte Mal, daß ein Kaftanjude von einem preußischen König toi Privataudienz empfangen wurde. Ungarische Judenführer besuchen Amerika. Me aus New-Aork «Mtzsteilt Wird, ist an Dr. Vaszonyi die Einladung gerichtet worden, mit dem amerikanischen Judentum in persönliche Fühlung zu treten. Demzufolge dürfte Vaszonyi in Begleitung des Obetvabbiners Doktor tevesi und des Präsidenten der Pester israelitischen ultusgemeinde Hofrat Franz Szekely im Herbst nach Amerika reisen, um für die Institutionen des ungarischen Judentums tätig zu sein. Diese Reife beweist wiärer einmal die patriotische Haltung der ungarischen Juden. Kremfier. Am 8. d. verschied der Senior unserer altehrwupdigen KnltUsgemernde Philipp Grünfeld im After von 92 Jahren. Der Verewigte war ein berühmter Talmudforscher von altem Schlage, gleichzeitig aber auch in den modernen Wissenschaften bewandert. Er war ein Menschenfreund und übte während seines ganzen Lebens Tugend und Gerechtigkeit. Geehrt und geschätzt von feinen Gemeindemitgliedern und Mitbürgern, wurden unter großer Teilnahme die irdischen Ueberreste des Verewigten' am 10. August zur ewigen Ruhe bestattet. Unser Gemeindercchbiner Se. Ehrw. Dr. Schweiger hielt dem Verewigten einen ergreifenden Nachruf und schilderte die Verdienste des TalmuldtzÄchrten als Mensch und Gemeindemitglied. An seiner Bahre trauerten seine Gattin, Präsidentin unseres Frauenvereines, und seine Kinder und EnLeMnher. Setor Nanre wird in -mrserer altehrwürdigen Gemeinde unvergeßlich, denn sein schafftnsvevch^ Leben, verkörperte W Ketzft des alfthrwüMgen.KvemfierSrtums. „Sein ÄndenkM sei gesegnet! " m.. Vermischtes Friedrich Maier. StA und bescheiden, wie er gelebt, ist er von uns gegangen. Im RndoLfinum, -im Kreise seiner Familie, hauchte er am 1. d. M. seine treiue Seele ans. Nur durch die Zeitungen erfuhr die große Zahl seiner Freunde und Verehrer, daß er aus dem Leiben geschieden ist, und doch hatte jeder, der ihn gekannt, das Gefühl, daß der Tod einen der Besten, Men Vertreter her guten alten Zeit ans dem Kreise seiner Freunde geholt; einen Mann, der anspruchslos für seine eigene Person, stets Hilfsbereit dastand, wo mau' seines weifen Rates und. seiner Tatkraft bedurfte. Es lichtet sich der kleine Wald' jener alten Männer, die sich gerne in,den Dienst der HMigen Ideale stellen und auf alle Ghren verzichten. Friedrich Maier! gehörte zu diesen „Alten". Ohne sich vorzudrangen, ein Feind aller lärmenden Ehrungen, stets ton Hintergründe bleibend, führte er durch seine Klugheit und seine weise Erfahrung. Man mußte ihn bei einer Sitzung des Leopoldstädter Tempelvereines beobachten, in welchem er Jahrzchnte hindurch segensreich wirkte. Still, mit geschlossenen Augen, scheinbar teilnahmslos saß er da, ließ die Parteien sich befehden, bekämpfen. Mitten im heißen Kampfe erhob er sich, sagte beiden Parteien seine Meinung, zeigte ihnen den rechten Weg. Wie auf ein Zauberwort beruhigten sich die Gemüter, alles schloß sich dem weisen Greise an. Und darum hatten die Vorsteher dieser Gemeinde die Botschaft von dem Ableben ihres weisen Meisters in tiefer Wehmut entgegengenommen, darum scharten sie sich um den Sarg des Verewigten, wie um einen verstorbenen Verwaisten und lauschten unter Tränen den trefflichen WoMn des Trauerredners, Herrn Rabbiner Dr. S. Funk, der bewegten Herzens die schönen Eigenschaften und Tugenden des braven Mannes schilderte, sein offenes, liebenswürdiges Wesen, seine Selbstlosigkeit, seine OpferwMWeÄ als Gatte und als Vater, seine Treue den Freunden gegenüber hervochob. Anschließend an den Seelsorger verlich Herr Obmannftellvertreter. S. Adler dem tiefen Danke der Vorstandsmitglieder beraten Ausdruck. Nachdem Herr Oberkantor Gi blich m ann mit verstärktem Chore die Trauevgdbete verrichtet hatte, nahm die große Zahl der Verehrer Abschied von dem sanften, guten Greift, den man in die Gruft gelegt. Man nahm Abschied mit den Worten des Weifen: „Schade, ewig schade um jene, die hingehen und nicht ersetzt werden können!" An dev Bahre des Verewigten trauern seine Gattin Rosa, seine Töchter Frau Helene Turkl, Frau Irene Hirsch, Frau Klementine Plats ch i k, Frau Grete Z e i s n e r, und seine Söhne, die Herren Hosrat M. U. Dr. Maximilian, Ignatz, Richard, Felix, Robert und Rechtsanwalt Dr. Leonhard Maier, sowie Schwiegersöhne, Schwiegertochter und Verwandte des Verblichenen. Oberkantor Mayerowitsch^vom Müllner-Dempel verläßt Wen und tritt am 1. September sein Engagement als Vovbetor (in England ist dies die BezeWmng> für Kantoren) ift der Great Synagoge an. Wir wünschen hem Scheidenden Glück in feinem neuen WiWungskrM. TrMUNgeu. Am 12. p. M. vermählte sich iber zweite Sohn des Herrn Fabrikanten Moritz L a z a r, Herr Geza Lazar, mit Fräuftin Jda Koppel -ans Mödling. Im Hotel „zu dm Wer Rahen" in der Wchechvichl fand unser beväuschM) stMien -MtotsMlängen, begünstigt von einem